Neun Ja-Stimmen. Damit ist der Weg für das Bürgermuseum in der Schlosstorkel in Bodman finanziell frei. Der Gemeinderat von Bodman-Ludwigshafen hat nach einer langen Diskussion mit vielen sachlichen, aber auch von Herzen kommenden Beiträgen für die nötigen Finanzmittel gestimmt. Fünf Ratsmitglieder waren dagegen – diese Gegenstimmen hatten sich auch bereits abgezeichnet, da ein Teil von ihnen zuvor ausführlich dargestellt hatten, warum ihnen das Museum eine zu große Investition oder ein zu großes finanzielles Risiko ist.
Die Anspannung, gefolgt von Freude und Erleichterung, war im Sitzungssaal des Rathauses in Ludwigshafen förmlich zu spüren. Die Zuschauerplätze, die den Raum an drei Seiten säumen, waren fast voll. Rund 30 Interessierte, vor allem Mitglieder des Museumsfördervereins, warteten auf den für sie wichtigsten Tagesordnungspunkt. Online waren zeitweise bis zu 20 Personen dabei. Vor knapp einer Woche gab es bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins den einstimmigen Beschluss für das neue Konzept, nach dem der Verein selbst das Museum betreibt. Klar war jedoch: Alles steht und fällt mit der Entscheidung des Gemeinderats. Und der Weg dahin hätte in der Sitzung kaum spannender sein können.
Tobias Jaklin, der Vorsitzende des Museumsfördervereins Bodman-Ludwigshafen, stellte zunächst das Konzept und die Zahlen vor – genau wie bei der Mitgliederversammlung. Der Verein möchte viel Ehrenamt einbringen, aber auch drei 600-Euro-Kräfte einstellen. Die Besucherzahlen werden aktuell konservativ mit 3500 Personen im Jahr gerechnet und das Museum ist nur auf die eigene Finanzierung, aber nicht auf Gewinn ausgerichtet. Jaklin stellte dar, was dieser Ort über ein Museum hinaus noch werden soll: Ein sozialer Treffpunkt mit vielen Facetten, ein wichtiger Bestandteil der sozialen Infrastruktur, ein Ort für alle Bürger und deren Gäste. Etwas, das die Einwohner sich schon lange wünschen.

Laut der Aufstellung ist eine Investitionsumme in Höhe von 309.000 Euro nötig, von denen die Gemeinde 197.950 Euro tragen würde. Vom Förderverein kommen 30.000 Euro, das Gräfliche Haus übernimmt die Kosten für eine Heizungsanlage und der Verein rechnet mit Fördermitteln. Die Miete der Schlosstorkel, die dem gräflichen Haus Bodman gehört, kostet im Jahr 20.000 Euro. Die Gemeinde soll Pächter werden und vermietet das Gebäude für einen symbolischen Preis von 1600 Euro im Jahr an den Verein weiter.
Bürgermeister entscheidet mit dem Herzen
Bürgermeister Christoph Stolz fing ähnlich wie in der Mitgliederversammlung an, sprach von Kopf gegen Herz – und kam schließlich zu einem anderen Schluss, als mancher erwartet hätte. Er sagte, er habe einen Riesenrespekt vor der laufenden Kosten des Museums und betonte, dass soetwas zu den freiwilligen Aufgaben, nicht aber den Pflichtaufgaben einer Gemeinde gehöre. Ihm sei auch klar, welche Diskussion folgen könnte, falls das Projekt nach ein paar Jahren scheitern sollte. Normalerweise entscheide er immer mit dem Kopf, der zum Museum Nein sage, er glaube jedoch an das Konzept. „Ich werde die Entscheidung heute nur mit dem Herzen treffen und hoffen, dass mein Kopf sich irrt“, fasste er zusammen.

CDU-Rat Alwin Honstetter schloss sich den finanziellen Befürchtungen an. Er stellte zudem die Frage nach dem Wert der Sammlung Weber in den Raum – diese Sammlung würde den Großteil im Museum ausmachen. „Ich kann nicht über den Schatten springen und nicht zustimmen“, schloss er. Jaklin hakte daraufhin ein, dass Fachleute die Sammlung mit Funden aus Bodman-Ludwigshafen als sehr bedeutungsvoll einordnen.
Finanzielle Ängste und positive Argumente
Alessandro Ribaudo (CDU) lobte das Konzept als „das beste Konzept, das wir je hatten“. Doch verbunden mit der Frage, ob es sich bei den Summen in der Liste um Brutto- oder Netto-Kosten handelt, äußerte er die Sorge, dass nochmal rund 38.000 Euro für die Gemeinde dazu kämen, falls es netto wäre. Und was wäre, wenn es zum Beispiel 5000 Euro Defizit im Jahr gäbe? Wer würde das ausgleichen? Jaklin erwiderte, das Ziel sei die Vermeidung eines Defizits oder flexibel darauf zu reagieren. Der Förderverein könnte beispielsweise die Mini-Jobber reduzieren und mehr über die ehrenamtlichen Kräfte machen oder Sponsoren suchen. Dies hatte er auch vergangene Woche gesagt, als dieselbe Frage in der Mitgliederversammlung gestellt worden war. Ribaudo erklärte nach der Antwort, er könne wegen der Priorisierung der Maßnahmen, die in der Gemeinde anstehen, in der Abstimmung eher nicht zustimmen.

Diese zwei negativen Stimmen erhöhten die Spannung im Raum, aber nicht alle dachten so. Petra Haberstroh (Freie Wähler) brachte eine positive Note in die Debatte. Sie hob das Gebäude selbst hervor, denn das Museum werde nicht nur durch die Ausstellung, sondern auch die Schlosstorkel selbst zum Anziehungspunkt. Zudem betonte sie angesichts der Veranstaltungen im vergangenen Jahr in der Torkel, wie das Gebäude den Ort schon jetzt belebe und welches „wahnsinnige bürgerschaftliche Engagement“ dahinter stehe. Dort könne man neben der Ausstellung vieles verwirklichen. „Das ist für mich das Argument, nicht der Wert der Exponate“, sagte sie mit Verweis auf Honstetters Worte. „Ich finds super und werde zustimmen.“
Bedeutende Funde: „Das ist unsere Identität“
ÖDP-Rätin Erika Zahn hatte noch mehr Argumente, die zu denen ihrer Vorrednerin passten. Sie ergänzte, von welch großer Tragweite die archäologischen Funde der Sammlung Weber seien. „Das ist unsere Identität. Man kann unglaublich weit zurückverfolgen, was hier einmal war.“ Sie freute sich auch, dass schon die Initiative SeeDich und einige Vereine Interesse haben, Treffen und Veranstaltungen in der Torkel zu machen.

Sonja Hildebrand (Freie Wähler) konnte sogar von neuen Funden auf einer Fläche in der Straße „Im Gries“ erzählen und schwärmte, wie toll diese Funde seien. Es gebe also nicht nur alte, sondern auch neue Funde. „Die Freien Wähler waren schon immer für das Museum. Ich werde zustimmen, weil wir Vertrauen haben, dass ihr was draus macht.“
Die Vermittlung der Ortsgeschichte und das Zeigen der Funde fand auch Claudia Brackmeyer (SPD) wichtig. Und: Die Schlosstorkel als Museum und Veranstaltungsort könne der Gemeinde sogar die Mittel für die Einrichtung anderer Treffpunkte sparen. In Bodman würden aktuell Treffpunkte fehlen.
Das beste Konzept für das Museum
Ein weiterer Fürsprecher des Museums war CDU-Rat Michael Koch. Er fasste zusammen, wie seit fast 20 Jahren geredet und geplant werde. „Jetzt ist der Punkt, wo wir ein Konzept haben, das für alle machbar ist.“ Außerdem bleibe die Torkel dann öffentlich zugänglich. Das Konzept sei realistisch und man habe hier eine einmalige Chance.

Mit Christoph Leiz (Grüne) kam nochmals ein negativer Blick auf die Finanzen und ein mögliches Scheitern. „Wenn es schiefgeht, sind Steuergelder weg“, merkte er zu den Finanzmitteln an. Gleichzeitig schilderte er, unter welchen Voraussetzungen er sich ein Museum im Seeum, wo es ursprünglich hinkommen sollte, vorstellen könnte.
Die Mehrheit sagt zum Museum Ja
Der Beschluss fiel mit neun Ja-Stimmen recht deutlich aus und erhielt erleichterten und freudigen Applaus von den Zuhörern. Christoph Stolz dankte den Räten für den verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema Museum und sagte, er glaube, dass auch die fünf Ratsmitglieder, die dagegen gestimmt haben, dem Projekt dennoch positiv gegenüber stehen. Die Gemeindeverwaltung wird nun auf Basis des Konzepts in die Realisierungsphase für das Museum eintreten und die Haushaltsmittel in den kommenden Jahren bereitstellen. Die Obergrenze für die einmalige Investition liegt bei 250.000 Euro. Dazu kommt die jährliche Torkel-Miete in Höhe von 20.000 Euro, von denen die Gemeinde 1600 Euro vom Förderverein als symbolische Summe erhält.
Tobias Jaklin dankte dem Gemeinderat für das Vertrauen. „Wir wissen das sehr zu schätzen“, sagte er und versprach: „Da wird was draus.“ Da es in der Sitzung zunächst nur um die Finanzierung des Museums ging, gab es noch keine Infos zum Zeitplan oder wann die Eröffnung sein könnte.

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