Die Kultur und die Stockacher Schulen haben eine besondere Verbindung – das zeigt das neue Kulturprogramm mit der Meisterkonzert-Reihe und weiteren Veranstaltungen mehr denn je. Beliebte Musiker und Publikumsmagneten haben hier ihre Wurzeln und kehren immer wieder gerne für Auftritte zurück oder machen Stockach zu einem Auftrittsort. Besonders ist dieses Jahr auch ein neues Abo-Ticket, das eine Kombi aus zwei Konzerten und zwei Kleinkunstabenden erlaubt.
Corinna Bruggaier, Leiterin des Kulturamts, schaut sich laufend nach Talenten für das Kulturprogramm um und konnte für die neue Saison mit Henriette Gärtner eine Pianistin gewinnen, die an einem Flügel am Nellenburg-Gymnasium das Klavierspielen gelernt hat. Die Musikerin erinnert sich im Pressegespräch sehr gerne an diese Zeit zurück: Ihr Vater war Musiklehrer und obwohl die Familie in Unterschwandorf bei Neuhausen ob Eck wohnte, war das Instrument am Gymnasium in Stockach ihre einzige Chance, so oft üben zu können. Dafür wurde sie sogar hingefahren, da es keine Busverbindung gab.
Einer tritt sogar zwei Mal auf
Tarek El Barbari hatte da als Stockacher einen kürzeren Weg, doch der Flügel in der Schule spielte auch in seiner musikalischen Laufbahn eine große Rolle. Er war in seiner Schulzeit bei diversen Konzerten zu hören und gehörte auch zu denen, die bei den Auftritten der Theater-AG in der Regie-Ära Hanneli Schott für eine wunderbare Untermalung sorgte. Tarek El Barbari sogar zwei Mal im neuen Programm vertreten.

Das Saisonprogramm beginnt mit Henriette Gärtner und einem Konzert unter dem Titel „Fantasie“. „Musik ist einfach mein Ding“, sagt sie. Ihr sei bei der Auswahl der Stücke für ein Konzert immer die Mischung zwischen bekannten und unbekannten Werken wichtig. „Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht“, erzählt Pianistin, die unter anderem an der Musikhochschule Trossingen arbeitet.
Warum Musik Hochleistungssport ist
Die zertifizierte Musikphysiologin zieht zwischen Musik und Sport Parallelen: Das Klavierspiel sei zunächst ein Bewegungsablauf für die Finger, der trainiert werden müsse, also ein Hochleistungssport der kleinen Muskeln. Dann komme die Emotion und Kunst dazu. Beim Musizieren gehe es auch um das richtige Sitzen, Stehen und Atmen. Da könne man viel von Sportlern lernen.
Neben diesen beiden Künstlern hebt Corinna Bruggaier noch weitere Regionalbezüge der bekannten Namen aus dem Programm hervor. So tritt auch Benedikt Hubov, der Sohn von Musikschuldorektor Helmut Hubov auf, Valentin Ery, der manchmal mit der Philharmonie spiele, sei dabei, es gebe ein Galakonzert von Pestalozzi und bei „Junge Meister“ treten wieder Nachwuchskünstler aus dem Abi-Jahrgang auf. Das Lions-Konzert habe inzwischen auch schon Tradition.
Stockach gehört jetzt zum Bodensee-Festival
Eine große Neuerung in diesem Jahr ist die Kooperation mit dem Bodensee-Festival, die kürzlich geschlossen wurde. Dessen Geschäftsführerin Sarah Baltes schildert, die GmbH habe verschiedene Partner, darunter auch Kommunen. „Wir sind glücklich und dankbar, Stockach als neuen Partner zu haben“, sagt sie. In Zeiten klammer Finanzen sei es nicht selbstverständlich, dass Kommunen diesen Weg gehen.

Das Bodensee-Festival finde in der Regel im Mai und Juni statt. In diesem Zeitraum stünden verschiedenen Veranstaltungen unter einem bestimmten Thema. 2027 sei dies „Tiefenrausch und Höhenflüge“. Mit den jeweiligen Artists in Residence (Künstler vor Ort) gebe es dann verschiedene Konzert in verschiedenen Besetzungen – Profis spielen dabei mit angehenden Profis. In Stockach tritt im Mai 2027 Franziska Hölscher auf. Dafür gebe es drei Stücke, die zum Motto passen: Ein Schweizer Stück zu den Alpen, ein Werk von Brahms mit Hornmotiv und auf Wunsch von Hölscher und des Dirigenten auch „Distant Light“.
Kleinkunst und ein neues Abo
Das Programm bietet natürlich mehr als nur Musik. Corinna Bruggaier weist auf eine schöne Mischung bei der Kleinkunst hin. „Bernd Kohlhepp spielt immer gerne hier“, sagt sie. Zudem gebe es zwei besondere Veranstaltungen: Die Kulturnacht am Samstag, 19. September, und am 10. April 2027 das Fest zu „25 Jahre Altes Forstamt“, da das Gebäude damals saniert und zum Kulturzentrum geworden ist.
Die Kulturamtsleiterin hebt hervor, die Preise für alle Veranstaltungen seien moderat, manches sogar kostenlos. Sie freut sich schon sehr auf das Programm, das mit vielen Premieren aufwartet und erstmals in einem Programmheft Konzerte, Kleinkunst und weiteres so geballt vereint. Sie betont, Kultur sei mehr als die Summe von Veranstaltungen, denn sie schaffe Begegnungen, stärke die Identifikation mit Stockach und trage auch dazu bei, die Gemeinschaft zu fördern.

Die Kleinkunst ist dieses Jahr übrigens neu in einem neuen Abo-Ticket enthalten, dessen Verkauf am Schweizer Feiertag beginnt. Zusätzlich zu den beliebten Klassik-Abo für die Meisterkonzerte gibt es nun auch ein neues Abo-Ticket, das jeder Inhaber frei für zwei Konzert und zwei Kleinkunst-Abende nach Wahl nutzen kann. Dieses Abo sei limitiert und man müsse dann ins Alte Forstamt kommen, um eine Einlösung für Plätze vorzunehmen, erklärt Corinna Bruggaier.
Die Bürgerstiftung Stockach ist dieses Jahr auch wieder mit im Boot. Ihr Ziel ist die Förderung des Gemeinwesens. Die Stiftung fördert die Partnerschaft mit dem Bodensee-Festival. Und auch hier gibt es eine kulturelle Verbindung mit Musik und Schule. Helmut Lempp, Geschäftsführer der Bürgerstiftung, erzählte, ein Sohn des Mitgründers Heinrich Wagner, der auf das Nellenburg-Gymnasium gegangen sei, sei als Komponist tätig.

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