Ein riesiger Schritt für den Nahverkehr und die nördlichen Stockacher Ortsteile ist geschafft. Die Kosten-Nutzen-Untersuchung habe gezeigt, dass die Reaktivierung der Ablachtalbahn in Verlängerung des Seehäsle von Radolfzell nach Stockach weiter Richtung Meßkirch und Mengen volkswirtschaftlich sinnvoll sei, teilen das kommunale Eisenbahninfrastrukturunternehmen Ablachtalbahn und der Förderverein Ablachtalbahn mit. Der Nutzen übersteige deutlich die Kosten, so dass die Reaktivierung hohe Investitionskostenzuschüsse aus dem Landes – und Bundesförderprogramm nach dem GVFG erhalten könne.

Sie erklären auch den möglichen Zeitplan für die kommenden Jahre, der die Einrichtung von Haltepunkten in Hindelwangen, Zizenhausen und Hoppetenzell beinhaltet. An diesen und weiteren Haltepunkten würden auf der Gesamtstrecke von Radolfzell und Mengen im Stundentakt Züge verkehren, so die Mitteilung.
Auch der Bus ist dabei bedacht: „Die Busverkehre im Umfeld der Ablachtalbahn sollen in Abstimmung mit den Landkreisen Sigmaringen und Konstanz überarbeitet werden, um eine optimale Bus-Bahn-Verknüpfung in der Fläche zu erreichen. Die Schülerbusverkehre bleiben wie gehabt in allen Ortsteilen entlang der Strecke bestehen.“
Kosten liegen bei rund 116,2 Millionen Euro
Für den ÖPNV müsse die Bahnstrecke ertüchtigt werden, da die Züge mit 80 bis 100 Stundenkilometer fahren können sollen. Zudem sollen alle Bahnübergänge Schranken und Ampeln erhalten. „Basierend auf dem aktuellen Planungsstand wird für die Ertüchtigung der Strecke von Stockach nach Mengen ein Investitionsvolumen von rund 116,2 Millionen Euro erwartet“, schreiben das Unternehmen und der Förderverein.
Zu den Maßnahmen gehören zwei 2-gleisige Begegnungsabschnitte, die Erneuerung der Gleisanlagen mit Erhöhung der Streckengeschwindigkeiten, neue und barrierefreie Bahnsteige, neue Signale, neue Bahnübergangs-Schrankenanlagen sowie die Sanierung von Brücken. Im Gegensatz zu anderen Strecken sei jedoch keine Elektrifizierung vorgesehen.

Weiter erklärt die Mitteilung: „Die Planungsingenieure der Studie rechnen in Abstimmung mit dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg und der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) mit modernsten, leisen und schadstoffarmen batterieelektrischen Fahrzeugen, die ihren Strom auf der Bodenseegürtelbahn aus der Oberleitung beziehen und auf der Ablachtalbahn dann im Batteriebetrieb fahren können.“ Die Fahrzeit von Stockach nach Meßkirch werde dann nur rund 24 Minuten betragen, von Radolfzell bis Meßkirch 43 Minuten.
Sehr positive und hohe Fahrgast-Prognosen
Der Gutachter des Verkehrswissenschaftlichen Instituts Stuttgart (VWI) habe eine Querschnittsauslastung von rund 1200 Fahrgästen pro Tag in den Zügen südlich von Meßkirch ermittelt – das entspreche rund 2700 Fahrten, die täglich mit der Ablachtalbahn unternommen werden würden. „Das sind mehr Fahrgäste, als in den 1990er-Jahren für die Seehäsle-Bahnreaktivierung von Stockach nach Radolfzell prognostiziert wurden, die heute als große Erfolgsgeschichte im Kreis Konstanz anerkannt ist“, wird Severin Rommeler, Bürgermeister der Gemeinde Sauldorf und Vorsitzender des Förderverein Ablachtalbahn, zitiert. „Die Fahrgastprognosen für die bisher reaktivierten Bahnen wurden nach einigen Jahren immer übertroffen, zum Beispiel fahren im Seehäsle heute rund 3500 Fahrgäste mit – im Bus vor der Seehäsle-Reaktivierung 1996 waren es keine 500 Fahrgäste.“

Severin Rommler und sein Amtskollege Arne Zwick aus Meßkirch betonen die Bedeutung des ÖNPV auf der Ablachtalbahn-Strecke: Nicht nur die Orte an der Strecke würden profitieren und bekämen eine neue Anbindung, sondern es gebe so auch die Anbindung an den Fernverkehr in Radolfzell und Ulm.
Das Seehäsle zwischen Stockach und Radolfzell habe den direkt an der Bahn gelegenen Kommunen einen richtigen Boom gebracht – das erwartet Zwick auch bei der Ablachtalbahn. Schon die Biberbahn sei eine Erfolgsgeschichte und sorge für spürbare Impulse im Tourismus. Die Fahrgastzahlen hätten sich mit 11.652 im Jahr 2025 im Vergleich zu 2024 nahezu verdoppelt. 2026 habe sich dies mit Sonderfahren fortgesetzt, zum Beispiel dem Stockacher Narrentreffen und 1157 Fahrgästen.
Nötige Planungen und Genehmigungen
Obwohl jetzt eine enorm wichtige Hürde genommen ist, kommen noch ein paar Schritte bis Baumaßnahmen starten könnten. In den kommenden Monaten könnte laut der Mitteilung die Entwurfs- und Genehmigungsplanung begonnen werden, an die sich das Planfestellungsverfahren anschließe, mit dem Baurecht erteilt werde. Ebenso komme dann die Bearbeitung und Prüfung des Zuschussantrags. All dies könnte in den Jahren 2028/29 abgeschlossen werden, so die Mitteilung.

Der eigentliche Streckenausbau könnte sich dann daran anschließen. Mit einem Baubeginn im Jahr 2030 könnte der erste Abschnitt zwischen Stockach und Menningen-Leitishofen im Jahr 2032 fertiggestellt und in Betrieb genommen werden.
Fragezeichen um die Finanzierung
Im vergangenen Oktober waren die Bürgermeister in einer Gemeinderatssitzung in Stockach zu Gast und stellten den damaligen Stand vor. Der Wunsch nach Bahnhalten in den nördlichen Ortsteilen war sehr deutlich. Mit den neu veröffentlichten Ergebnissen kann dies nun kommen. Die lange erwarteten Ergebnisse und wie es weitergeht, wird sicherlich bald im Gemeinderat besprochen.
Allerdings gibt es noch Fragezeichen um den Finanzierungsanteil von Stockach angesichts der engen Finanzlage, die eher enger als besser wird. Dieses Schicksal teilt die Stadt mit vielen anderen Gemeinden. In der Sitzung wurde damals dargestellt, dass die Gemeinden entlang der Strecke etwa 5 Prozent der Gesamtkosten tragen müssten, wenn alle Zuschüsse von Bund und Land klappen.

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