Liegt die Lösung auf dem Wasser? Update zu Toilette und Kiosk für Marienschlucht

Eigentlich wollte er noch nichts sagen bis alles spruchreif ist. Doch eine Nachfrage zum Schifffsverkehr zur Marienschlucht rang Bürgermeister Christoph Stolz im Touristikausschuss von Bodman-Ludwigshafen eine Andeutung zur Lösung für eine Toilette in der Marienschlucht ab.

Rätin Erika Zahn regte für starke Wochenende eine zusätzliche Kursfahrt an, die mit dem zweiten Schiff des Schifffahrtsbetriebs Deinis direkt ohne andere Stopps zwischen Bodman-Ludwigshafen und der Marienschlucht laufen könnte. Auf dem normalen Kurs fährt das große Schiff, die MS Großherzog Ludwig. Es gibt aber auch noch die kleinere St. Georg.

Warum das wohl nicht geht, war gleichzeitig ein Hinweis zur möglichen Lösung, um den Wanderen eine Toilette zur Verfügung zu stellen. „Das zusätzliche Schiff spielt bei der Interimslösung eine Rolle“, sagte Stolz. Das war einerseits wenig, spricht aber andererseits Bände bei diesem komplizierten Thema mit Naturschutz und zahlreichen Behörden, die Mitsprache haben.

So hatten Sandra Domogalla, Leiterin des Amts für Tourismus, Kultur und Marketing, und Christoph Stolz, bereits in einem Rundumschlag zu den Dingen, die im Bereich Marienschlucht noch zu tun sind, klargemacht, dass die Behörden keine Toilette und keinen festen Kiosk an Land akzeptieren werden. Eine Lösung könne nur auf dem Wasser sein.

Kiosk-Ponton mit Toilette war zu teuer

Bis zum vergangenen Jahr hatte es eigentlich den Plan für einen Kiosk-Ponton gegeben, auf dem auch eine Toilette hätte sein sollen. Der Ponton hätte während der Saison am Anlegesteg der Schlucht liegen sollen und im Winter im Hafen von Bodman. Letztendlich waren die Kosten aber nicht stemmbar, da sie alleine bei der Gemeinde Bodman-Ludwigshafen gelegen hätten.

Bodman-Ludwigshafen, Allensbach und Konstanz tragen zwar zu gleichen Teilen die Kosten in der Marienschlucht, doch das Kiosk-Schiff hätte allein im Besitz von Bodman-Ludwigshafen sein sollen. Der Seegemeinde gehört der Steg und nur die Schiffe des Schifffahrtsbetriebs Deinis, der die Großherzog Ludwig von der Gemeinde gepachtet hat, dürfen dort anlegen.

Ein anderes Schiff als Teil der Lösung

Und jetzt? Die logische Schlussfolgerung aus den Puzzelteilen: Statt Kiosk-Ponton kommt vermutlich die St. Georg zum Anlegesteg – sie hat eine Toilette sowie Bewirtungs- und Sitzmöglichkeiten.

Das ist aber noch nicht bestätigt. Christoph Stolz bat in der Sitzung um Geduld. Eine Interimslösung solle noch in diesem Jahr kommen und er wolle es mitteilen, sobald alles unter Dach und Fach sei.

Von den neuen Stegen auf etwa zehn Metern Höhe kann man in die Schlucht hinunter schauen. Bild: Ramona Löffler

Mehrere Wortmeldungen und Fragen zeigten an diesem Abend, wie sehr Toilette und Kiosk die Anwesenden, aber auch viele Besucher bewegen. Ausschussmitglieder und Gastgeber aus dem Ort wiesen auf die Dringlichkeit hin. Christoph Stolz zählte deshalb sogar eine rund zweistellige Zahl an Behörden und Organisationen auf, um zu verdeutlichen, wie schwierig Genehmigungsverfahren in einem Naturraum wie der Marienschlucht sind. Und mit Marienschlucht ist das ganze Areal samt Wanderwegen und Mondfels gemeint.

„Wir geben die Lösung bekannt, wenn es soweit ist. Wir wollen die Natur besser schützen und ein besseres Erlebnis bieten“, sagte Stolz, da angemerkt wurde, dass die Menschen ihre Notdurft sonst im Wald verrichten und Müll hinterlassen.

Sorgen um Verschmutzung

Tierärztin Karin Weber zog einen Vergleich mit dem Naturschutzgebiet Hangen zwischen Bodman und Ludwigshafen, wo sie beim Gassi gehen täglich Taschentücher und Ähnliches einsammle. „Wenn das auf so einer kurzen Strecke schon so aussieht, wie wird das dann erst in der Marienschlucht?“ fragte sie angesichts des Kilometer langen Wanderweges. Eine Toilette für die Schlucht sei wirklich ein brisantes Thema: „Da muss eine Behörde doch Einsicht haben“, fand sie.

Der Blick nach oben, wo auf der Erich-Pohl-Kanzel Wanderer stehen. Bilder: Ramona Löffler

Zum Kiosk gab es bei weitem nicht so viel Drängen, doch in Gesprächen nach der Sitzung wurde deutlich, wie kompliziert es auch damit ist: Feste Bauten sind nicht erlaubt, selbst ein Wagen oder so, der nicht immer an derselben Stelle ist, geht nicht. Die Behörden würden absolut nichts an Land erlauben, nicht mal Kompost-Toiletten, so Stolz. Auch das war nochmal ein Hinweis darauf, dass die Marienschlucht nur auf dem Wasser einen Kiosk und eine Toilette bekommen kann.

Diese Einblicke in die schwierigen Verfahren zeigen, wie viel strenger die Vorgaben geworden sind, da es früher sogar einmal einen Kiosk gegeben hat – er brannte vor vielen Jahren ab und wurde nie wieder aufgebaut. Der ehemalige Kiosk und Holz als Stegmaterial teilen sich das Schicksal, dass es soetwas in früherer Form nie mehr geben kann – das war ebenfalls eine Erkenntnis aus dem Touristikausschuss und nochmal eine deutliche Klarstellung von Seiten der Gemeinde. Beim Kiosk liegt es am Naturschutz, beim Holz an der Sicherheit.

Stahlsteg für die Sicherheit

Der Bürgermeister schilderte in der Sitzung extra nochmal die Gründe für Stahl als Baumaterial und warum der Steg mit Abstand zur Felswand gebaut ist. Er wollte die Gastgeber so für Rückfragen ihrer Übernachgungsgäste wappnen, da er wisse, dass diese kommen und die Gemeinde bereits laufend welche erhalte. Im Hinblick auf die Sicherheit wäre es nicht möglich gewesen, je wieder einen Steg unten in der Schlucht über dem Bach zu bauen, da Fels- oder Erdrutsche Menschen verletzen oder töten hätten können. Der andere Aspekt sei der Naturschutz, da Stahl nachhaltiger ist, weil er viele Jahrzehnte, vielleicht sogar ein Jahrhundert, halten werde. Holz müsste öfters ersetzt werden, so Stolz.

Und mehr noch: Die Natur um den Bach in der Schlucht könne nun zur Ruhe kommen, wenn die Menschen oben auf dem Stahlsteg laufen. Er sei sich natürlich bewusst, dass die einen den Steg kritisieren, während andere ihn als architektonische Meisterleistung sehen. „Die Natur erholt sich und wenn alles an den Steg heranwächst, gibt es einen spannenden Kontrast zwischen Natur und Stahl.“

Mehr zum den Wegen und Schildern sowie einem Radfahrverbot auf dem Wanderweg am Wasser folgt noch in einem weiteren Artikel.

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