Wie eine kleine Mainau: Graf Bodman erklärt die Besonderheiten des Schlossparks in Bodman

So viele Interessierte wollten die Führung im Schlosspark, dass sie ruckzuck ausgebucht war und sogar noch ein zweiter Termin angesetzt wurde. Kein Wunder: Wann kann man schon mal mit Wilderich Graf von und zu Bodman durch die kleine Naturoase beim Schloss laufen und aus erster Hand alles über die Bäume, die Kapelle und die Verbindung zur Insel Mainau erfahren? Das Umweltzentrum Stockach organisierte die Veranstaltung und einige Teilnehmer kamen aus der Stadt und Umgebung, nicht nur aus Bodman-Ludwigshafen selbst.

Rund 35 Teilnehmer hörten fasziniert zu, als Graf Bodman an den verschiedenen Stationen im Park erzählte. Dabei war ihm seine Leidenschaft für die Natur deutlich anzusehen. Der erste Punkt war zunächst am Treffpunkt bei der Kirche in der Kaiserpfalzstraße, wo er über den Namensgeber der Straße und der früheren Rolle dieses Bereichs im Ort erzählte. Die Kaiserpfalz war der Sitz des mittelalterlichen Kaisers Karl III und Spuren der damaligen Kirche seien vor einigen Jahren unter dem Boden der Sakristei gefunden worden.

Schon seit einem Jahrtausend sei in diesem Bereich immer ein Garten gewesen, auch lange bevor es das barocke Schloss gegeben habe, schilderte er. Erst die Pfalzgärten, heute den Schlosspark. Der Sitz der Grafen von Bodman sei vor Jahrhunderten nach dem Brand des Schlosses auf dem Berg in Wahlwies und dann Espasingen gewesen, ehe das heutige Schloss gebaut worden sei.

Kaiserliche Vorgaben vor 1000 Jahren

„Karl hatte Verordnungen, welche Bäume, Blumen und Gemüsesorten im Pfalzgarten angepflanzt werden sollten“, erklärte der Graf. Das Klima am See sei auch schon vor 1000 Jahren günstig gewesen, so dass exotische Arten im Obst- und Gartenbau eine Chance gehabt hätten.

Graf Bodman hatte neben botanischem Wissen unglaublich viel Orts- und Familiengeschichte im Gepäck, die er hier und da auch mit etwas Humor verband. Er hatte Spaß und die Teilnehmer auch.

Der heutige Schlosspark sei von seinem Ururur-Großvater gestaltet worden, schilderte er weiter. Der Park folge dabei zwei Gestaltungslinien – der französischen, die geometrische Formen beinhalte, und der englischen, bei der alles sehr naturnah sei. Wie dies genau aussieht, sahen die Teilnehmer auch direkt. Die Route durch den Park führte durch den unteren Eingang an der Kaiserpfalzstaße durch den französioschen Teil mit Teich und Springbrunnen, um das Schloss herum durch den oberen Parkeingang und dann durch den großen englischen Teil.

Viele kleine Naturwunder und Besonderheiten

Auf verschlungenen Pfaden ging es dort mit dem Grafen an uralten Bäumen und wunderschönen Sträuchern vorbei, über kleine Brückchen bis hin zu einer Stelle am Waldrand, wo bald geschützte Orchideen-Arten blühen werden und man einen tollen Blick auf den See und Ludwigshafen oder Sipplingen hat.

Eine kleine Kapelle steht im oberen Bereich des Parks. Bild: Ramona Löffler

Ein kleiner umwachsener Pavillon sieht jetzt schon wunderbar aus, und wird noch märchenhafter, sobald die Rosen blühen. Die kleine Parkkapelle ist ebenfalls ein mystisches und besonderes Objekt. Drei Schwestern des Ururur-Großvaters von Wilderich von und zu Bodman seien ins Kloster eingetreten und hätten die Kapelle zu diesem Anlass gestiftet, erzählte er. Man kann in die von Efeu umrankte und von mächtign Farnen umgebene Kapelle hinein und sieht dort unter anderem ein Gemälde mit drei Frauen, einen schönen Altar und vieles mehr.

Exotische Arten aus aller Welt im Schlosspark

Graf Bodman beschrieb anschaulich, was wann neu in den Park gekommen ist, wie sich die Bäume entwickelt haben und was zu welcher Jahreszeit besonders schön, kräftig oder bunt wird. Im unteren Bereich des Parks wies er unter anderem auf einen Granatapfelbusch, chinesisches Rotholz und einen Taschentuchbaum hin, die dort je nach Jahreszeit hervorstechen.

Am oberen Eingang steht eine Bitterorange, die gelb-weiß blühe und köstlich dufte, so Graf Bodman. Im oberen Park gehörten dieser Baum und eine weiße Magnolie zu den Gewächsen, auf die er hinwies. Zu den einzelnen Baumarten hatte er nicht nur die Geschichte parat, wann und wie diese in den Park kam, sondern auch worauf man vielleicht achten muss, wenn man soetwas im eigenen Garten pflanzen möchte.

Mystisch und märchenhaft geht es zu, wenn man auf einem schmalen Weg mitten durch große Farne läuft. Bild: Ramona Löffler

Er verglich den Wandel, den der Schlosspark über das Jahr durchläuft mit einem Theater, auf dessen Bühne sich immer wieder alles verändere. Im Frühling sei der Park ein bvesonders schöner Anblick, im Sommer biete er viel Schatten, im Herbst sei er ein Farbfeuerwerk und auch im Winter ein prachtvoller Anblick.

Zwei der bedeutendsten Bäume im Land

Ein Teil der Bäume vom Schlosspark ist rund 200 Jahre alt – einer ist zum Beispiel eine blaue Atlaszeder. Abgesehen von diesem stolzen Alter gibt es auch weitere Besonderheiten. Zwei Bäume von der Liste der 500 der bedeutendsten Bäume in Baden-Württemberg sind hier zuhause: Eine Stileiche mit einem gigantischen Stammdurchmesser und eine Hainbuche, die zwischen 200 und 300 Jahre alt ist.

Diese Hainbuche ist Jahrhunderte alt und gehört zu den 500 besondersten Bäumen im Land. BIld: Ramona Löffler

Und wie war das mit der Mainau? Zwischen der beliebten Blumeninsel und dem Gräflichen Haus Bodman gebe es regelmäßigen Austausch, so Graf Bodman. Im Lauf der Jahrzehnte seien ähnliche Bäume und Pflanzen angesiedelt worden. So habe man jeweils versucht, Bäume aus Japan großzuziehen, was erst nur mäßig gelungen sei.

Der Schlosspark ist übrigens täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet – jeder darf ihn kostenlos anschauen.

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