Die Firma MySolar hat große Pläne, in deren Mittelpunkt Stockach steht: Direkt neben der Autobahn-Anschlussstelle Stockach-Ost könnte ein großer Stromspeicher entstehen und in der Nähe die Leitstelle, die der neue deutsche Hauptsitz des Unternehmens wäre. Von hier könnte dann die Spitzenlast so gesteuert werden, dass die Netzauslastung austariert wird und somit beim Strom viel Geld gespart werden kann. Das ist die knappe Zusammenfassung von sehr umfangreichen und komplizierten technischen Abläufen, die MySolar mit einer Technologie aus Österreich einsetzen möchte.
Die Geschäftsführer Nico Schlienz und sein Vater Carlo Schlienz und die beiden Mitarbeiter Christoph Sugg (Vertrieb und Akquise) sowie Stephan Klüe (Berater für kommunale Energie) erklärten abwechselnd, was MySolar macht und warum das für den deutschen Strommarkt wichtig ist. Sie schilderten unter anderem, wie bewährt ihre Technologie bereits in Österreich sei. Der Marktführer NGEN habe MySolar mit der Einführung in Deutschland beaufttragt. Carlo Schlienz nannte diese „eine einzigartige Spitzentechnologie aus Hardware und Software“. Alles komme also aus einer Hand, da die Firma ein Generalunternehmer sei. Ganz konkret wolle die Firma in Stockach einen 100 Megawatt-Speicher bauen.
Speicher fängt Strom-Überproduktion ab
In der Präsentation nahm der technische Teil den größten Teil ein und sorgte hier und da für Fragezeichen im Gremium. Die lange und detaillierte Präsentation war vielleicht etwas zu abstrakt und der eigentliche Punkt, was die Arbeit der Firma für die Einwohner von Stockach aber auch ganz Deutschland bedeutet, fassten am Ende die Räte zusammen, die es verstanden hatten, da nicht allen klar war, ob die Firma selbst an Stromanbieter fungieren würde oder nicht.

CDU-Rat Martin Bosch wichtig, dass kein Konkurrenzverhältnis zwischen den Stadtwerken Stockach und MySolar entstehen würde. Die Firma bietet selbst keinen Strom an, doch ihre Speicher können Spitzenlasten abfangen. Schlienz sagte zu den Stadtwerken, diese seien dann Partner oder Kunden: „Wir arbeiten zusammen und nicht gegeneinander.“
MySolar greift dort ein, wo ein Ungleichgewicht herrscht, wie die Vertreter schilderten: Da zu machen Uhrzeiten in Deutschland mehr Strom produziert werde, als verbraucht werde, aber zu anderen Zeiten zu wenig vorhanden sei, sei bisher bei Bedarf Strom aus dem Ausland zugekauft worden – genau das soll durch die Speicher vermieden werden. MySolar speichert und gibt Strom wieder ab, um diese Volatilität auszugleichen.
Positive Auswirkung auf den Strompreis
„Es ist wichtig, dass die Verluste im europäischen Energienetz gering gehalten werden“, sagte Klüe, der einiges zum Stromnetz, seiner Funktion, den Nachteilen und mehr erläuterte. Sein Fazit: „Durch den Ausgleich von Spitzenlasten lassen sich Kosten sparen.“
Nico Schlienz ergänzte, die Leitwarte sorge für eine Senkung der Strompreise. Das laufe alles innerhalb von Sekundenbruchteilen automatisch ab, wenn Angebote auf Ausschreibungen abgegeben würden und MySolar den Zuschlag erhalte.

Die Vorstellung und die Debatte war von großer Offenheit geprägt, da die Räte kein Blatt vor dem Mund nahmen und genau nachhakten, was es für Stockach bedeuten würde, wenn die Firma sich hier niederlassen würde. Die Antworten fielen ebenso offen aus. Neben Boschs Frage in Bezug auf die Stadtwerke, erkundigte sich Alexander Buhl (Freie Wähler) warum die Firma Stockach im Auge hat. Zudem wollte er wissen, wie groß MySolar eigentlich ist.
Neue Arbeitsplätze für Stockach
Nico Schlienz erklärte, Stockach sei nicht die einzige Kommune ist, mit der die Firma in Gesprächen ist. Auch zwei weitere mögliche Standorte seien im Rennen, Namen nannte er jedoch nicht. Aktuell habe MySolar 50 Mitarbeiter, gemeinsam mit N Gen seien es 300. In Stockach könnten 80 bis 100 neue Arbeitsplätze entstehen.
Auf eine Rückfrage zur Kapazität eine Batterie-Anlage mit 100 bis 300 Megawatt Leitung sagten die Gäste, sie könne das Doppelte speichern. Der Strombedarf in Deutschland liege bei 500 Megawatt. Die Anlage könne täglich 35 Tonnen CO2 einsparen. Ein Virtual Power Plant (VPP), also virtuelles Kraftwerk, habe viele Vorteile, hieß es in der Präsentation: Stromüberschüsse würden intelligent vermarktet, Lastspitzen würden geglättet und Kosten gesenkt, die Versorgungssicherheit werde erhöht und die digitale Plattform mache Energieflüsse sichtbar und steuerbar.

Nico Schlienz hob die Vorteile hervor, die Stockach mit MySolar hätte: Ein deutliches Plus bei den Gewerbesteuereinnahmen und neue Arbeitsplätze. Zudem erklärte er, die geplante Leitwarte würde in Deutschland, Spanien und weiteren Ländern steuern. Der Sitz in Österreich decke neben dem Land selbst ebenfalls weitere ab. „Sie haben eine Riesenchance“, betonte Christoph Sugg. Das sah auch Andreas Bernhart (CDU) so. „Ich würde empfehlen zuzustimmen“, sagte er.
Wie es nun weitergeht
Nach all diesen geballten Infos fiel jedoch noch keine Entscheidung – das soll erst in der Sitzung am 20. Mai geschehen. Sofern der Rat zustimmt und MySolar sich nicht doch für einen anderen Standort entscheidet, sieht der Zeitplan den Spatenstich in einem Jahr vor und die Inbetriebnahme in zwei Jahren.
Dieser straffe Zeitplan hatte direkt eine Nachfrage aus dem Gremium zur Folge, ob das ohne bestehenden Bebauungsplan für die Fläche überhaupt zu schaffen wäre. Bürgermeisterin Susen Katter erwiderte, die Verwaltung werde das prüfen. Als sie den Gästen noch sagte, Batteriespeicher und Leitwarte wären nur schwer auf derselben Fläche unterzubringen, war das für diese vollkommen in Ordnung. Sie schlug vor, die Speicher an der Autobahn zu bauen und die Leitwarte im nahegelegenen Gewerbegebiet Blumhof.
Infos zu MySolar gibt es hier.

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