Die Ablachtalbahn und das liebe Geld: Hart errungene Schritte vorwärts

Mehr denn je sorgt die angespannte finanzielle Situation der Stadt Stockach für ausgedehnte Diskussionen um Projekte. Im Fall der Ablachtalbahn kam noch das Henne-Ei-Problem obendrauf: Der Rat sollte den Beschluss für ein Bekenntnis zu den Ausbauplänen der Ablachtalbahn fassen. Finanziell geht es um 30.000 Euro jährlich für drei Jahre, die Stockach in der aktuellen Phase der Entwurfs- und Genehmigungsplanung für die Reaktivierung der Strecke zugeben müsste. Das Land Baden-Württemberg soll die Hälfte der Kosten tragen, die Gemeinden entlang der Bahnlinie bzw. auch die Landkreise aufgeteilt die andere Hälfte. Keine leichte Situation und vor allem nahm die Diskussion im Rat alle möglichen Ausmaße mit Äußerungen von Verärgerung, neuen Vorschlägen und mehr an.

In Richtung nördliche Ortsteile und Meßkirch soll bald regelmäßig ein Zug fahren. Archivbild: Ramona Löffler

Einige Räte bestanden zunächst drauf, dass das Land zuerst die finanzielle Unterstützung und notwendige Zugbestellung bestätigen müsse – während durch die Unterlagen und Redner klar wurde, dass das Land zuerst etwas von den Gemeinden entlang der Ablachtalbahn-Linie hören wollte.

Die Diskussion war lang, die Abstimmung fiel positiv aus – und ganz frisch kam jetzt auch das Signal vom Land, das nun eine lange Liste von Strecken in zwei Tranchen aufgeteilt hat. Der Abschnitt Stockach/Meßkirch ist laut einer Pressemitteilung in Tranche 1 dabei, Meßkirch/Mengen in der zweiten und damit unwahrscheinlicher – damit steht also erst mal eine Teilreaktivierung im Raum. Auf jeden Fall eine gute Nachricht für den Schienennahververkehr für die nördlichen Stockacher Ortsteile und eine regelmäßige Schienenanbindung nach Meßkirch. Eins fehlt aber noch: Eine Entscheidung vom Landkreis Konstanz, ob auch er sich finanziell beteiligt.

An Stockach soll es nicht scheitern

Bürgermeisterin Susen Katter sagte zu Beginn der Debatte, sie sehe den Landkreis und das Land in der Pflicht, da mit der Zugbestellung des Landes ohnehin der regelmäßig ÖPNV-Verkehr auf der Bahnlinie stehe und falle. Sie betonte jedoch auch: „Ich möchte nicht, dass es an Stockach scheitert. Ich sehe den Mehrwert.“

Der Hoppetenzeller Ortsvorsteher Roman Rendle (rechts) übergibt Unterschriften auf Hoppetenzell an Bürgermeisterin Susen Katter. Bild: Bürgermeisterin Susen Katter

Roman Rendle, der Ortsvorsteher von Hoppetenzell, verwies sofort auf den schlechten Anschluss des Orts an die Kernstadt und eine Initiative im Ort, die sich mit 252 Unterschriften für den Bahnanschluss ausgesprochen habe. „Ich sehe als Pflicht als Ortsvorsteher, diese einmalige Chance wahrzunehmen“, sagte er. Vor allem im Hinblick auf die Jugend sei es wichtig, dass diese nicht immer gefahren werden müssten, sondern regelmäßige, verlässliche Nahverkehrsverbindungen hätten. So könnten sie sehen, dass man auf dem Land leben könne, ohne abgeschnitten zu sein.

Bedenken wegen Wartezeiten an Schranken

Der Espasinger Ortsvorsteher Andreas Bernhart zeigte sich in dieser Sitzung als kritische Stimme. Die Kostenfrage war dabei der eine Aspekt, Auswirkungen auf den Verkehr auf den Straßen der andere. Er brachte das immer wieder erwähnte Argument von Stau und Wartezeiten, wenn die Schranken auf vielbefahrenen Straßen wegen der Ablachtalbahn häufig geschlossen wären. Auch Roland Fiedler (Freie Wähler) griff in der Debatte die Schrankentechnik auf, da der Verkehr immer lange warten müsse. Susen Katter hatte hier gute Nachrichten: Die veraltetet Technik werde bald modernisiert, so dass alles schneller gehen und die Wartezeiten verkürzt würden.

Der Meßkircher Bürgermeister Arne Zwick brachte aus erster Hand einige Infos mit. Dadurch und aufgrund dessen, was Wolf-Dieter Karle als Freie Wähler-Gemeinderat, Hindelwanger Ortsvorsteher und Mitglied des Kreistags sowie Susen Katter wussten, wurde die Henne-Ei-Situationen umso klarer: Die Landkreise und das Land wollten jeweils erst wissen, wie die anderen entscheiden.

Ja, nein, vielleicht?

Alice Engelhardt (Grüne) traf den Haken voll auf den Punkt: „Jeder macht sich von anderen abhängig. So kommen wir nicht weiter. Wollen wir die Bahn oder nicht? Wenn ja, müssen wir kämpfen.“ Für sie sei klar, dass das Projekt nichts werde, falls das Land abspringe.

Das bestätigte auch Arne Zwick und formulierte es ganz deutlich: „Das Land will, dass sich die Region äußert. Falls das Land nein sagt, wäre alles hinfällig. Wir haben alles lange vorangetrieben, aber müssen nun zum Schwur kommen.“

Der Meßkircher Bürgermeister Arne Zwick saß im Gemeinderat neben der Stockacher Bürgermeisterin Susen Katter, als es um die nächsten Schritte für regelmäßigen Bahnbetrieb auf der Ablachtalbahn-Strecke ging. Bild: Ramona Löffler

Claudia Weber-Bastong (SPD) fand ebenso klare Worte: „Ich bin fürs kämpfen. Wir fallen immer irgendwie hinten runter.“ Auch Jürgen Kragler (CDU) sah die einmalige Chance und das „Jetzt oder nie“.

Engelhardt hatte noch eine Stellungnahme der Grünen dabei, die sie in der Sitzung verlas. Darin ging es um die Bedeutung einer ÖPNV-Verbesserung für die nördlichen Ortsteile und eine Verbesserung der Situation im ländlichen Raum. In einem Antrag forderte sie, dass man den Landkreis auffordern sollte, sich finanziell zu beteiligen.

Finanzielle Bedenken

Martin Bosch warf jedoch noch eine weitere Geldfrage auf: In den aktuellen Phase gehe es für Stockach um drei Jahre mit jeweils 90.000 Euro – aber was dann, welche Summe dann? Er sei für die Bahn, wenn Land und Bund alles übernehmen würden. „Keiner ist gegen die Bahn, aber die Frage ist, was finanziell auf uns zukommt.“

Susen Katter erklärte, Ende des Jahres die Liste des Landes mit den geförderten Bahnstrecken kommen. Ein positives Zeichen nach außen ist wichtig“, sagte sie zu der anstehenden Ratsentscheidung. „Mir wäre es lieber, wenn das Geld zu uns statt woanders hin fließt.“

Als Martin Bosch noch die Idee aufbrachte, jetzt schon einen stündlichen Bus für die nördlichen Ortsteile eingerichtet zu bekommen, hakte Zwick ein, dass dies für die Ablachtalbahn kontraproduktiv wäre. Die Berechnungen der Notwendigkeit würden sich dann ändern und die Chancen auf die Bahn würden schlechter.

Am Ende erhielt der Antrag der Grünen nur fünf Stimmen. Der Rat stellte sich mit großer Mehrheit hinter die Pläne und finanzielle Beteiligung. Nur ein Rat stimmte mit Nein und einer enthielt sich.

Comments

Eine Antwort zu „Die Ablachtalbahn und das liebe Geld: Hart errungene Schritte vorwärts“

  1. Avatar von Waltraut Thomann
    Waltraut Thomann

    Hoffe Hindelwangen bekommt auch eine Haltestelle.

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