Testphase für Fußgängerzone in Oberstadt kommt – aber nicht ohne Kritik und Widerstand

Die Entscheidung ist getroffen, aber der Unmut ist groß. Im Jahr 2027 soll der Abschnitt der Hauptstraße zwischen dem Alten Forstamt und der Volksbank probeweise für drei Monate zu verkehrsberuhigten Zone werden, also Fußgängerzone, durch die nur der Linienbus fahren darf. Obwohl der Beschluss mit großer Mehrheit fiel, sparten die Räte nicht mit Kritik. Zudem steht im Hintergrund auch eine Interessensgemeinschaft der Händler in der Oberstadt, die sauer ist und sich nicht gehört fühlt.

Bürgermeisterin Susen Katter ist von der Testphase überzeugt: Einfach mal probieren, lautet das Motto. Dafür leiht die Stadt Stockach eine kostenlose Möblierung vom Land aus, mit der eine Fußgängerzone mit Sitzgelegenheiten simuliert werden kann. Das Ziel der Stadtverwaltung: Zeigen, wie es aussehen und laufen kann, wenn der Verkehr nur durch die Salmannsweiler-, Kaufhaus- und Pfarrstraße laufen darf. Alle Geschäfte der Hauptstraße seien trotzdem durch diese Straße von der Rückseite her anfahrbar.

Langer Prozess soll in Testphase münden

„Alles ist ergebnisoffen“, betonte die Rathaus-Chefin, die auch darauf hinwies, dass die Bürgerbeteiligung im Honold-Haus wiederkehrende Themen und Wünsche zur Oberstadt bestätigt habe. Sie schilderte auch, wie der Stadtentwicklungsprozess in den vergangenen Jahren gelaufen ist und dass diese Probephase und die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung ein kleineres Ausmaß hätten, als das grüne Band, das der Gemeinderat vor ein paar Jahren beschlossen hatte – in dieser Variante wären sämtliche Straßen der Oberstadt zur Fußgängerzone geworden. Nun soll es testweise nur ein Stück der Hauptstraße sein.

Wenn dieser Teil der Oberstadt testweise Fußgängerzone gibt, fallen 12 Parkplätze an den Geschäften weg. Archivbild: Ramona Löffler

Durch den Test würden 12 Parkplätze wegfallen und anschließend solle natürlich ausgewertet werden, wie das Ganze gelaufen ist. Ihr sei es auch wichtig, die Händler und Gastronomen einzubeziehen. Mit der Interessensgemeinschaft, die sich bereits mit einem Brief bei ihr gemeldet habe, werde es noch Gespräche geben, versprach sie. Was in dem Brief steht, las sie nicht vor.

Händler Sorgen sich um weniger Frequenz

Einige Vertreter dieser Interessensgemeinschaft saßen in der Sitzung im Zuschauerraum und waren alles andere als zufrieden mit dem Thema. Im Gespräch mit Tiefgang erklärten sie ihre Ängste und Sorgen. Sie befürchten weniger Kundenfrequenz. Sie weisen auch auf die Erfahrungen von den Krämermarkten oder der testweisen Freitagssperrung für den Wochenmarkt hin: An diesen Tagen würden die Einnahmen rund 20 Prozent zurückgehen. Gerade Gehbehinderte seien darauf angewiesen, direkt an den Geschäften parken zu können.

Die Mitglieder der IG fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen und nicht mitgenommen. Sie finden, man drücke ihnen das alles jetzt auf und wolle Erfahrungen sammeln, die durch Tagessperrungen bei Krämermärkten längst vorliegen würden.

Postfiliale ist ein Sorgenthema

Und was sagen die Räte? CDU-Rat Christoph Stetter warf vor der Abstimmung ein, für die CDU sei wichtig, dass die Stränge aus dem langen Entwicklungsprozess nun ein Zopf werde. Da die Verwaltung eine Verkehrsberatung im Zusammenhang mit der Test-Fußgängerzone vorschlug, sagte er, das brauche es gar nicht. Er erinnerte die Anwesenden an vorliegende Untersuchungen, an denen Ergebnisse sich nichts verändert habe. Man müsse alle Anwohner und Anlieger einbeziehen, um am Ende den bestmöglichen Kompromiss zu finden.

Diese Parkplätze an der Post wären nicht nutzbar, wenn eine Fußgängerzone kommt. Archivbild: Ramona Löffler

Stetter sah Probleme, da die Post dann in der Fußgängerzone sein wird – es sei nicht zumutbar Pakete hin oder von dort wegzutragen. „Man muss sich an der Lebenswirklichkeit orientieren“, sagte er und erhielt dafür lauten Applaus von den anwesenden Zuhörern.

Wolf-Dieter Karle (Freie Wähler) schloss sich Einigem vom Stetter an und ergänzte, man müsse die Nutzung des Parkhauses mehr in den Vordergrund bringen. Er fand auch, es sollte möglich sein, den Versuch früher abzubrechen, falls man schon vor dem Ende der drei Monate sehe, dass es nicht funktioniere.

Ein Blick auf die positiven Seiten

Rein positive Worte kamen von Grünen-Rätin Alice Engelhardt: Sie begrüße den Test. „Ich glaube, es sind viele Befürchtungen da, die damit ausgeräumt werden können.“ Sie sah zwar auch das erwähnte Problem mit der Postfiliale, glaube aber, man könne eine Lösung finden. SPD-Rätin Claudia Weber-Bastong wies ebenfalls auf positive Seiten hin, da nach wie vor jedes Geschäfts durch die Kaufhaus- und Pfarrstraße erreichbar sei.

Das Parkhaus hat die Zufahrt im Hägerweg und Fußgänger können oben in der Pfarrstraße in die Oberstadt gehen. Archivbild: Ramona Löffler

Jürgen Kragler (CDU) teilt die Bedenken der Einzelhändler, finde es aber dennoch gut, es mal zu probieren. „Wichtig ist, dass wir kein weiteres Geld für ein Gutachten ausgeben“, sagte er.

Eine deutliche Stimme gegen die Testphase kam von Martin Bosch (CDU), da er fand, man müsste auch den Gustav-Hammer-Platz einbeziehen. Man müsste sich vor weiteren Schritten auch noch mehr Gedanken machen.

Vielleicht eine andere Variante?

Schließlich kam noch von Ratsmitglied Markus Gebert der Vorschlag die drei Monate zu splitten, um zwei Varianten auszuprobieren. Doch die Bürgermeisterin sprach sich dagegen aus bzw. sagte, man könne nach den drei Monaten gerne eine weitere Testphase angehen.

Als letzter aus der Runde ergriff Roland Fiedler (Freie Wähler) das Wort und verwies auf die Abwanderung der Apotheke Dr. Braun aus der Oberstadt an den Bahnhof – ein Grund sei das Parken. Zur Testphase sagte er, man sollte die Option offen halten, alles rückgängig zu machen, wenn es nicht laufe. Und er wollte die Überprüfung der Möglichkeit einer Spielstraße, also Tempo 7.

Wie es nun weitergeht

Susen Katter nahm aus den Abstimmungsvorschlägen die Verkehrsberatung heraus, so dass die Räte nur über die Testphase entschieden. Diese wurde bei zwei Nein-Stimmen beschlossen und die Stadtverwaltung beantragt die kostenlosen Straßenmöbel des Landesprogramms „Stadtmobiliar für lebendige und verkehrsberuhigte Ortsmitten“ dafür.

Der genaue Start steht noch nicht fest, doch bereits in der vorangegangenen Sitzung war vom Frühjahr 2027 die Rede, da die Möbel erst dann frei sind.

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