Die Magie der Marienschlucht: Eröffnung, Erinnerungen und die Matthias-Weckbach-Kanzel

Dieses Wochenende geht in die Geschichte ein. Die Marienschlucht ist nach elf Jahren Sperrung wieder offen und der Festakt für geladene Gäste bildete am Freitagnachmittag, dem Vortag des Tags der offenen Schlucht, den Auftakt zur so lange ersehnten Wiedereröffnung.

Unter den Gästen war eigentlich niemand, der nicht beeindruckt war – manche kannten den neuen Panoramasteg allerdings schon oder waren selbst am Bau beteiligt. Schließlich standen nicht nur Räte, Bürgermeister, Landrat, der Regierungspräsident und Landespolitiker am Fuß des Naturwunders, sondern auch die vielen helfenden Hände, ohne die das alles nicht möglich gewesen wäre.

Genau diese enorme Leistung auf vielen Ebenen würdigten die Redner. Die Liste der Namen war unglaublich lang und hatte die große Besonderheit, dass etliche davon lokal und regional waren. So hob Bürgermeister Christoph Stolz heraus, dass der Steg tatsächlich „made in Bo-Lu“ ist, da er von der Firma Rettich gefertigt worden war.

Jetzt gibt es eine Matthias-Weckbach-Kanzel

Alle Namen zu nennen, würde hier den Rahmen sprengen, ein Mann erhielt aber besonders viel Dank und eine Würdigung, die jeder Besucher der Marienschlucht sieht: Der Balkon am Treppenturm am unteren Eingang zur Schlucht heißt nun Matthias-Weckbach-Kanzel. Der Alt-Bürgermeister von Bodman-Ludwigshafen und Projektleiter der Marienschlucht hatte bei diesem Millionenprojekt die Führung und wurde so geehrt.

Mehr oder weniger inoffiziell könnte auch öfters der Name Weckbächle für den Bach in der Marienschlucht auftauschen. Vor der Enthüllung des Kanzel-Namens überlegten mehrere Redner, dass dieser Name für das Gewässer passen würde, zumal es offenbar noch gar keinen Namen habe.

Ja, das würde passen, und tauchte sogar nicht zum ersten Mal auf: An Fasnacht hatte der Hasenrat beim Bunten Abend in seinen närrischen Nachrichtenshow einen Beitrag, dass sich die Menschen in ein paar tausend Jahren wundern werden, warum der Bach in der Marienschlucht eigentlich s’Weckbächle heißt.

Ein Ort mit Magie

Der Festakt sprühte vor Freude über den Meilenstein in der Marienschlucht. Der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt, der Allensbacher Bürgermeister Stefan Friedrich und Christoph Stolz, Bürgermeister von Bodman-Ludwigshafen, eröffneten den Reigen der Lobesworte und Einblicke in die Zeit voller Hürden, die nun in die Wiedereröffnung der Schlucht gemündet hat. Die Schlucht liegt auf den Gemarkungen dieser drei Gemeinden, die Fläche befindet sich allerdings im Eigentum von Gut Bodman.

„Die Marienschlucht ist nicht nur ein Ausflugsziel, sondern ein Ort, der für viele eine persönliche Bedeutung hat und eine gewisse Magie hat“, sagte Burchardt. Die drei Kommunen hätten sich für den schwierigen Weg entschieden statt die Schlucht nach dem tödlichen Erdrutsch am 6. Mai 2015 geschlossen zu lassen.

Orte wie die Marienschlucht ließen sich nicht anhand von Gemeindegrenzen denken. Er hob auch die Unterstützung des Landes hervor, das 60 Prozent Fördermittel zur Verfügung gestellt hat. Sein Fazit: „Die Marienschlucht ist ein Projekt, das zeigt, was möglich ist, wenn man unter schwierigen Bedingungen gemeinsame Lösungen sucht.“

Anforderungen und Wünsche

Stefan Friedrich griff den Aspekt auf, warum es so schwer war, die Schlucht wieder zu eröffnen: „An dieser Stelle treffen so viele Anforderungen und Wünsche aufeinander, dass es sehr herausfordernd war, diese alle unter einen Hut zu bringen. Wir haben hier Pflanzen, Menschen und Tiere, die zusammenkommen.“ Er warb für die Spendenmöglichkeiten und betonte, jeder Euro werde in die Unterhaltung der Schlucht verwendet.

Mit Blick auf die Zukunft und die Unterhaltung der Marienschlucht ergänzte Christoph Stolz auch da werde pragmatisch und gemeinsam gehandelt, solidarisch und ungeachtet von Ortsgrenzen. Er zeigte an einer Stelle mit sehr vielen Querverstrebungen was für eine Ingenieruskunst im Bauwerk der Treppen und Stege steckt. Das Bauwerk sei an und für sich bemerkenswert und eine Attraktion.

Stolz würdigte die Zusammenarbeit mit dem gräflichen Haus und den Willen, die Marienschlucht wieder begehbar zu machen. „Das ist nicht selbstverständlich“, sagte er mit Verweis auf andere Orte, wo es anders sei.

Die fünfte Wiedereröffnung

Wilderich Graf von und zu Bodman und sein Sohn Johannes Baron von Bodman griffen die Entstehung im Jahr 1897 und Entwicklung der Marienschlucht auf. Dies war spannend und witzig, da der Graf noch neue Erkenntnisse aus einem Vortrag über Kelten am Bodensee einbrachte und das Toiletten-Thema aufgriff, dass sich als Running Gag durch fast alle Reden zog. Immerhin warten die Gemeinden schon seit Jahrzehnten darauf, dass auf dem Platz unterhalb der Schlucht ein WC steht. Irgendetwas hat das immer verzögert oder verhindert – oder die Schlucht war gesperrt. So erklärte Graf Bodman, dass die Marienschlucht nun zum fünften Mal wiedereröffnet werde. Sie sei nur noch nie so lange am Stück gesperrt gewesen.

Er amüsierte die Anwesenden mit einer Anekdote, dass er einmal einem Minister erzählt habe, die Marienschlucht sei entstanden, weil ein Schwabe 50 Pfennig verloren und danach gesucht habe. Auch weitere Geschichten mit viel Augenzwinkern sorgten für Stimmung.

Eine schwierige geologische Situation

Der Baron erinnerte sich an die vorangegangene Wiedereröffnung, als auch schon Matthias Weckbach dabei gewesen sei. Er würdigte Weckbachs Engagement: „Der Name, der hier durchfließt und durch den Molassefelsen diese Schlucht getrieben hat, heißt wahrscheinlich Weckbach. Genauso beharrlich warst du.“ Die Marienschlucht sei ein touristisches Highlight am längsten unberührten Naturufer des Bodensees.

Carsten Gabbert, Regierungspräsident des Regierungspräsidiums Freiburg, und Landrat Landrat Zeno Danner gehörten ebenfalls zu den Rednern. Gabbert sagte, er sei vom Bodensee begeistert, und gab ebenfalls Einblicke in die komplizierte Vorgeschichte und warum einiges gedauert habe, unter anderem aufgrund der schwierigen geologischen und ökologischen Situation. „Als die Basis gelegt war, hat man hier mit Drive die Maßnahme zu Ende gebracht“, so Gabbert. „Herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Einrichtung, die Sie hier jetzt haben.“

Landrat Zeno Danner würdigt die Leistung in der Marienschlucht. Bild: Ramona Löffler

„Ich finde es beeindruckend, was für ein riesiges Projekt heute zum vorläufigen Abschluss kommt“, sagte Danner und scherzte, das Landratsamt könnte das Schild für den Weckbach spendieren. Er kenne die Marienschlucht von klein auf und freue sich, dass Familien nun wieder dorthin kommen könnten.

Thorsten Becker segnet die Marienschlucht. Bild: Ramona Löffler

Schließlich blickte Pfarrer Thorsten Becker aus kirchlicher Perspektive auf die Schlucht und die Wiedereröffnung. Er sprach einen Segen und schloss mit einem Wunsch: „Lasst uns an diesem wunderbaren Tag nicht die Menschen vergessen, die sich so sehr sehnen nach Brücken über Schluchten, nach Brücken zueinander und nach Stegen.“

Schiff fährt regelmäßig zur Schlucht

Einer, der sich auch ganz besonders über die Wiedereröffnung freut, ist Vincent Deinis, der Inhaber des Schifffahrtsbetriebs Deinis. Er steuerte am Freitag das Schiff mit den Ehrengästen zur Schlucht. Die Region habe nun ihr touristisches Highlight zurück. Das habe sehr gefehlt und er sei sehr dankbar für den Mut und das Engagement von Matthias Weckbach und allen Beteiligten.

Schiff und Schlucht starten übrigens gemeinsam in die Saison 2026. Ab jetzt führen die Kursfahrten der MS Großherzog Ludwig wieder zur Haltestelle an der Marienschlucht.

Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert