Betreutes Wohnen statt Pflegeheim: Sorgen um Sicherung von Wohnen im Alter in Ludwigshafen

Das letzte seiner Art braucht eine Zukunft. Das Pflegeheim in Ludwigshafen an der B34 ist einen Schritt bei seinen An- und Umbauplänen weiter, da die Betriebserlaubnis des alten Gebäudes 2027 erlischt. Dann müsste es von einem Tag auf den anderen zumachen, dabei ist es ein wichtiges Element für die Versorgung der Einwohner im Alter – ein Platz, an dem sie in ihrem Heimatort wohnen bleiben können.

Obwohl die Gemeinderäte von Bodman-Ludwigshafen diesen Aspekt sahen, war die erneute Diskussion von großen Sorgen geprägt: Wären die Wohnungen wirklich für die, die sie brauchen, oder könnten sich damit Reiche einen Altersruhesitz kaufen, wärend es sich andere nicht leisten können? In diese Richtung dachte ÖDP-Rätin Erika Zahn. Sie wollte eine solche Verschiebung auf gar keinen Fall.

Warum der Bauplan wichtig ist

Aber ein Stück zurück: Das Pflegeheim verliert aufgrund der gesetzliche Vorgabe für Einzelzimmer, die ab 2027 gilt, seine Betriebserlaubnis. In einem neuen Gebäude direkt nebendran ist ein Neubau für betreutes Wohnen geplant – dafür hat der Rat im März 2026 einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufgestellt, aber eine Nachbesserung der Baupläne gefordert, da unter anderem Dachaufbauten zu hoch geplant waren.

Links ist das Bestrandgebäude, rechts der Anbau mit Verbindungsgang. BIld: Plan aus der Sitzungsvorlage

Zudem gab es in der Zwischenzeit eine Bürger-Infoveranstaltung, die zwar nicht Teil des Verfahrens für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan waren, die Bürgermeister Christoph Stolz aber als konstruktiven Austausch bezeichnete. Die Größe des Gebäude-Kubus und das städtebauliche Einfügen seien Themen gewesen, berichtete er unter anderem von diesem Termin und den Rückmeldungen aus der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit.

„Wir sind nun einen guten Schritt weiter“, sagte Stolz und betonte im Lauf der Debatte mehrfach, dass diese Baupläne die einzige Chance seien, Wohnen für Ältere in der Seegemeinde zu sichern. „Das ist das letzte Objekt dieser Art in Bodman-Ludwigshafen. Sein Zweck ist im Interesse der Allgemeinheit.“

Anpassungen aufgrund von Wünschen und Sorgen

Stefan Burger, Leiter Stabsstelle Baurecht und Grundstücksverkehr, fasste die Änderungen zusammen und erklärte sie anhand des Übersichtsplans. Die technischen Anlagen kämen von den Dächern weg und dort seien nur noch die Photovoltaik-Anlagen vorgesehen. Die Müllstation solle nun in den Garagen des Alt-Gebäudes untergebracht werden sollen, wo sie bei Anwohnern keine Geruchsbelästung verursachen können und die Müllabfuhr sie zudem besser anfahren könne.

Da Einwohner bei der Infoveranstaltung auch die unterschiedlichen Höhen von Alt-Bau und dem Neubau daneben bemängelt hatten, erklärte Burger, dies liege am Verbindungsgang zwischen beiden Häusern. Dieser müssen komplett waagerecht sein, aber bei neuen Häusern seien die Raumhöhen anders als vor einigen Jahrzehnten.

Parkplätze dürfen nur auf dem Grundstück sein

Er und Stolz wiesen darauf hin, dass sich Bauten mit Sonderfunktion optisch von anderen Gebäuden abheben dürfen – dies wäre auch hier der Fall. Sie griffen auch das Thema Parkplätze auf: 27 Stellplätze sind für Besucher und Personal vorgesehen. „Bewohner im Betreuten Wohnen haben überwiegend keine Fahrzeuge“, so Burger.

Stolz ergänzte, die Gemeinde werde keine öffentlichen Parkflächen zur Verfügung stellen – alles müsse bei der Anlage untergebracht werden. Zudem wies er auf das weitere Verfahren hin: Beim fortgeschriebenen Entwurf hätten Einwohner erneut die Möglichkeit Stellungnahmen abzugeben.

Als Erika Zahn sich nach der Möglichkeit für Tagespflege erkundigte, erklärte Stolz, aktuell gehe es nur um den vorhabenbezogenen Bebauungsplan und noch nicht um das Nutzungskonzept. Stefan Burger fügte hin, dass neben betreutem Wohnen auch Tagespflege vorgesehen sei, aber kein Pflegeheim mehr. „Ein Pflegeheim ist nicht mehr realisierbar“, erklärte er mit Verweis auf die Mindestgrößen für Zimmer.

„Wenn wir nichts tun, ist ab 2027 zu“

Die Rätin sorgte sich direkt um die Zukunft der jetzigen Bewohner, doch Christoph Stolz konnte sie beruhigen. Die Bewohner des alten Gebäudes stünden nicht auf der Straße, sondern würden im Neubau untergebracht, ehe das alte Haus saniert werde.

CDU-Rat Alessandro Ribaudo unterstrich die Erklärungen von Burger und Stolz, um die Dringlichkeit der Situation zu verdeutlichen: „Wenn wir nichts tun, ist ab 2027 zu. Alles, was wir jetzt machen, bringt mehr, als nichts zu tun“, sagte er. „Die Gemeinde könne dabei ihre Einflussmöglichkeiten im Verfahren nutzen. „Wir haben mit dem Löwen ein anderes Heim ganz verloren. Hier bleibt der annähernde Zweck mit dem betreuten Wohnen – das sollten wir möglich machen.“

Wie es nun weitergeht

Der aktuelle Planungsstand sei eine verträgliche Lösung für die Umgebung und die Investoren, fuhr er fort. Zudem erinnerte Ribaudo daran, wie es bei der Schließung des Löwen gewesen sei: Damals habe man den letzten Bewohner notunterbringen müssen, als das Heim geschlossen habe.

Das Gremium schickte den vorhabenbezogenen Bebauungsplan mit seiner Entscheidung schließlich in die nächste Runde des Verfahrens: Der Entwurf des vorhabenbezogenen Bebauungsplans „Radolfzeller Straße 34“ wird nun veröffentlicht, so dass es möglich ist, ihn anzuschauen und weitere Stellungnahmen abzugeben. Alle stimmten mit Ja, nur Erika Zahn (ÖDP) und Christoph Leiz (Grüne) enthielten sich.

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