Sowas darf man sich nicht entgehen lassen, oder? Wilderich Graf von und zu Bodman nahm Interessierte auf einen Spaziergang zu Kleindenkmalen im Altort von Bodman mit – und fast 40 Interessierte kamen und versammelten sich um den Treffpunkt am Brunnen bei der Metzgerei, der genau zu diesen Kleindenkmalen gehört. „Die kleinen Dinge beachtet man oft nicht“, sagte er zu Beginn.
Die Route führte zur historischen Schlosstorkel, am Rheinwaldhaus vorbei an verschiedenen Gebäuden mit Kleindenkmalen und Bezügen zu Gut Bodman, der Kirche St. Peter und Paul, dem Pfarrhaus, das frühere Fassanenhaus, durch ein Stück Schlosspark und zu den einem Brunnen im Schlosshof bei den Wirtschaftsgebäuden. Ein wahres Feuerwerk an historischen Kleinoden, die stehen, liegen oder in luftigen Höhen angebracht sind.
Kunstvolle Kleindenkmale an vielen Stellen
Die vollgepackte Stunde zeigte: Genauer jinschauen und aufmerksam durch Bodman laufen, lohnt sich. Zudem durften die Teilnehmer an Stellen vorbei, die der Öffentlichkeit sonst nicht zugänglich sind. Sie erlebten jede Menge spannender Eindrücke, kunstvolle Dinge und das beeindruckende Wissen von Graf Bodman, der nicht nur alles komplett frei aus dem Gedächtnis erzählte, sondern auch noch die eine oder andere Anekdote einfließen ließ.

Die Brunnen also – sie sind Zeitzeugen der Entwicklung von Bodman und sogar der Region. Der Brunnen bei der Metzgerei sei einst zur Verschönerung des Orts aufgestellt worden, so Graf Bodman. Er finde, dieser sei mit seinen kunstvollen Verzierungen der schönste Trog in Bodman. Er habe sogar noch das alte Wappen den Gräflichen Hauses. Der Brunnen im Schlosshof, ein noch größerer Metalltrog habe schon verschiedene Standorte in Espasingen und Stockach gehabt, ehe er nach Bodman gekommen sei.
Egal in welcher Form, an was und wie groß – das Wappen den Gräflichen Hauses von Bodman ist im Altort an zahlreichen Gebäuden zu finden und weist auf ihre Geschichte und Nutzung hin. An der Schlosstorkel gibt es sogar mehrere interessante Elemente, auf die der Graf hinwies: Die Wappen und die in die Lochfassade eingelassene Jahreszahl 1772, also das Baujahr des Torkelgebäudes.
Viele Wappen und Familiengeschichten
Das frühere Gasthaus Adler in der Kaiserpfalzstraße besitzt an der Fassade einen schönen Doppeladler, der dort als Erinnerung an seine ursprüngliche Nutzung angebracht worden sei. Und ein Balkon Richtung See an einem anderen Haus, zu dem man sonst nicht kommt, zeigt besondere Schmiedekunst aus dem 19. Jahrhundert.

Graf Bodman erzählte über die Entwicklung der Kaiserpfalz und der gräflichen Familie. Der Bruder seines Urgroßvaters habe nach Frankreich geheiratet, wo es heute viel mehr Nachfahren der Familie von Bodman gebe als in Deutschland.
Vor und an der Kirche gab es eine ganze Reihe Kleindenkmäler und kulturelle Kleinode anzuschauen. Das Kriegerdenkmal von 1871 hat die kuriose Eigenschaft, dass keiner der Namen darauf einem Verstorbenen gehört, also ganz anders als in anderen Orte. Man habe damals ein Denkmal aufstellen wollen und habe die Namen aller, die aus dem deutsch-französischen Krieg heimgekehrt seien, daraufgeschrieben, erzählte der Graf. Aus Bodman sei niemand gefallen.
Bei der Kirche ist viel Interessantes
Das große, kunstvolle Kreuz auf der Wiese vor der Kirche stammt von Reinhard Siecke, der auch in der Nähe ein weiteres Werk stehen hat, zu dem der Spaziergang führte. „Es ist ihm gelungen, eine Physiologie darzustellen, die alle Völker der Welt einschließt“, sagte der Graf zum Kreuz, das dort seit 1986 steht.



Die Nachbildung einer Marienfigur aus dem 14. Jahrhundert ist über dem Seiteneingang der Kirche angebracht. Ursprünglich sei dort sogar das bei einer Kirchenrenovierung gefundene Original gewesen, doch nach einer Beschädigung habe mal die Rekonstruktion über die Tür montiert. Das Original sei im Pfarrhaus. Zudem läuft man auf dem Weg zur Kirche über ein Wappen-Mosaik am Boden.
Ein Gebäude an einem verschlossenen Nebeneingang zum Schlossparkt machten großen Eindruck auf die Teilnehmer. Dort war einmal das Fassanenhaus, dem man die alte Pracht mit den Säulen noch ansieht. Auf einem alten, runden Steinbrunnen steht ein weiteres Siecke-Werk – ein abstrakter Steinbock. Warum Steinbock? Dieser ist das Wappentier der Gräflichen Familie und findet sich im Wappen wieder.
Spannendes zur Architektur von Schloss Bodman
Graf Bodman ließ die Geschichtsinteressierten durch einen Zugang, der normalerweise geschlossen ist, in den unteren Teil des Schlossparks eintreten, wo er eines von zwei Naturdenkmälern vorstelle. Dort steht eine rund 200 Jahre alte Hainbuche, die zu den 500 besondersten Bäumen in Baden-Württemberg gehört. Ein weiterer Baum dieser Liste steht ebenfalls im Schlosspark.

Das Schloss hat auch ein Wappen-Kleindenkmal an der Front zum Schlosspark Graf Bodman holte auch ein bisschen zur Baugeschichte des Schlosses hervor und verriet, wie ein gerade mal zwei Zentimeter breiter Vorsprung von Fenstern im ersten Obergeschoss ein optische Wirkung der Dynamik an der Fassade schafft. Man könnte dieses Effekt, aber auch die große Geschichte und Bedeutung hinter den kleinen, unscheinbaren Dingen, auch so nennen: Klein aber oho.
Spaziergang endet im Schlosshof
Und mit einer kleinen Anekdote über die Wäschespinne der Gräfin im Schlosshof endete die Führung langsam mit dem größten Kleindenkmal – der frühere Maischetrog aus der Schlossbrauerei Espasingen, der über Umwege zum Brunnen bei den Wirtschaftsgebäuden geworden ist. An diesen Fassaden hängen zudem plastische Tierköpfe, die zeigen, dass dort früher Ställe waren.
Tobias Jaklin, Vorsitzender des Museumsfördervereins Bodman-Ludwigshafen, über den dieser Kleindenkmal-Spaziergang lief, freute sich über die spannende Veranstaltung und das große Interesse der Menschen. Er und Graf Bodman zogen über den Beginn einen Bogen über das gesehene: Es lohnt sich, genauer auf die kleinen Dinge zu schauen, da dort Großes verborgen sein kann.









Schreibe einen Kommentar