Das Bürgermuseum in der Schlosstorkel in Bodman ist jetzt nur noch eine Entscheidung von der Umsetzung entfernt: Der Gemeinderat hat nun das letzte Wort, mit dem alles steht und fällt, nachdem sich alle Anwesenden der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Museumsfördervereins einstimmig hinter das neue Konzept gestellt haben. Dieser beeindruckend einheitliche Beschluss bestätigte die Worte des Vorsitzenden Tobias Jaklin, der schon zu Beginn der Sitzung vom denkwürdigsten Tag in der Geschichte des Fördervereins gesprochen hatte.

Die Motivation und Aufbruchsstimmung waren förmlich zu spüren, als Jaklin das Konzept vorstellte und viele Mitglieder Fragen stellten oder ihre Überzeugung für das Museum ausdrückten. Der Verein existiert inzwischen seit rund 18 Jahren und die unendliche Geschichte vom Seeende könnte nächste Woche im Gemeinderat das Happy End und den Beginn eines neuen Abenteuers bekommen. Was auf jeden Fall schon unglaublich positiv war und der Ehrenvorsitzende Wilderich Graf von und zu Bodman betonte: Der Verein hat seit seiner Gründung weitere seine 100 Mitglieder, die durch ihr Dabeibleiben gezeigt hätten, dass sie hinter dem Projekt stehen: „Das Interesse ist so stark wie zu Beginn.“
Förderverein will Museum selbst betreiben
Er zeichnete die Geschichte des Vereins und der Pläne für das Museum nach, die von Rückschlägen und Kurswechseln geprägt war – vor allem aber auch von Durchhaltevermögen. Nicht zum ersten Mal hob er das Torkel-Gebäude als „wunderschönes Baudenkmal, das renoviert und saniert wurde“ sowie die „einmalige Chance“ dort das Bürgermuseum mit historischen Funden aus Bodman-Ludwigshafen einzurichten hervor.

Mit dem neuen Konzept soll der Förderverein selbst Betreiber des Museums werden. Das ist eine ganz andere Richtung als zuletzt verfolgt worden war. Der Plan, einen Museumswirt zu finden, der eine Gastronomie betreibt und sich auch um das Museum kümmert, stellte sich im Sommer als gescheitert heraus. Die Gemeinde und der Förderverein fanden trotz Gesprächen keinen geeigneten Betreiber. Diese Zeit und die gesamten 18 Jahre Weg mit seinen vielen Kurven nannte Jaklin eine Zeit des Reifens. Das neue Konzept sei nun das Ergebnis dieses Prozesses. Es handle sich um ein Low-Budget-Museum und er sei guter Dinge, dass es so funktioniere.
Museum als gemeinschaftsstärkernder Ort
Low Budget, da die Ausgaben klein gehalten werden, viel Ehrenamt im Museumsbetrieb stecken soll und der Betrieb mit Minijobbern stattfinden soll. Der Begriff Bürgermuseum sei als Arbeitstitel weiterhin treffend, fuhr er fort. „Die archäologische Sammlung bietet den Rahmen für Treffen und Austausch.“ Die Torkel solle mit dem Museum ein gemeinschaftsstärkernder Ort für Bodman-Ludwigshafen werden und somit ein Teil der „sozialen Infrastruktur“, die er als wichtig einordnete.

Das Gräfliche Haus Bodman werde das Gebäude zu einem symbolischen Preis von 1400 Euro im Jahr verpachten und die Gemeinde soll diese Summe laut Konzept übernehmen. Der Förderverein betreibe dann das Haus und richte die Kernausstellung mit Stücken aus der Sammlung Weber, der Sammlung des Hauses von Bodman und einer Replik der Kultwand, auch Busenwand genannt, ein. Dazu komme aus die Torkel mit dem historischen Torkelbaum selbst als Ausstellungsstück. „Im Lauf der Zeit kommen Themen dazu“, ergänzte Jaklin.
Oben Museum, unten Veranstaltungen
Das Gebäude als Treffpunkt solle für die Bürger von Bodman-Ludwigshafen sei. Es gebe bereits feste Interessensbekundungen für Veranstaltungen von der Initiative SeeDich, den Kunstfreunden, den Wassersportfreunden und der Zukunftsinitiative Bodman-Ludwigshafen. Die Ausstellung solle im Obergeschoss eingerichtet werden und im Erdgeschoss, wo die große Torkel steht, könnten Vereinstreffen, Konzerte, Lesungen und mehr stattfinden. Vermietungen für Veranstaltungen solle Einnahmen generieren. Die frühere Torkelstube soll wieder mit einer Heizung ausgestattet und schon eingerichtet werden. Das Museum könne nur das halbe Jahr offen haben, da der Großteil des Gebäudes durch seine Lochfassade nicht beheizbar ist.

Jaklin stellte eine niedrig gehaltene und weitgehend geschätzte Berechnung der Einnahmen und Ausgaben vor. So rechnet der Verein konservativ mit 3500 Besuchern, die Eintritt zahlen, obwohl das frühere Urweltmuseum 5000 Besucher im Jahr hatte. Dazu sollen Einnahmen aus Führungen und Vermietungen der Location für Feiern kommen. Auf eine Frage, wie das zum Museumsbetrieb passt, erklärte Jaklin, nur das Erdgeschoss werde vermietet, nicht aber das Obergeschoss mit der Ausstellung. Für lokale Vereine und Gruppen soll die Nutzung übrigens kostenlos sein.
Keine Auslegung auf Profit
Die Einnahmen werden auf rund 35.700 Euro geschätzt, die Ausgaben liegen fast gleich auf. Jaklin betone mehrfach, das Museum sei darauf ausgerichtet, sich zu tragen, aber müsse keinen Profit bringen. Das nehme so viel Druck heraus. Während alles Planerische und die Programmgestaltung bei den Ehrenamtlichen des Vereins liege, sollen die Minijobber den Museumsbetrieb selbst betreuen.

Die notwendigen Finanzmittel für Investitionen zur Einrichtung des Museum liegen bei rund 197.950 Euro – diese Summe bräuchte der Förderverein von der Gemeinde. Eigentlich liegt die Summe höher, doch das Gräfliche Haus bezahlt die Heizungsanlage mit rund 40.000 Euro, der Förderverein bringt 30.000 Euro rein und laut Jaklin seien die Aussichten auf 38.650 Euro Fördermittel gut. Vielleicht könne man sogar noch mehr beantragen. Er betonte, das Gräfliche Haus habe die Torkel für das Vorhaben das ganze Jahr über mietfrei reserviert, was ebenfalls große Unterstützung von dort zeige.
Ernste Worte von der Verwaltung
Bürgermeister Christoph Stolz gab den Anwesenden eine Zusammenfassung aus Sicht der Gemeinde und sprach auch ganz offen über seinen inneren Konflikt beim Museum. „Heute geben Sie ein Signal, ob sie hinter dem Konzept stehen und sich das aufbürden wollen“, sagte er ganz direkt. Er bat die Mitglieder darum, ehrlich zu sein, ob sie es leisten können und wollen, das Museum zu betreiben. Für den Verein sei es eine große Aufgabe, das Konzept mit Leben zu füllen.

„Die Gemeinde hat eigentlich nicht das Geld für freiwillige Aufgaben“, schilderte er. Deshalb hätten schon einige Projekte über die Jahre gestrichen werden müssen. Er sei dankbar für die guten und offenen Gespräche mit dem Förderverein und Veranstaltungen im vergangenen Jahr hätten den Charme des Gebäudes gezeigt.
Viele Fragen und Gedanken
Von verschiedenen Seiten kamen zunächst ein paar bohrende Nachfragen an Tobias Jaklin. Die Mitglieder wollten sichergehen, dass sie alles richtig verstanden hatten, wie er manche Dinge einschätzte oder was eigentlich wäre, falls sich in ein paar Jahren herausstellen sollte, dass der Museumsbetrieb nicht klappt. Eine der großen Fragen war: Was wäre, wenn die Einnahmen den laufenden Betrieb nicht abdecken können? Jaklin erwiderte, in diesem Fall würde der Verein auf Einzelsponsoren zugehen.
Neben Gedanken an Worst-Case-Szenarien kamen aber auch motivierte Ideen. Duke Span beschrieb, dass er vorhabe, in der künftigen Küche einfach mal für 20 Personen zu kochen. Er hatte auch direkt Ideen für Veranstaltungen für verschiedene Altersgruppen. Seine Frau Petra, die sich beruflich mit demografischen Entwicklungen auskennt, brachte den Begriff „Silver Work“ ein. Sie beschrieb, dass in ein paar Jahren immer mehr fitte 60-Jährige, die früher aus dem Berufsleben gehen, eine sinnvolle Beschäftigung suchen werden. Im Ort brodele es an Engagement, sagte sie.

Künstler Felix Schmitt, dessen Ausstellung diesen Sommer in der Torkel begeistert hat, wies darauf hin, wie viele kreative Leute es in der Region gebe, die Veranstaltungen machen könnten. Es mangle auch keineswegs an Leuten, die anpacken wollen. Man müsse mit dem Plus und nicht mit dem Minus anfangen, sagte er.
Dass bei der Abstimmung am Ende wirklich alle Hände in die Höhe gingen und niemand gegen das Konzept war, sah Tobias Jaklin als Riesenmotivation. Er und alle Mitglieder des Fördervereins sind nun auf die Gemeinderatssitzung am Dienstag, 20. Oktober, 19 Uhr im Rathaus in Ludwigshafen gespannt. Das Gremium diskutiert dann das neue Konzept als Punkt 7 auf der Tagesordnung und fällt seine Entscheidung, ob das Museum das benötigte Geld erhält.

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