Großes Staunen, besondere Gäste: So eine Ausstellung wie von Felix Schmitt gabs noch nie

Die Ausstellung des Künstlers und ehemaligen Kunstlehrers Felix Schmitt in der Schlosstorkel in Bodman ist so beeindruckend, dass einem fast die Worte fehlen. Die vielfältigen und großartigen Bilder, Bauten und Skulpturen, die seit der Jugend des 82-Jährigen entstanden sind, kombiniert mit einer Auswahl von Werken seiner Schüler und dem fantastischen historischen Gebäude versetzten die zahlreichen Vernissage-Gäste ins Staunen – und viele Anekdoten ins Lachen.

Geschichte eines Lebens trifft auf die Geschichte eines Gebäudes könnte man auch sagen. Ja, eigentlich sogar: Die Geschichte vieler Leben, denn die Reden von mehreren ehemaligen Schülern sowie Kollegen von Schmitt zeigten, wie viele Menschen er als Lehrer, Künstler, Freund und Vertrauter geprägt hat. Auch dass rund ein Drittel der Anwesenden zu seinen Schülern am Nellenburg-Gymnasium gehörte und wie sich in Anekdoten, Interaktionen und den Werken im Erdgeschoss die starken Verbindungen der Generationen zeigten, trug dazu bei, dies greifbar zu machen.

Lustige Anekdoten und viel Anerkennung

„Ich bin ein richtiger Spätzünder – ich eröffne heute mit 82 Jahren meine erste und einzige große Ausstellung“, sagte Felix Schmitt in seiner Begrüßung und freute sich sehr, dass so viele Gäste da waren.

Überraschend? Ja, denn so eine Ausstellung war längst überfällig, wie man an der Resonanz bei der Vernissage auf das Lebenswerk des Lehrers und Architekten sah. Mehr als 100 Menschen wollten bei dem Ausstellungsauftakt dabei sein und waren direkt begeistert.

Andreas Jung, der neue Kultusminister von Baden-Württemberg, hielt als Schmitts Ehrengast die Laudatio auf seinen ehemaligen Kunstlehrer und plauderte dabei aus dem Nähkästchen. Oder in diesem Fall bessergesagt: Farbkasten. Er fragte per Handheben ab, wie viele ehemalige Schüler von Schmitt anwesend waren und bemerkte zu den vielen Händen in der Luft: „Felix, du kannst stolz sein, dass heute so viele nach so vielen Jahren und Jahrzehnten da sind, um dein Lebenswerk zu würdigen. Das ist etwas sehr Besonderes.“

Jung zeichnete den Weg des Schwabens aus Stuttgart ans Nellenburg-Gymnasium nach, wo Schmitt als Architekt ein Quereinsteiger gewesen war. Doch eine ganze Liste verschiedener Tätigkeiten zeigte, dass Schmitt nicht nur dort gewirkt hat.

Jung wies unter anderem auf 20 Jahre Ehrenamt als Ortschaftsrat in Espasingen hin, der vor kurzen mit der Bürgermedaille von Stockach ausgezeichnet wurde. Der 82-Jährige prägte einiges in Stockach und Espasingen mit – zum Beispiel gestaltete er gemeinsam mit Schülern die markante Hauswand beim Gustav-Hammer-Platz. Von ihm stammte auch eine Tafel, die viele Jahre lang in Espasingen die Umfahrung forderte, auf die die Gemeinde immer noch wartet.

Mit viel Selbstironie erzählte Jung von einem Portrait, das er als Schüler malen sollte und wie es immer lief, wenn Schüler zu spät dran waren: Als zum Ende der Abgabefrist gerade mal der Pulli der ausgewählten Persönlichkeit fertig gewesen sei, habe Schmitt kurzerhand den Kopf selbst gemalt und das Gesamtwerk mit einer 2- benotet.

Wer möchte, kann ein Schmitt-Werk kaufen

Das Lachen der Zuhörer war wissend. Hilfe war im Unterricht nicht unüblich und viele könnten ähnliche Geschichten erzählen. Wie Schmitt aber auch das Talent seiner Schüler nutzen und lenken konnte, sieht man seit vielen Jahren bei den Theater-Aufführungen am Gymnasium. Die Bühnenbilder, die Schmitt mit der Bühnenbild-AG geschaffen hat, suchen Ihresgleichen. Er ging 2011 in den Ruhestand, doch die Bühnenbilder werden immer noch verwendet.

Doch zurück zu Jungs Laudatio und dem Portrait. Er nutzte diese Geschichte, um langsam dazu überzuleiten, dass die Werke der Ausstellung gekauft werden können. Lehrer dürften eigentlich nicht so helfen, schilderte er und berichtete von den Konsequenzen, die sogar noch im Ruhestand kommen könnten.

Aber Entwarnung: Dass Schmitts Ruhegehalt in Gefahr seit, war nur ein Scherz. Die Bilder sind aber käuflich: Wer möchte, kann eines der Großformatigen Werke für 200 Euro oder eine der Skizzen aus den Blöcken für 30 Euro kaufen, was die ersten aus direkt nutzten. Und von diesen Blocken gibt es viele – sie liegen im Obergeschoss auf Tischen und laden zum durchblättern ein.

Zählt man diese Blätter, die 50 Bilder auf Staffeleien und die weiteren Werke zusammen, ist man locker im hohen dreistelligen Bereich, ja vermutlich sogar vierstellig. Unglaublich, was der 82-Jährige in seinem Leben alles geschaffen hat. Und im Fundus am Gymnasium wäre noch viel mehr. Zur Ausstellung gibt es übrigens auch ein sehr hochwertig produziertes Begleitbuch für 30 Euro, das der Künstler auf Wunsch auch signiert.

Besondere Verbindungen, die für immer halten

Andreas Jung danke Felix Schmitt für alles, was er seinen Schülern mit auf den Weg gegeben hat. Er hob seine Lebensleistung heraus und dass er von ehemaligen Mitschülern wisse, dass Schmitt der wichtigste prägende Lehrer für sie gewesen sei. „Es ist dir gelungen, Schüler für Kunst, Malerei und Bühnenbau zu gewinnen, auch weit über die Schule hinaus.“

Zwei ehemalige Kollegen würdigten Schmitt ebenfalls: Hanneli Schott, die Gründerin und Leiterin der Theater-AG, und der frühere Schulleiter Manfred Schnopp. Die Lehrerin hatte sogar extra ein gerahmtes Gedicht für Schmitt dabei, das die gespielten Theaterstücke aufgriff. Passenderweise war ein Stück Bühnenbild aus der Dreigroschenoper direkt neben den beiden an der Wand und als Musiker Uwe Ladwig, der die Vernissage musikalisch untermalte, das Lied von Mackie Messer anstimmte, sangen viele mit.

Bühnenbild und das Theater war auch verbindende Elemente zwischen Felix Schmitt und einigen seiner Gäste: Andreas Jung spielte zum Beispiel 1992 in „Die deutschen Kleinstädter“ den Bürgermeister – auch davon steht ein Stück Bühnenbild in der Torkel. Andere Theater-Mitglieder waren ebenfalls da, zum Beispiel der CDU-Landtagsabgeordnete Christoph Stetter und ich, die Autorin dieses Textes.

Manfred Schnopp, ehemaliger Schulleiter, spricht spontan ein paar Worte. Bild: Ramona Löffler

Wie Schmitt Espasingen mitgeprägt hat

Johannes Baron von Bodman gehörte ebenfalls zu den Rednern – er ist der Hausherr, der die Ausstellung ermöglicht hat, und hatte bei Felix Schmitt Kunstunterricht. So erzählte er von Erlebnissen beim Modellbau in der Schule und hob hervor, wie wertvoll ein Lehrer wie Felix Schmitt gewesen sei und was für ein großes Vertrauensverhältnis es zwischen ihm und den Schülern gegeben habe. Er habe der Klasse damals sogar beim Bau einer besonderen Theke für eine Halloween-Party geholen.

Später habe er mit Schmitt bei der Entwicklung des Brauerei-Areals in Espasingen zusammengearbeitet, als Schmitt Ortschaftsrat gewesen seio und seine Erfahrung als Architekt eingebracht habe. Die Fläche gehörte dem Gräflichen Haus Bodman, lag Jahrzehnte brach, ist heute aber ein Schmuckstück im Ort und erstrahlt in neuem Glanz.

Bürgermeister Christoph Stolz (rechts) gefällt die Ausstellung sehr gut. Er hat sogar schon seit Längerem eine Skizze von Felix Schmitt bei sich zuhause hängen. Bild: Ramona Löffler

Christoph Stolz konnte sich dem Lob nur anschließen – als ehemaliger Schüler und als Bürgermeister von Bodman-Ludwigshafen. Er dankte Schmitt im Namen aller Schüler für das Vertrauensverhältnis und einen sicheren Raum, die es immer gegeben habe. Das sei nicht bei allen Lehrern so gewesen und etwas Besonderes. Mit Blick auf die Ausstellung betonte er als Bürgermeister: „Das ist ein großer Genuss, den du unserer Gemeinde schenkst. Kultur und Kunst kommen in den heutigen Zeiten viel zu kurz und diese Räume sind wie geschaffen dafür.“

Er überreichte Schmitt einen besonderen Stift als Geschenk mit der Bitte, etwas aus der Gemeinde zu zeichnen. Nur kein Portrait von ihm, eine Bemerkung, die nicht nur auf den Kunstunterricht anspielte, sondern auch alle zum Lachen brachte. Und auch er hatte eine Anekdote dabei: Da Schmitt ihn und seinen Zwillingsbruder Philipp nicht auseinander halten konnte, habe er einfach den gemeinsamen Namen Philichrissi geschaffen, mit dem er beide angesprochen habe.

Ausstellung ist ein Aushängeschild für die Torkel

Der Museumsförderverein Bodman-Ludwigshafen hat die Schirmherrschaft der Ausstellung übernommen und der Vorsitzende Tobias Jaklin nutzte die Gelegenheit im Hinblick auf die Pläne für ein Bürgermuseum in der Torkel die besondere Eignung des Gebäudes aufzugreifen.

Und es stimmt: Die Ausstellung veranschaulicht perfekt das Potenzial. Im oberen Stockwerk entsteht mit einer Lichtinstallation sogar eine besondere Atmosphäre zwischen Kunst, Gebäude und de Gebälk des Dachstuhls.

Tobias Jaklin würdigt die besondere Ausstellung in der Torkel. Bild: Ramona Löffler

Jaklin griff weitere Aspekte der Verbindungen und Entwicklungen seiner Vorredner auf. Er würdigte, dass Schmitt mit dieser Ausstellung sein gesamtes künstlerisches Leben ausbreite und sehr viel Mühe in die Vorbereitungen gesteckt habe. Die Ausstellung sei sehr inspirierend und ein wunderbarer Auftakt für das kommende Bürgermuseum.

„Es gibt keinen schöneren Anlass, um zu zeigen, was wir uns künftig an diesem Ort vorstellen können und was wir Erhoffen: Kultur, die aus uns kommt und die für uns da ist“, so Jaklin. Und es stimmt: Sie zeigt, was man in dem Gebäude umsetzen kann und wie unglaublich Kunst dort wirkt – jetzt die von Felix Schmitt und bald sollen es Funde aus der Ortsgeschichte sein.

Da Schmitt auch Schülerarbeiten würdige, zeige er sich nicht als genialer Künstler, sondern als jemand, der eine Entwicklung durchgemacht habe, die mit vielen Begegnungen verbunden sei. „Das finde ich so bemerkenswert. Du zeigst, dass alles zusammenhängt.“

Große Wiedersehensfreude

Während Felix Schmitt nach einer Musikpause noch in die Ausstellung einführte und ein bisschen aus seinem Leben und seiner Sammelleidenschaft für Braun-Geräte und Stühle erzählte, von denen ebenfalls welche zu sehen sind, ließen sich die Gäste schon durch die Ausstellung treiben. Dabei blieben einige schon mal etwas länger an einem der vielen Skizzenblöcke hängen.

Natürlich entwickelten sich auch unzähle Gespräche. Und da einige pensionierte Lehrer und ihre früheren Schüler da waren, war die Wiedersehensfreude groß. In Gesprächen verbanden sich Erinnerungen an die Schulzeit und den Kunstunterricht oder die Theater-AG. Die bekannten Gesichter wiederzusehen und an den Bühnenbildern vorbeizugehen, war eine wunderbare Nostalgiereise.

Die Ausstellung läuft vom 14. Juli bis einschließlich 9. August. Die Öffnungszeiten sind momentan Dienstag bis Sonntag jeweils von 13 bis 19 Uhr, werden laut Felix Schmitt und seinem Sohn Julian aber noch angepasst. Führungen werden noch angekündigt. Die Finissage wird am Sonntag, 9. August, um 11 Uhr sein.

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Christoph Stolz blättert durch eines der Skizzenbücher.

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