100.000 Euro für ein Auto – so viel gabs wohl noch nie bei einer Versteigerung bei der Firma R. Moll im Stockacher Industriegebiet Hardt. Und auch sonst hatte die zehnte Versteigerung auf dem Gelände so einiges Besonders. Diese Veranstaltungen finden ein bis drei Mal pro Jahr statt, da das Unternehmen unter anderem Gegenstände für Staatsanwaltschaft, Polizei und Insolventverwalter verwertet. Mit anderen Worten: Viele beschlagnahmte Sachen und Dinge, die irgendwann mal gestohlen wurden, und nach den Ermittlungen zur Versteigerung freigegeben wurden. Dazu kommen auch Unfallfahrzeuge und mehr.

Die Interessierten kommen aus ganz Deutschland und auch viele Schaulustige sitzen in den Reihen. Man kann sich eine Bieternummer holen, muss aber nicht. So verfolgen manche einfach aus Spaß, was es so gibt und für welche Summe, die Waren den Besitzer wechseln.
Bieterkampf oder auch mal kein Interesse
Zu Beginn geht es immer um Fahrzeuge und deren Bandbreite hätte dieses Mla nicht größer sein können: Von einem Startgebot mit 50 oder 100 Euro für ein altes Unfallfahrzeug bis 110.000 Euro für ein fast neuwertiges Luxusfahrzeug. Die Autos ziehen viele Händler an, aber auch Schnäppchenjäger, die ein neues Fahrzeug brauchen. Das heißt aber nicht, dass alle verkauft werden. Beim einen Posten kann ein Bieterkampf entstehen, bei anderen kann auch mal null Interesse sein.

Alleine Rolf Moll zuzuhören ist aber auch schon sehr unterhaltend. Er geht die Versteigerungen mit viel Humor an. Dabei entsteht auch mal ein Running Gag, der sich dann durch die Veranstaltung zieht. Dieses Mal: Zwei Männer erhielten den Zuschlag für eine Schultafel und ließen sich animieren, auch bei einer zweiten sowie ein paar Whiteboards zuzuschlagen. Rolf Moll schlug daraufhin beim einen oder anderen Posten vor, dass das noch dazu passen würde.
Rekord-Auto hat neuen Besitzer
Der preisliche Spitzenreiter auf der Liste wechselte zwar den Besitzer – aber unter dem Ausrufpreis. Die 110.000 Euro wollte niemand bieten, aber hier hatte Rolf Moll als einer der beiden Auktionatoren die Möglichkeit, runterzugehen. Das ist nicht immer so, denn bei manchen Dingen darf der Ausrufpreis nicht unterschritten werden.
Wenn es mal kein Limit nach unten gibt, darf auch einfach etwas eingerufen werden – so erhält mal jemand ein Fahrzeug für 100 statt der angesetzten 200 Euro oder es gibt ein Küchengerät, ein Werkzeug oder sonst irgendwas für 5 statt 50 Euro. Raphael Moll, der sich an Versteigerungstagen um die Fahrzeuginteressenten und andere Dinge auf dem Gelände kümmert, sagt auf Nachfrage, dass dieses Auto im sechsstelligen Bereich sicherlich das bisher teuerste Fahrzeug sei, das bisher in einer Auktion dabei gewesen sei.

Alles ist eine Frage der Nachfrage. Das sieht man auch, wenn sich die Bieter plötzlich überschlagen, weil sie etwas unbedingt haben wollen. Angesichts des aktuellen Wetters war es kein Wunder, dass ein großer Bodenventilator auf großes Interesse stieg. Mehrere Bieter steigerten sich von 15 Euro in kleinen Schritten zu 39 Euro hoch. Das geht, weil die Schritte je nach Startpreis sehr unterschiedlich sein können. Bei niedrigen Summen geht es immer um 1 oder 2 Euro hoch, mal um 5 oder 10 und bei den höherpreisigen Sachen in 50er- oder 100er-Schritten.
Spannung und ein großes Erlebnis
Es macht Spaß, das zu verfolgen und zu sehen, wie ein Händler ruckzuck um die acht Fahrzeuge ersteigert hat. Hier und da wird es kurios und manchmal muss man aufpassen. So hätte eine Familie um ein Haar etwas ersteigert, weil die kleine Tochter das Bieterschild in die Höhe gehalten hat. Aber sie hatten Glück – jemand anders hat ebenfalls geboten, nachdem ihr Schild wieder unten war. So eine Versteigerung ist immer ein tolles Erlebnis.

Die Wunderboxen sind auch immer spannend. In großen Plastikkisten oder sogar noch größeren Holzbehältnissen werden Waren einer bestimmten Art als Überraschungspaket angeboten. Man sieht einen Teil des Inhalts, aber nicht alles. Neu- und Gebrauchtware mischt sich dabei.
Aufgeld muss man im Auge behalten
Wer bietet, darf natürlich eins nicht vergessen: Das Aufgeld. Auf jede Summe kommen 15 Prozent Aufgeld sowie die Mehrwertsteuer auf das Aufgeld. Bei der Einführung in die Versteigerung erklärt Kathi Reuther, die gemeinsam mit Rolf Moll die Veranstaltung leitet, was das bedeutet. Bei einem angenommen Versteigerungspreis von 100 Euro, kommen 15 Euro Aufgeld dazu und 2,50 Euro Mehrwertsteuer, also insgesamt 117,50 Euro. Wer etwas unbedingt will, muss also aufpassen, ob es sich dann noch lohnt. Bei der einen oder anderen Ware gerät das schon mal in den Hintergrund, merkt man, wenn man sich etwas mit einem Gegenstand auskennt.
Obwohl für manche Händler ein Geschäftsmodell dahinter steckt, sind Privatleute manchmal einfach aus Spaß dabei. Ich selbst hatte dieses Mal zum zweiten Mal eine Bieternummer und habe für ein Projekt eine Wunderbox mit Maler-Sachen ersteigert. Hat sich das gelohnt? Weitgehend. Ich kann einiges davon brauchen, manches aber auch nicht. Vom Warenwert her war es ein Schnäppchen. Ebenso wie ein paar Kleinigkeiten im Freiverkauf.
Manches gibt es auch direkt für den kleinen Geldbeutel
Ja, der Freiverkauf. Wer nicht Steigern, sondern direkt kaufen möchte, findet einen Raum mit Waren, die man direkt mitnehmen kann. Von Kleidung, über Schuhe, Haushaltswaren, Parfum und vieles mehr, gibt es so ziemlich alles. Und der Zulauf ist groß – der Freiverkauf ist sehr beliebt. Mein diesmaliges Schnäppchen: eine Tüte mit 14 Handtüchern für 10 Euro.

Wer die nächste Auktion nicht verpassen möchte, kann auf der Internetseite der Firma Moll den Newsletter abonnieren. Wenn die nächste Versteigerung ansteht, erfährt man so automatisch den Termin und erhält kurz vorher den Link zum Bieterkatalog. In diesem sind alle Positionen aufgelistet. Besichtigungen sind am Nachmittag vor der Versteigerung und in den zwei Stunden vor Beginn möglich.
An so einem Versteigerungstag sind hunderte Menschen, vermutlich sogar 1000 oder mehr unterwegs. Je nach Interesse wechselt das Publikum. Anfangs ist alles übervoll, wenn es um die Fahrzeuge geht, später gehen einige und es herrscht immer ein Kommen und Gehen. Bis mehr als 300 Posten von der Liste durch sind, dauert es immerhin auch ein paar Stunden.
Mit Pommes in den Zuschauerreihen
Die Schawestos, zu denen Heike Moll gehört, sorgen dafür, dass die Besucher mit Essen und Getränken versorgt sich. Ihr bekannter Imbisswagen steht neben der Halle und die Schlage dort ist lang. Dieses Mal war der Durst sogar so groß, dass die fleißigen Frauen mehrfach los mussten, um nochmal Getränke zu besorgen.
Heike Moll steht an Versteigerungen übrigens im Büro und kümmert sich dort mit dem Team um die Bieternummern oder später das Bezahlen. Nach der Versteigerung gilt Barzahlung, aber es gibt auch Ausnahmen bei hohen Summen. Entweder gleich oder am nächsten Tag. Man kann seine Errungenschaften direkt nach dem Bezahlen mitnehmen oder später holen. Manche kommen auch direkt schon mit einem Hänger oder Transporter, weil sie entsprechende Ziele bei der Versteigerung haben.
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