Demokratie und Fake News: Stockacher diskutieren Gefahren und tauschen sich aus

Wie wichtig ihnen die Demokratie ist, bewiesen am Vorabend des Tags der Deutschen Einheit viele Menschen aus Stockach und Umgebung bei der Langen Nacht der Demokratie im Kulturzentrum Altes Forstamt. Sie verfolgten gespannt die Vorträge der Erwachsenen und Jugendlichen von lokalen Schulen, Vereinen und anderen Organisationen. Sie beleuchteten verschiedene Aspekte von Demokratie und Zusammenleben sowie Fake News.

Die Anwesenden nutzen Fragemöglichkeiten und die Begegnungspausen, um sich auszutauschen oder zum Beispiel auch um sich an den aktuellen Fragen des Einbürgertungstests zu versuchen. Die Veranstaltung war also erneut ein großer Erfolg – so groß, dass das Foyer des Kulturzentrums eigentlich schon zu klein für so viel Publikum war.

Demokratie braucht Vertrauen und bedeutet Verantwortung

Bürgermeisterin Susen Katter eröffnete den Abend und führte dabei in das Thema Fake News, den Schwerpunkt dieser dritten Nacht der Demokratie, ein. Sie stellte dabei die Frage, ob manchen der Glaube an die Demokratie fehle oder ob sie als zu selbstverständlich angesehen werden. Sie betonte: „Demokratie braucht Vertrauen und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.“ Demokratie bedeute mehr, als nur wählen zu gehen – sie verlange auch, dass man sich informiere, Argumente prüfe und über das eigene Interesse hinausdenke. Dazu brauche es einen Zugang zu verlässlichen Informationen, ein Punkt an dem die Medien als vierte Gewalt eine besondere Verantwortung hätten.

Referent Mark Bottke, Autorin Christa Ludwig, Zeitungsredakteur Johannes Bruggaier, der evangelische Pfarrer Ulf Weber, Stadtarchivleiter Julian Windmöller und Schüler verschiedener Schulen widmeten sich den Facetten von Demokratie und Fake News. Dabei erhielten die Besucher wertvolle Informationen, wie sie sie falsche Nachrichten erkennen können und vieles mehr. Die kurzen Programmpunkte waren vollgepackt und man merkte dem Publikum an, dass einige gerne noch viel mehr gehört oder diskutiert hätten.

Schüler haben großes Bewusstsein für Demokratie

Die Beiträge der Jugendlichen waren sehr beeindruckend und bewiesen ein klares Bewusstsein für die Probleme und Bedrohungen der Demokratie in den sozialen Medien. In Kombination mit den Referenten wurde klar, wie gefährlich es ist, einfach alles zu glauben, das in sozialen Medien verbreitet wird, ohne es zu hinterfragen. Gleichzeitig zeigten mehrere Anekdoten, wie schnell man ungewollt, auf etwas hereinfallen kann. Man muss also wachsam sein.

Eine wichtige Botschaft des Abends war die Balance zwischen Vorsicht und Vertrauen zu finden. Man solle nicht generell zu misstrauisch werden, dürfe aber auch nicht einfach so alles glauben. „Wenn der Vertrauensvorschuss kleiner wird, wächst die Distanz“, mahnte Ulf Weber. Die Gesellschaft brauche Kritikfähigkeit und Vertrauen. In einer Zeit, in der so viel Falsches verbreitet werde, sei Vertrauenswürdigkeit wertvoll. Misstrauen dürfe nicht zu einer Grundhaltung werden.

Hilfe suchen und anderen helfen

Referent Mark Bottke ermutigte alle dazu, lieber einmal zu viel zu fragen, als in eine Betrugsfalle zu tappen. Im Gespräch mit dem Publikum, sagte er: „Meine drei größten Lehrmeister sind meine Kinder.“ Einige stimmten zu, da es helfe, bei seltsamen Links, die man geschickt bekomme, die jüngere Generation um Rat zu fragen oder sich von Ihnen die Künstliche Intelligenz erklären zu lassen.

Schülerinnen aus der neunten Klasse des Schulverbunds, die mit dem Internet aufgewachsen sind, selbsten selbstkritisch die Frage in den Raum, woher man wissen solle, was echt ist und was nicht. Im Internet würden sehr viele Fake News verbreitet, da auf den erst Blick vieles echt ausshe. Aber: „Das macht uns nicht machtlos – das macht es nur schwieriger“, sagten die Mädchen. Die sozialen Medien würden zur Lebenswelt gehören und es komme einfach darauf an, wie man sie benutze.

Sie betonten: „Demokratie bedeutet nicht nur Recht zu haben, sondern auch andere Meinungen zuzulassen und zu diskutieren. Wir müssen nicht alle derselben Meinung sein.“ Man brauche aber eine als Grundlage verlässliche Fakten. Und wer selbst denke, sei schwerer zu manipulieren.

Schüler des Berufschulzentrums warfen einen Blick auf die Gefahr des Algoritmus der Sozialen Medien, da man dort manchmal gezielt bestimmte Dinge angezeigt bekommen. Sie hoben hervor, wie wertvoll persönliche Treffen seien, bei denen man mit anderen ins Gespräch komme. Mit einem Projekt, bei dem Modelle von Inklusionsparks entstanden sind, veranschaulichten sie, dass Demokratie auf der Parkbank stattfindet. Die entworfernen Parks seien Orte, die für alle mit ihren unterschiedlichen Bedürftnissen das bieten, was sie brauchen.

Wünsche für die Stadt Stockach

Alice Engelhart vom Verein „Demokratisch – Raum Stockach“ erzählte von einer Aktion am Schweizer Feiertag, bei der Einwohner auf Post-Its ihre Wünsche für die Stadt aufschreiben konnen. Dabei seien rund 100 Zettel zusammengekommen, die sie an Susen Katter übergab. Zudem stellte sie die Ergebnisse vor. „Die Menschen lieben Stockach, aber haben auch klare Wünsche für die Zukunft.“ Es gebe einen Wunsch nach mehr Miteinander und bei Entscheidungen mitgenommen zu werden.

Susen Katter freute sich über die Aktion und ihre Resonanz. Zudem sagte sie, sie sei froh, dass es den Verein gebe.

Das Angebot der Kulturbrücke kam an diesem Abend auch sehr gut an. Man konnte sich an den Fragen des Einbürgerungstests versuchen oder mit den Vereinsmitgliedern ins Gespräch kommen. Dazu gab es noch weitere Aktionen und Infos.

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