Die 200 steht im Fokus: Aktion Beedabei und neue Jubiläumslilie kommen

Das zweite Jahr in Folge ist ein Jubiläumsjahr in Bodman-Ludwigshafen. 2025 waren es 50 Jahre Gemeindereform, 2026 stehen 200 Jahre Umbenennung von Sernatingen in Ludwigshafen an. Zwei Dinge verbinden diese stattlichen Jubiläen über die Jahresgrenze hinaus und fördern obendrein die Natur und bedrohte Insekten: Die im vergangenen Jahr angekündigte Lilie „Hemerocallis Bodanum-Sernaticum“, eine spezielle Neuzüchtung für Bodman-Ludwigshafen, und die Aktion Beedabei, die mit 200 gelben Blumenkästen Biodiversität ans Seeende bringt.

Daniel Trisner ist in seinen vielfältigen Ehrenamtlichen Funktionen Mitinitiator beider Projekte und stellte sie an einem Nachmittag im Gemeindezentrum Ludwigshafen voll. Er hatte auch bereits im vergangenen Herbst bei der Buchtaufe vom zweiten Band der Seeendgeschichten von der Lilie erzählt.

Nun steht fest, dass die Lilie am 25. August beim Festakt zu „200 Jahre Sernatingen wird Ludwigshafen“ endlich ankommen wird. Bis dahin bleibt es spannend, denn der Züchter Stefan Strasser von der Lilienarche sei noch an der Arbeit und da die Neuzüchtung erst wachsen und blühen muss, sei noch nicht ganz klar, wie sie am Ende aussehen wird.

Was es mit der Lilie auf sich hat

Klar ist nur, dass sie bis zu 95 Zentimeter groß werden könne, ihre Blütezeit im Juli und August habe, und den lateinischen Namen der Gemeinde trägt: Hermerocallis bedeutet Taglilie, Bodanum ist Bodman und Sernaticum ist Sernatingen, also Ludwigshafen. Der Name entstand vor ein paar Jahren in einem Theaterstück, das so etwas Lokalkolorit erhalten hatte – nun wird es diese Pflanze wirklich geben. Und die ersten 200 Lilien werden verlost. Die ersten Lose konnte man für 200 Cent für zwei Stück bei der Infoveranstaltung kaufen. Nun sind die auch in der Touristinfo erhältlich oder falls dann noch welche übrig sind am Sonntag, 17. Mai, beim Aktionstag für Beedabei.

Daniel Trisner erklärte, eine Lilie habe aufgrund der Zuchtkosten einen Wert von 28 Euro. Sie werde mit der Zeit günstiger, wenn es mehr Lilien gebe, wobei nur eine durch die Teilung des Wurzelballens vermehrte Lilie die Originalzüchtung sei. Pflanzen aus Samen könnten anders rauskommen, als die echte „Hemerocallis Bodanum-Sernaticum“.

Verlosung von 200 Jubiläumslilien

Die ersten Gewinner stehen auch bereits fest. Bei der Infovernanstaltung kauften so ziemlich alle ein, zwei oder sogar zehn Lose. In den Reihen saßen so nach der Pause viele glückliche Gesichter – jeder muss nun gut auf sein Los aufpassen und kann es dann im August einlösen. „Der Züchter bringt 200 bis 250 Lilien mit“, sagte Trisner. So könnten dann zum Auftakt vielleicht auch noch über die verlosten Hinaus welche zur Verfügung stehen.

„Wir erhalten alle Rechte an der Lilie und können sie dann vermehren.“ So werde die Lilie dann mit der Zeit auch günstiger, wenn es mehr davon gebe. Trisner hofft, dass es in ein paar Jahren ein Lilienfeld und Pflanzungen der Lilien überall im Ort geben wird.

Aber einen Schritt zurück: Vor der Lilie geht es im Mai erst mal um ganz andere Pflanzen und vor allem gelbe Blumenkästen, die eine besondere Rolle bei „Beedabei – Sernatura“ spielen. Beide Worte sind Wortspiele: „Bee“ ist das englische Wort für Biene und das Verb „be“ heißt sein. Sernatura greift nicht nur Sernatingen, sondern auch Natur auf. „Wir leben in einer wunderbaren Landschaft, aber die Biodiversität ist auch hier am See unter Druck“, so Trisner.

Gelb sei eine Signalfarbe, die Bienen anlockt – daher habe der Kasten diese Farbe. Er rief jetzt schon dazu auf, dass alle, die diese Kästen, die aus Recycling-Material bestehen, beim Pflanztag am 17. Mai mitnehmen, sie sichtbar platzieren. Andere Menschen sollen darauf aufmerksam werden, man solle darüber reden und die Aktion bekannter machen. Er hofft auch, dass andere Gemeinde am See Beedabei aufgreifen und sich das Projekt in der Region verbreitet. Trisner freut sich, dass es schon Anfragen dazu aus Sipplingen und Radolfzell gegeben habe.

In Bodman-Ludwigshafen selbst wird es seit einigen Monaten stetig bekannter gemacht. Trisner erzählte zum Beispiel davon, wie es dem Nachwuchs im KIndergarten und den Schulen nähergebracht werde. Am Aktionstag können und sollen Kinder mitmachen und gerne selbst Kästen bepflanzen. „Es ist ein generationenübergreifendes Projekt“, sagte er. „Die Kästen sind ein Zeichen des Miteinanders.“

Bis zum 17. Mai werden Modellkästen an verschiedenen Orten in der Gemeinde platziert, damit jeder sehen kann, wie man sie gestalten kann und um auf die Aktion aufmerksam zu machen. Das Ziel: Gelebter Natur-, Umwelt-, und Landschaftsschutz am Seeende.

Großer Aktionstag mit Ehrengästen

Die Seegemeinde soll ein Paradies für Bienen und Insekten werden, die für die Natur sehr wichtig sind. Daniel Trisner ist auf Beedabei gestoßen, holt das Projekt nach Ludwigshafen und verknüpft es mit dem Jubiläum des Ortsnamens. Bei der Pflanzaktion am Sonntag, 17. Mai, können Interessierte einen Kasten mit der Spezialerde Terra Preta, die besonders gut für Pflanzen ist, und bienenfreundlichen Pflanzen bestücken. Mit Hilfe von Sponsoren wird das für die Teilnehmer kostenlos und an diesem Tag sollen insgesamt 200 Kästen bepflanzt und dann auf einer Fläche von 1200 Quadratmetern in Form der Zahl 200 angeordnet werden.

Daniel Trisner hat alles schon genau durchgeplant, wie diese Platzierung klappen kann. Für die Aktion im Schlösslepark wird der Umriss mit Kreide aufgesprüht und es gibt wettergeschützte Pflanzbereiche. Das Ergebnis wird dann mit einer Drohne fotografiert, ehe jeder seinen Kasten mitnehmen kann. Für Ältere gebe es auch einen Bringdienst, damit sie die Kästen nicht tragen müssen.

Für die Aktion ist übrigens schon alles da: 220 Kästen, also auch ein paar in Reserve, sieben Tonnen Terra Preta und dazu kommen 1000 Pflanzen. Trisner schilderte, man könne sich eine von drei Pflanzenkombinationen für den Kasten aussuchen. Dazu gebe es dann drei Ausgabestellen auf dem Festplatz. Die Kästen können sogar noch weiter gestaltet werden. Modelle zeigen die Möglichkeiten: Leere Schneckenhäuser, Moos oder Holzstücke, die Insekten Lebensräume bieten.

Überall ist die Zahl 200

Als besondere Hommage an Sernatingen soll die Aktion mit den Spuren des alten Namens im Ort beginnen: Der MSC Sernatingen bringt mit seinen Oldtimern Ehrengäste von der Sernatingen-Schule durch die Sernatingenstraße zum Festareal. Zudem ist die 200 auch mehrfach präsent: Das Programm dauert 200 Minuten, es gibt 200 Fackeln, 200 Bildern und vom 17. Mai bis 25. August sind es 200 Tage. Als Ehrengäste sind unter anderem die Bundestagsabgeordneten Andreas Jung (CDU) und Saskia Frank (Grüne) dabei. Jung werde auch über Natur und Umwelt sprechen.

Auch in anderen Orten und Ländern, in denen Beedabei schon ist, gab es Aktionen. Trisner erzählte, dass die Kästen in Bremerhafen in Schiffsform anordnet worden seien. In der Ukraine sei ein Peace-Zeichen geformt worden.

Übrigens läuft die Sponsorensuche noch, um die 15.000 Euro Kosten für die Pflanzaktion zu finanzieren. Infos gibt es hier. Daniel Trisner will auch noch versuchen, Fördermittel zu erhalten.

Der Grund für den neuen Namen

Aber warum wurde Sernatingen eigentlich umbenannt? Trisner hatte als lokaler Geschichtsexperte und Autor bei den Seeendgeschichten natürlich die Antwort. Die Gemeinde sollte damals mehr Bedeutung gewinnen. Erst sei der Hafen, dann der ganze Ort zu Ehren von Großherzog Ludwig in Ludwigshafen umbenannt worden. Das sei ungewöhnlich gewesen, weil Sernatingen damals gerade mal um die 650 Einwohner gehabt habe.

Trisner erzählte auch von Verwirrungen mit Ludwigshafen am Rhein und drei Versuchen, den Namen wieder zurückzuändern. Alle seien gescheitert und nach dem Zweiten Weltkrieg sei es nicht mehr versucht worden.

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