Der Rückhalt für das Krankenhaus Stockach ist da, der Jahresabschluss 2025 löste aber dennoch eine größere Debatte im Stockacher Gemeinderat aus. Die Finanzlage der Stadt ist eng und das wollten ein paar Räte nochmal deutlich hervorheben, während gleichzeitig in der Präsentation von Krankenhausgeschäftsführer Bernd Zimmermann deutlich wurde, wie ungewöhnlich die Aufstellung für das Jahr 2025 ist, da sich die längst vergangene Corona-Zeit noch auf die Jahresbilanz auswirkt und Geld gefressen hat, da es Nachforderungen der Krankenkassen aus den Jahren 2023, 2024 und 2025 gibt, die sich 1.025.000 Euro belaufen.
Eine Summe, die es in sich hat und das Defizit des Jahres 2015 natürlich nach oben treibt. Die Kassen bzw. die Kassenärztliche Vereinigung erkennt offenbar nicht alles an und hat Rückforderungen. Zudem stellte sich in der Präsentation und Debatte heraus, dass das Krankenhaus bei ambulanten Behandlungen drauf zahlt, da manche Kosten nicht übernommen werden.

Bei einer Bilanzsumme von rund 21,11 Millionen Euro hat das Krankenhaus einen Verlust von 2,14 Millionen Euro. Davon beträgt der kassenwirksame Verlust rund 1,72 Euro – der Gemeinderat hat beschlossen, diese Summe auszugleichen. Da im Haushalt nicht ganz so viel vorgesehen war, genehmigte der Gemeinderat die notwendigen überplanmäßigen Mittel.
Förderverein und Bürgerstiftung unterstützen
Auf der positiven Seite konnte Zimmermann auflisten, wie viel Unterstützung das Krankenhaus durch seinen Förderverein oder die Bürgerstiftung hat. Vor allem beim Krankenhausförderverein, von dem es 2025 Neuanschaffungen im Wert von rund 19.800 Euro gegeben habe, sprach der als „unglaublich starke Unterstützung“.
Zimmermann hatte auch einige Patientenzahlen dabei, die zeigen, wie gefragt das Krankenhaus ist. „2025 war das Jahr mit den bisher zweithöchsten Fallzahlen“, sagte er. Seit der Schließung des Krankenhauses in Radolfzell verzeichne Stockach permanent eine starke Auslastung in der Notaufnahme. Im vergangenen Jahren habe es 9338 ambulante Fälle gegeben, davon 7218, die über die Krankenkasse abgerechnet worden seien, 893 Fälle mit Privatversicherten (12 Prozent) und 1227 Arbeits- und Schulunfälle, die über die Berufsgenossenschaften gelaufen seien.
Froh über das lokale Krankenhaus
Bürgermeisterin Susen Katter eröffnete die Debatte mit sehr positiven Worten und Dank: „Ich bin beeindruckt, wieviel Herzblut und Leistung im Krankenhaus stecken. Ich bin froh, dass wir das Krankenhaus haben.“
Da sich CDU-Rat Andreas Bernhart Gedanken um die Zukunft machte, hakte er genauer nach, wie die wirtschaftliche Perspektiven aussehen. Zimmermann erklärte, die Hochrechnung für 2026 und der Wirtschaftsplan für 2027 seien in Arbeit. 2026 werde in etwa so wie im Wirtschaftsplan rauskommen, da es keine Nachforderungen wie 2025 gebe.
Für 2027 müssten die Auswirkungen des Beitragsstabilisierungsgesetzes berücksichtigt werden. Zudem werde es Kostenanstiege beim Personal und den Medikamenten geben. Deshalb sagte er, er sei froh, dass das Krankenhaus bereits seinen Anbau und die neue Intensivstation habe – so seien die großen Dinge schon erledigt.
Stockacher Krankenhaus steht besser da als andere
Wolf Dieter Karle (Freie Wähler) lobte die Arbeit des Krankenhaus-Teams und ordnete die Lage so ein, dass das Defizit des Stockacher Krankenhauses angesichts der Gesamtumstände eine „annehmbaren Größe“ habe. „Wenn man umliegende Krankenhäuser betrachtet, können wir einigermaßen von blauen Augen reden.“ Er regte an, die Umlandgemeinde, von denen 30 Prozent der Patienten kommen, finanziell einzubinden.

SPD-Rat Harald Karge hob die Vorzüge des Krankenhauses mit der wohnortnahen Versorgung und leichten Erreichbarkeit für Ältere hervor, fand aber die Nachforderungen der Kassen und was die Kassenärztliche Vereinigung nicht bezahlt „ärgerlich“. Er überlegte sogar laut, ob das Krankenhaus auf eine schwarze Null zugehen könnte, wenn diese hohen Summen nicht wären. Seine Ratskollegin Alice Engelhardt (Grüne) sprach dagegen von der Hoffnung, das Defizit irgendwann auf eine halbe Million Euro begrenzen zu können.
Wie lange ist das Defizit ausgleichbar?
Auf die positiven Worte hin, drehte sich die Diskussion allerdings nochmals auf die allgemein enge Finanzsituation der Stadt. Andreas Bernhart verwies darauf, wie viel die Stadt bereits in das Krankenhaus investiert habe, dass die Haushaltslage immer schwieriger werde und kam zur Schlussfolgerung, dass irgendwann die Frage kommen könnte, ob sich Stockach das Krankenhaus noch leisten kann.
Susen Katter entgegnete, die Rahmenbedingungen von außen würden es so schwierig machen, zweifelte aber nicht am Krankenhaus – man müsse nur schauen, wie es weiter finanziert werden könne. Auch Wolf-Dieter Karle blieb positiv: „Wir stehen hinter dem Haus und bündeln unsere Kräfte dafür“, betonte er.
Trotz Sorgen, die im Raum standen, traf das Gremium einstimmig den Beschluss, den Verlust des Krankenhauses auszugleichen.

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