105 neue Wohnungen für Stockach: Wo sie entstehen sollen und wie lange das dauert

Neue Pläne für zwei Grundstücke in Stockach könnten dem Wohnungsmangel entgegenwirken. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht: Es dauert ein paar Jahre und aus dem anvisierten Wohnkomplex mit Pflegeheim der Projektgemeinschaft MC1 auf dem Lutz-Areal wird nichts. Das Gebäude der ehemaligen Gärtnerei Lutz in der Dillstraße verfällt immer mehr und es war schon lange ruhig um das Bauvorhaben der Investoren geworden. Nun ist klar warum.

Von links: Alexander Schreiner, Bürgermeisterin Susen Katter und Hauptamtsleiter Hubert Walk. Bild: Ramona Löffler

Alexander Schreiner von der Schreiner Unternehmensgruppe stellte im Gemeinderat zwei neue Konzepte vor – eines für das Lutz-Areal mit 63 Wohnungen in drei Gebäuden, das andere für ein Grundstück in der Kurt-Fahr-Straße direkt an der Stockacher Aach mit 42 Wohnungen in drei Gebäuden. Auf beiden Flächen sollen große Mehrfamilienhäuser entstehen. Normaler Wohnraum, preislich stark vergünstigt, barrierefrei. Zum Vergleich: MC1 wollte in der Dillstraße 39 Wohnungen bauen, dazu im Erdgeschoss Praxisräume, eine Apotheke und vielleicht ein Café.

Wohnungen sind Mangelware

Viel neuer Wohnraum für für Singles, Paare, Familien, Senioren und Alleinerziehende ist genau das, was Stockach dringend braucht, da es zu wenige gibt und die Mietpreise hoch sind – dementsprechend fiel trotz einigen Rückfragen auch die Entscheidung des Gemeinderats für beide Grundstücke einstimmig positiv aus: Er stimmte beiden Entwicklungskonzepten zu.

Links oben ist die Stadtwall-Kurve zu sehen, unten die Dillstraße. Bild: Grafik aus der Gemeinderatspräsentation von Schreiner/Ten Brinke

CDU-Gemeinderat Jürgen Kragler sagte: „Wir brauchen dringend Wohnungen.“ Ihn freue auch, dass große Wohnungen für Familien dabei seien. Alice Engelhardt (Grüne) sah dies ebenso: „Gut, dass der Wohnungsbau in Gang kommt.“ SPD-Rätin Claudia Weber-Bastong schloss sich an, fragte nur nach, warum es mit beiden Grundstücken nach so langer Zeit plötzlich klappe. Alexander Schreiner erklärte den Aufwand der Umplanung und Hinplanung für die Nutzung von Fördermitteln. Mit einer hohen Eigenkapital-Quote könne künftig schnell und effizient gearbeitet werden.

Der Haken: Der Baubeginn dauert

Die Projekte sind nun also einen Schritt weiter. Der Blick auf die Zeitschiene ist allerdings ein Wehrmutstropfen. Auf eine Nachfrage von CDU-Rat Christoph Stetter zählte Schreiner auf, dass erst die notwendigen Fördermittel bei der L-Bank beantragt und gesichert werden müssten, damit der Wohnraum wirklich so günstig werden kann. Alleine das werde mehr als ein Jahr brauchen, da die Bearbeitungszeit bei der Bank so lange dauere, schätze er. Doch dabei geht es immerhin um 40 Prozent unterhalb der Durchschnittsmiete. Nach der Freigabe brauche es drei bis vier Monate bis zum Baustart, gefolgt von 18 bis 20 Monaten Bauzeit.

Die Natur hat sich aktuell viel auf dem Lutz-Areal zurückgeholt. Bild: Ramona Löffler

Und was nicht gesagt wurde: Die Zustimmung zum Konzept ist noch keine Baugenehmigung. Das Genehmigungsverfahren und der Abriss sowie die Vorbereitung der Fläche an der Dillstraße müssen parallel laufen oder nehmen vielleicht zusätzlich Zeit in Anspruch. Wie schnell der Abriss kommen könnte, blieb offen.

Bauturbo zur Verwirklichung

Beim Projekt in der Kurt-Fahr-Straße sind die Dimensionen etwas kleiner: Zwar auch drei Häuser, aber nur drei Stockwerke plus Dachgeschoss. Die Gebäudehöhe liege bei 12 Metern. In jedem Haus sollen 14 Wohnungen entstehen, also 42 insgesamt. Bürgermeisterin Susen Katter bemerkte vor der positiven Entscheidung des Rats noch: „Das ist ein klassischer Fall für den Bauturbo.“ Der Bauturbo ist ein Instrument, um Bauvorhaben durch weniger Bürokratie schneller verwirklichen zu können.

Unten links sieht man ein Stück des Adler-Kreisels und die Tuttlinger Straße. Die Häuser sollen an der Stockacher Aach entstehen. Bild: Grafik aus der Gemeinderatspräsentation von Schreiner/Ten Brinke

Wolf-Dieter Karle, Gemeinderat der Freien Wähler und Ortsvorsteher von Hindelwangen, begrüßte die Pläne für die Kurt-Fahr-Straße sehr. „Hindelwangen hat keinen Wohnraum“, sagte er.

Viele Fragen von den Räten

Die Bauvorhaben klingen traumhaft und lösten genau deshalb bohrende Fragen und den einen oder anderen Wunsch aus. Alexander Schreiner sprach von Wohnungen mit 1 bis 5 Zimmern auf dem Lutz-Areal. Dort will sich die Firma von den Gebäudekörpern her an drei Häusern orientierern wie es auch bei den ehemaligen Pflegeheim-Plänen gewesen war. Die meisten Wohnungen sollen 2-3 Zimmer haben. Vier 4-Zimmer- und nur eine 5-Zimmer-Wohnung fand Jürgen Kragler etwas wenig und regte mehr an. Obwohl bei den Räten die Befürchtung war, dass dies für die Bauherren weniger rentabel sein könnte, war die Antwort überraschend: Alles könne angepasst werden und wenn weniger Bäder und Küchen gebaut werden müssten, wäre es sogar einfacher, schilderte er.

Alexander Schreiner konnte den Räten auch die Befürchtung nehmen, der Wohnraum könnte in die Hände von Spekulanten geraten. Was die Unternehmensgruppe gemeinsam mit der Firma Ten Brinke baue, werde von einer etablierten Gruppe aus Partnern übernommen.

40 Jahre günstige Mieten

Eine Frage, die mehreren Ratsmitgliedern wichtig war: Ist die günstige Miete auch wirklich sicher? Schreiner erklärte, dies werde vertraglich auf 40 Jahre festgehalten. Die Mietpreise würden sich stets an der ortsüblichen Miete orientieren, also zwar steigen, wenn diese steige, aber immer 40 Prozent günstiger bleiben. Zu den Preisen konnte er bisher noch nichts genaues sagen, da diese erst durch ein Gutachten ermittelt werden müssten. Der Grund: Trotz Mietspiegel gibt es keine Zahlen zu Neubauten in Stockach.

Die geplanten Gebäude wären höher als die Stadtmauer. Zwar viele Wohnungen, aber nur noch eingeschränkte Aussicht von der Stadtwallkurve Richtung Osterholz. Bild: Grafik aus der Gemeinderatspräsentation von Schreiner/Ten Brinke

Optisch sollen die drei Häuser an der Dillstraße übrigens von der alten Stadtmauer her wie aufgefächert wirken. Dies sei aus der vorangegangenen Planung und Bauvoranfrage übernommen worden. Allerdings geht es nun um fünf Stockwerke und nicht mehr vier. In einem Schnitt konnte man sehen, dass die Gebäude so mit den 18,6 Metern höher als die Stadtmauer in der Stadtwallkurve wäre. Die Räte schien dies nicht zu stören – nur ein KI-Bild ernete die Kritik, dass man da nicht den versprochenen Blick zwischen den Gebäuden auf die Stadtmauer habe. Das KI-Bild war allerdings in Bezug auf alles außer der Stadtmauer unrealistisch – der Hintergrund entsprach nicht Stockach.

Diskussion um die Stellplätze

Schließlich gab es noch eine kleine Detail-Debatte um die Anzahl der Stellplätze. 63 sind geplant, also dieselbe Anzahl wie die Wohnungen. Sie sollen durch die aufgeständerte Bauweise hauptsächlich ebenerdig unter den Gebäuden entstehen. Dabei kam die Frage auf, ob das reicht, da manche Paare oder Familien mehr als ein Fahrzeug haben, da der Dillplatz nicht zur Ausweich-Fläche für Bewohner und Gäste werden solle.

Der Dillplatz bietet zwar viele Parkplätze, aber in der Diskussion im Rat wurde betont, dass er nicht zur Ausweichfläche für die Bewohner des Lutz-Areals werden soll. Bild: Ramona Löffler

Eine positive Nachricht kam noch zum Schluss: Für die Stadt würden diese Projekte einen sechsstelligen Geldsegen bedeuten, da nach derzeitiger Programmlage des L-Bank Programms Wohnungsbau BW 2022 die Stadt Stockach bei geförderten und bezugsfertigen Sozialmietwohnungen eine Nachfrageprämie von 2000 Euro pro Wohnung beantragen kann. Bei 105 Wohnungen sind dies 210.000 Euro.

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