Die Lösung für Probleme mit Bibern in Bodman-Ludwigshafen ist zum Greifen nah. Eine Ortsbegehung mit den Landtagsabgeordnete Saskia Frank (Grüne) und Christoph Stetter (CDU), Bürgermeister Christoph Stolz, Thomas Buser, Leiter des Amts für Baurecht und Umwelt im Landratsamt Konstanz, und den Biberexperten Larissa Nell und Viktor Gabriel zeigte schnell, dass es allen um effektives, naturschutzgerechtes Handeln und möglichst wenig Bürokratie und Aufwand ging.
Was ursprünglich nur als Austausch und Anschauen von Problemstellen in Bodman beim Yachthafen des Segelclubs sowie beim Mühlbach in Ludwigshafen gedacht war, endete unerwartet mit einem klaren und umsetzbaren Plan, um Firmen in Ludwigshafen vor Überschwemmungen und hohen Schäden zu schützen.

Die unter Naturschutz stehenden fleißigen Biber bauen an vielen Stellen Dämme, die Überschwemmungen oder Hochwassergefahr verursachen können. Zwischen dem Regenrückhaltebecken und dem Ortsende von Ludwigshafen gibt es sogar mehrere Stellen. Solche Stufen sind in Bereichen, in denen sich Biber niedergelassen haben, normal, erläuterten die Experten. Daniel Lindenmayer und Nic Burmeister schilderten als Anlieger im Gewerbegebiet die Auswirkungen: Das Wasser im Mühlbach stehe sehr viel höher als es eigentlich sollte und an einer Stelle, wo normalerweise nur ein Rinnsal wäre, sei das Bachbett fast voll.
Biber in jeder Gemeinde
Buser erklärte, dass Biber früher selten gewesen seien – „jetzt gibt es sie an jeder Ecke“. Im Landkreis gebe es keine Gemeinde, die keine Probleme mit Bibern habe. „Wir haben festgestellt, dass wir mit langfristigen Maßnahmen nicht weiterkommen“, sagte er im Hinblick auf regelmäßige Arbeiten, die aufgrund von Biberaktivitäten von den Bauhöfen der Gemeinden gemacht werden müssen. Er wolle nicht, dass ewig rumprobiert werde und dabei Zeit und Geld verschwendet werde. Wo es notwendig sei, brauche es zügig eine dauerhafte, verbindliche und funktionierende Lösung.

Er sieht die neue Biberverordnung, die wieder auf Eis gelegt wurde, als missglückt an, da eine ehrenamtlich bestellte Person zwar Maßnahmen freigeben dürfe, aber diese Person nicht aus dem Kreis der Experten stammen dürfe. „Das kann man keinem zumuten“, sagte er über die Verantwortung. Er und Gesprächsteilnehmer waren sich einig, dass eine Überarbeitung nötig sei. Das Landratsamt weiter selbst agieren, erklärte er. Der Biber dürfe bleiben, wo er keine Probleme mache, aber wenn bei Schwierigkeiten, müsse er mit Maßnahmen ferngehalten werden, so Thomas Buser.
Christoph Stetter zeigte sich von dieser Klarheit beeindruckt: „Dieses Rückgrat hat nicht jeder.“ Auf seine Frage, wieviele Biber es eigentlich in Baden-Württemberg gibt, hatte Viktor Gabriel die Antwort: Zwischen 12.000 und 13.000 Tiere.
Kampf um kritische Infrastruktur im Sommer 2025
Christoph Stolz, Bauamtsleiter Marco Leiz und Förster Alexander Fischer schilderten den Besuchern auch aus Sicht der Gemeinde, was zum Beispiel im Fall von Starkregen passieren kann. Und am Mühlbach beim Blick auf Biberdämme wurde anschaulich, wie effektiv Biber Wasser stauen können. Das untermauerte, was Stolz zuvor über den Vorfall am Dietsche-Acker bei der Autobahnauffahrt Stockach-Ost erzählt hatte. Im Sommer 2025 hatte ein Biberdamm in einem Kanal eine Fläche um einen Strommast überflutet – dort musste gehandelt werden, da kritische Infrastruktur bedroht war.



Und jetzt? Beim Segelclub oder bei den Häfler Firmen steht zwar kein Strommast, aber auch dort könnte Einiges passieren. Biber leben auch nicht nur dort, sondern an anderen Stellen in der Gemeinde: Einer bzw. ein Paar schwimmt immer zwischen Schlösslepark und Waschplatz, hat dort auch schon einige Bäume angenagt oder sogar gefällt. Im Naturschutzgebiet Hangen und den Riedflächen leben ebenfalls Biber, die dort schon Felder unter Wasser gesetzt haben. Stolz sagte: „Die Landwirte kommen regelmäßig auf uns zu.“
Aktuell Kosten von 5000 Euro im Monat
Alexander Fischer und Marco Leiz erläuterten, dass es aktuell ein Hinterherkinken sei. Wenn der Biber etwas angerichtet habe, werde reagiert. „Wir sind immer hinter der Welle, aber der Biber ist nicht statisch. Er fängt an einer anderen Stelle wieder an“, beschrieb Fischer. Er brachte die Idee mit, einen Zonenplan für die Gemarkung Bodman-Ludwigshafen zu machen, um zu verzeichnen, wo welche Maßnahmen sinnvoll bzw. notwendig wären, also wo durch den Biber auch die größten Auswirkungen entstehen.

So kam die abstrakte Diskussion beim konkreten Fall im Bereich der Firmen Burmeister und Lindenmayer zu einer Lösung, die sich alle vorstellen können, aber noch näher besprochen werden muss. Das würde der Gemeinde auch Geld sparen und der Biber müsste sich nur woanders einrichten.
Aktuell gibt die Gemeinde laut Leiz monatlich rund 5000 Euro für Maßnahmen aus, um die Auswirkungen von Biberaktivitäten einzudämmen. Als Lösung kam nun der Vorschlag auf, ein paarhundert Euro für einen Schutz an den steilen Ufern des Mühlbachs einzusetzen. Biber könnten dann das Ufer nicht mehr untergraben, also dort nicht wohnen und fressen.
Höhlen und Löcher durch den Biber
Viktor Gabriel erklärte die verschiedenen Arten von Biberbauten: Ein Höhe, in der er sich putzt, ehe es in den Schlafbereich geht, die Schlafhöhle und Fressbauten. Diese Esszimmer sind ein Problem auf dem Gewässerrandstreifen beim Caravan-Gelände, da sich so Löcher im Boden auftun können. Als Nic Burgmeister eines davon zeigte, stieg Christoph Stolz sogar bis zu den Knien, um das Ganze anschaulich zu machen.

Gemeinde, Landratsamt und die Experten bleiben nun in Kontakt, um konkret zu handeln, um die Firmen vor Schaden zu bewahren. Was offen blieb, war der Aspekt, wohin der Biber dann zieht. Alle behalten auch die Landwirtschaft und den Ausfluss der Stockacher Aach bei Bodman im Kopf.
Da es dort am Zulauf der Aach in den Bodemsee nicht nur um den Biber, sondern auch das Problem der Verlandung durch die veränderte Ausflussrichtung der Stockacher Aach geht, bekamen die Landtagsabgeordneten Einblicke in dieses Thema. Kuno Storz vom Segelclub Bodman erzählte aus Sicht der Anrainer, wie die Auswirkungen sind, wenn sich angespülte Sedimente am gesamten Bodmaner Ufer verteilen. Und Christoph Stolz zeigte sich zuversichtlich, dass im Lauf dieses Jahres eine Lösung mit den Behörden gefunden werden kann, das den Naturschutz beim Aach-Ausfluss berücksichtigt.

Die Flussrichtung des Auslaufs, der sich seit vielen Jahren immer mehr nach Bodman dreht und das Problem von Verlandungen mit sich bringt, ist ein großes Thema für die Gemeinde. Die Häfen wurden im Herbst aufwendig und kostspielig ausgebaggert. Naturschutzkonforme Maßnahmen zur Korrektur des Mündung sind zwar geplant, doch die Gemeinde hängt noch in der Warteschleife der Bürokratie.
Die Landtagsabgeordneten nahmen am Ende viel neues Wissen und Notizen mit. Wenn entsprechende Themen auf Landesebene besprochen werden, kennen sie nun die Lage vor Ort. Christoph Stetters Fazit zum Biber: „Es braucht praktikable Lösungen, die den Natur- und Artenschutz sichern und zugleich die Belastungen für Kommunen, Infrastruktur und Betriebe ernst nehmen. Entscheidungen müssen dort ermöglicht werden, wo die Probleme konkret auftreten.“





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