So ein Fasnetseröffnen gab es in Stockach vielleicht noch nie: Beim Umzug tanzten die Schneeflocken und Narrenrichter Jürgen Koterzyna entschied angesichts der Kälte die Verkündung des Fasnachtsprogramms nach innen zu verlegen – dort ging das Programm mit mehreren Besonderheiten bis deutlich nach Mitternacht. So lange wie noch nie, bemerkte Koterzyna, für den es das letzte Fasnetseröffnen als Narrenrichter war.



Die Dauer fand sich eher zufällig in Form von Anspielungen auf die allgemeinen Organisationsfähigkeiten der Männer im Programm wieder. Der Nachwuchs der Gliederungen zeigte in verschiedenen Beiträgen seine Talente: Die Jüngsten und die jungen Alt-Stockacherinnen sowie die Jung-Marketenderinnen rissen das Publikum so mit ihren Tänzen mit, dass es laute Zugabe-Rufe gab, die natürlich nicht leer ausgingen. Die nächste Generation der Laufnarren. Zimmerer und Hänsele zeigte launige Sketche.
Sketche strapazieren die Lachmuskeln
Vor allem beim Whatsapp-Chat fürs Narrentreffen, in dem jeder Darsteller der Jung-Laufnarren den Leiter oder die Chefin einer Gliederung sowie den Narrenpolizist und den Narrenrichter darstellte, gab es für das Publikum kein Halten mehr. Die jungen Schauspieler trafen mit dem Humor und den Texten genau den Nerv und spitzten ironisch das auf, was manche vielleicht stört, aber doch zu den liebenswerten Eigenheiten der Narren gehört.

Das Stammtischgeschwätz der Jung-Zimmerer über eine Paris-Reise war eine Derniere für Alt-Ehrenfuhrmann Pius Wolf, da dies der letzte Sketch war, in dem er mitgewirkt hat. Die „Aachpark-Intrige“ der Jung-Hänsele brachte einen bekannten deutschen Multimillionär aus Spanien nach Stockach, der als Investor so viel beim Bau des Aachparks sparen wollte, dass der Ärger mit dem Amt bekam. Seine Vorstellung von Arbeitssicherheit: „Alle leben noch.“
Vorfreude auf das Narrentreffen
Narrenwirt Markus Buhl nahm die Anwesenden im komplett vollen Saal auf einen schnellen Ritt durch das Programm der kommenden Wochen mit. Viele fiebern bereits dem Narrentreffen vom 23. bis 25. Januar entgegen. Rund zwei Jahre Planung münden bald in drei vollgepackte Tage, wie Stockach sie sicherlich noch nicht gesehen hat.

Adrian Bernhard stellte sich als neuer Hans Kuony vor und sagte, was für ein „mega geiles Gefühl“ da gewesen sei. Er erzählte aus seiner Schulzeit, dass er damals den HK-Darsteller als Popstar gesehen habe. „Ich weiß bis heute nicht, wie ich Hans Kuony geworden bin“, sinnierte er und gestand, wie nervös er an Dreikönig gewesen sei, ehe er zum ersten Mal als Hans Kuony in den Saal gelaufen sei. Das sei einer seiner schönsten Tage gewesen, da er so herzlich empfangen worden sei.
Die Verabschiedung von Roland Drews, der 39 Jahre lang Hans Kuony und 40 Jahre lang aktiver Gerichtsnarr war, war unglaublich emotional. Sie zeigte, was für ein besonderer Mensch der ist und wie sehr ihn alle schätzen. Da es früher einmal einen Verbindungsmann zu den Marketenderinnen gab und er diese Funktion inne hatte, kamen unzählige Marketenderinnen auf die Bühne, um ihm jeweils eine Rose zu überreichen und sich bei ihm zu bedanken.
Neue Ehrentitel und Abschiedsgeschenke
Jürgen Koterzyna hatte für die neusten Alt-Gerichtsnarren ein paar Geschenke dabei, die passend gewählt waren. Roland Drews erhielt ein Erkältungsbad und einen Essensgutschein für sich und die Familie. Er ist ab jetzt zudem der erste Ehren-Hans-Kuony-Darsteller des Narrengerichts. Hubert Reiser durfte einen kleinen Hand-Feuerlöscher samt Essensgutschein entgegennehmen und wurde zum ersten Ehren-Reisemarschall des Narrengerichts ernannt. Stefan Keil, der zeitweise Schriftführer im Narrengericht gewesen war, bekam eine Druckerpatrone überreicht, gefolgt von einer gigantischen Weinflasche.

Zum Abschied besang das Narrengerichtskollegium die drei mit dem Lied „Ihr seid wie die Fasnet so schön“, bei dem Rainer Vollmer Gitarre spielte und die Gerichtsnarren abwechseln sangen. Diese Verse rührten Drews, Keil und Reiser, sorgten aber auch für viel gute Laune. Der eine oder andere stimmte schließlich auch mit ein.
Bernd Rudolph, Landschaftsvertreter der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) hob hervor, wie besonders Roland Drews sei: „Es ist eine Gnade, jemanden wie dich zu haben.“ Er war auch ein bisschen neidisch, dass Minuten zuvor so viele Frauen Schlange gestanden hatten, um Drews zu küssen. Zudem zeigte er mit drei Zahlen auf, wie beeindruckend lange die Zeit von Drews als Kuony war, da dieser den 39 Jahren elf kleine Kuony-Begleiter gehabt habe und sechs Narrenrichter sowie drei Bürgermeister erlebt habe.
Neue Gerichtsnarren plaudern aus dem Nähkästchen
Da das Narrengericht in der Dreikönigssitzung drei Gerichtsnarren verabschiedet und drei neue verpflichtet hat, stellten sich diese Neuzugänge vor. Dabei zeigten sie beeindruckend, wie die Fasnacht ihr Leben geprägt hat und wie sie diese von verschiedenen Seiten bzw. aus verschiedenen Gliederungen kennen.
Narrenbolizei und nun Gerichtsnarr Thomas Burgbacher hatte in seiner Rede so einige Wortspiele parat und bemerkte zu seinem neuen Amt über die Gerichtsnarren in ihren grünen Mänteln mit Hermelin-Besatz: „Die Grünen wollten mich vom mittleren in den gehobenen Dienst befördern.“ Burgbacher stellte auch seine närrische Straßenverkehrsordnung (Stvo) vor, zu der gehört, dass der Narrenbaum immer Vorfahrt hat und sich das Narrengericht nach Paragraf 1351 Sonderrechte vorbehält.

Michael Pfersich brachte zum Ausdruck, was für eine Ehre es sei, dass er nun Teil des Narrengerichts sei. Wie bei vielen anderen tragen auch seine Söhne bereits die Fasnacht im Herzen – alle sind bei den Hänsele.
Julian Windmöller wollte eigentlich Worte sparen, da ein Bild mehr als 1000 Worte sage, doch die amüsanten Bildbeschreibungen fielen dann doch recht wortreich aus. Er zeigte drei Häser aus seinem fasnachtlichen Werdegang, wobei das dritte ein Pfeil war, der auf ihn im aktuellen Häs eines Gerichtsnarrens zeigte. Ein Bild von ihm als Junge im selbstgemachten Kartoffelkönig-Kostüm hatte übrigens einen großen Jööö-Faktor – und wer weiß, vielleicht ist das auch eine Inspiration für eine Schnurrgruppe oder die eine oder andere Mutter, die noch nichts für das Kind hat. Apropos Kinder – wer die Gummibärenbande kennt, hatte besonders viel Spaß, als Windmöller den Text auch sich umgedichtet hatte und sang.
„Ets isch Zeit, dass es Orde geit“
In drei Teilen überreichten Ordensmeister Markus Vollmer, seine Assistentinnen Sophie und Jojo eine ganze Reihe von hohen Orden. Dabei griff er sogar als Sänger zum Mikrofon und gab ein umgedichtetes Lied mit dem Titel „Ets isch Zeit, dass es Orde geit“ zum Besten – also der mit einem ganzen Song vertonte Spruch des Ordensmeisters. So gab es über den Abend verteilt insgesamt drei Lieder mit Sängern des Narrengerichts.

Als Erlebensorden gingen einige Hans-Kuony-Kreuze an ihre neuen Träger. Außerdem gab es mehrere Orden 1. und 2. Klasse. Die Hans-Kuony-Kapelle hatte nicht nur immer die passende Musik für die Ordensverleihungen und alle weiteren Programmpunkte – aus ihrer Mitte kam auch mit Florian Grill ein Fasnachter, der für seine Verdienste den Hans-Kuony-Orden 1. Klasse erhielt. Die Orden 1. und 2. Klasse erhält nur, wer sich in besonderer Weise um die Fasnacht verdient gemacht hat.
Hans Kuony Orden 2. Klasse erhielten Fabian Dreher (Aktive Laufnarren) und Christian Eisenbach (Hänsele). Matthias Stolp (Narrenbüttel), Andreas Beller (Hänsele) und Florian Grill (Hans Kuony Kapelle) wurden sogar mit dem Hans-Kuony Orden 1. Klasse geehrt.

Die neuen Träger des Hans-Kuony-Kreuzes sind: Fabian Diehr, Maximilian Radloff und Sven Thum, Maurice Keller, Gabriel Hildebrand, Jörg-Peter Rau, Leon Schuster, Samuel Schramm und Ralf Welschinger. Die Hans-Kuony-Medaille ging an Michael Böres, Julian Böttinger, Joachim Böttinger, Joachim Fischer, Johannes Waldschütz, Florian Widmann, Marco Hirling, Luis Ruh, Julian Schmid, Florian Müller.
Der Schweizer Hans Kuony ist nun Laufnarr
Natürlich hat Stockach auch wieder ein paar Laufnarren mehr – und sogar einen ganz Besonderen, denn unter den Anwesenden Schweizer Gästen, die zu Laufnarren geschlagen wurden, war auch der Hans-Kuony-Darsteller Andy Hähn aus Oberägeri.

Seine Anwesenheit macht den Abend zu einem mit drei Hans Kuonys: der ehemalige Stockacher Darsteller Roland Drews, der neue Darsteller Adrian Bernhard und der Schweizer Kollege, dessen Häs in Rot und Gelb gehalten ist, während das Stockacher Häs Rot und Schwarz ist. Ja, dieses Fasnetseröffnen im 675. Jahr des Narrengerichts war wirklich so besonders wie noch kein anderes.































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