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Investitionen und ein Rätsel ums Wasser: So wird die Kläranlage Stockacher Aach zukunftsfit

Sie ist aus den 1960er-Jahren und trotzdem eine der modernsten Anlagen in Deutschland: Die Kläranlage des Abwasserzweckverbands Stockacher Aach zwischen Espasingen, Bodman und Ludwigshafen erhielt kürzlich im Gemeinderat von Stockach viel Lob, braucht aber weitere Investitionen, um zukunftsfit zu bleiben und noch besser zu werden. Die Anforderungen würden stetig steigen, erklärte Leiter Willi Schirmeister. Zudem hatte er ein Rätsel dabei: Zur Anlage fließt mehr Wasser, als geplant – aber woher?

Eigentlich sei festgelegt, wie viel zu klärendes Wasser welche Gemeinde einbringen dürfe. Nun sei man auf der Suche und in Gesprächen, woher das Plus kommt. Eine Ursache sei in Ludwigshafen in der Bahnhofstraße, konnte Schirmeister bereits sagen. Was dort genau ist und wie es gelöst werden kann, müsse noch geprüft werden.

Aus manchen Orten kommt zuviel Regenwasser

Alle Gemeinden, bei denen zu viel Fracht komme, müssten etwas tun, sagte er. Nun sei geplant, Messeinrichtungen in den Kommunen zu platzieren, damit man herausfinden könne, woher die Mehrmengen kommen. Die Schmutzfracht besteht übrigens zu einem Drittel aus Abwasser und zu zwei Dritteln aus Regenwasser.

Eines der Becken in der Kläranlage des Abwasserzweckverband Stockacher Aach. Rund 20.000 Euro mehr Umlage an den Abwasserzweckverband gehört zu den Gründen für höhere Abwassergebühren in Bodman-Ludwigshafen. Archivbild: Ramona Löffler

Schirmeister gab in der Sitzung einen Überblick zur Leistungsfähigkeit der Anlage, laufenden und geplanten Investitionen. Sie sei eine Modellanlage und bundesweit ganz vorne, doch bei den Investitionen „ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht“. Er machte auch klar, dass die Anlage wichtig ist und gebraucht wird, da man Abwasser nicht einfach abstellen könne.

Und dieses Schutzwasser aus dem Einzugsgebiet fließt durch Kanäle, die zusammen eine Länge von 160 bis 200 Kilometer ergeben. Eine Zahl, die in der Sitzung beeindruckte. Ebenfalls eine stolze Zahl: Es gibt 84 Bauwerke, die laufend betreut und gewartet werden müssen – Regenüberlaufbecken, Staukanäle, Pumpwerke und vieles mehr.

Mit Blick auf neue Richtlinien und die Zukunft schilderte Schirmeister wie die Einhaltung verschiedener Grenzwerte verbessert wurde und weiterhin werde. Auch Lachgas ist ein Thema, das eine große Rolle spielt. In der Anlage entstünden 350 Tonnen pro Jahr und es sei 273 Mal schlimmer als CO2. Eine neue Belüftung soll die Entstehung reduzieren oder unterbinden.

Wie die Kläranlage zukunftsfit wird

Das ist alles geplant und notwendig: Eine Million Euro fallen für eine Beckensanierung an, 100.000 Euro wegen einer Nachrüstung, um Lachgas zu reduzieren und zudem muss der durchgerostete Gasbehälter saniert werden. Der Verband plant auch den Aufbau von mehr Photovoltaik-Flächen zu Deckung des Strombedarfs und will Überschwemmungsflächen vom Gräflichen Haus Bodman anmieten, die direkt neben der Anlage liegen. Zudem soll die Abwärme aus dem Faulturm genutzt werden. Schirmeisters Fazit: „Wir investieren weiter 1,5 bis 2,5 Millionen Euro pro Jahr wie bisher aus. Damit haben wir die Anlage ziemlich auf den neusten Stand gebracht.“ Der Betrieb werde immer teuer, doch im Team seien sehr gute Leute.

Ein neuer Prospekt, den es erstmals nach 27 Jahren gebe, erläutere unter anderem welche Dinge nicht in die Toilette gehören. „Reißfeste Tücher sind ein großes Problem“, erkläre Schirmeister.

Da der Gemeinderat kurz zuvor eine Besichtigung der Anlage gemacht hatte, bei dem es stark geregnet hatte, konnte Bürgermeisterin Susen Katter angesichts der damals fast vollen Becken sagen: „Wir brauchen Flächen für die Versickerung, da die Anlage am Anschlag ist.“

Ein Leuchtturmprojekt in der EU

CDU-Rat Martin Bosch bemerkte dazu, dass viele Grundstücksbesitzer den Regen in den Kanal fließen lassen würden, obwohl man mit wenig Mitteln etwas anderes machen könnte.

Zu einer Rückfrage zur Finanzierung, erläuterte Kämmerer Sebastian Scholze wie es mit Krediten und Abwassergebühren aussieht. „Alle Bürger zahlen über die Gebühren mit“, sagte er.

Nach dieser Präsentation nannte Nils Baser (Freie Wähler) die Kläranlage sogar ein Leuchtturmprojekt in der EU, da hier dreistufig und bald vierstufig das Wasser geklärt werde, während die meisten Anlagen nur zweistufig seien.

Für den Rat gab es am Ende nichts zu entscheiden, da es sich nur um eine Information handelte. Im Gremium war jedoch deutlich, wie zufrieden alle mit der Kläranlage und ihren Plänen sind.

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