Ein Tuner-Treffen im Uferpark beim Seeum in Bodman ist vielen übel aufgestoßen. Der NFC Club Konstanz hatte dort am ersten Mai-Wochenende ein angemeldete und engmaschig von der Gemeinde begleitetes Treffen, sein Saison Opening. Zwar hielten die Veranstalter die Auflagen ein, doch das Ganze kochte ungeplant im Gemeinderat am 5. Mai hoch, als mehrere Räte die Veranstaltung kritisierten, von negativen Rückmeldungen der Einwohner berichteten und deutlich machten, dass soetwas nicht zu Bodman passe und nicht mehr am Ufer stattfinden solle.

Eigentlich sollte es zu diesem Thema nur eine kurze Bekanntgabe von Bürgermeister Christoph Stolz geben. Er teilte mit, dass er ein Beschwerde-Schreiben eines Einwohners erhalten habe. „Wir wollten mal etwas anderes, aber es gab keine Sonderregelung. Es galt dasselbe wie immer“, erklärte er. Er und Bianca Mack, Leiterin der Hauptverwaltung, seien wiederholt und längere Zeit vor Ort gewesen. Der Veranstalter habe sogar einen Teilnehmer verwiesen, der sich nicht an die vertraglich festgehaltenen Auflagen gehalten habe.
Warum die Gemeinde die Veranstaltung erlaubt hat
„Wir wollen allem positiv gegenüber stehen, den Ort beleben und die lokale Gastronomie stärken.“ Zudem machte er klar, die Gemeinde könne für Wachstum sorgen oder aufgrund der Haushaltslage Steuern erhöhen – er sei für Ersteres. Manche würden sich auch andere Veranstaltungen als mit Fassbier und Blasmusik wünschen. „Es soll diverse Angebote für alle geben“, sagte er und erwähnte, von Seiten der Polizei habe es keine negativen Hinweise zum Ablauf des Wochenende gegeben.

Bianca Mack ergänzte, der Verein wolle sich von der negativ behafteten Tuning-Szene absetzen. Vertraglich sei festgelegt gewesen, dass die Autos nicht den Motor aufheulen lassen dürfen und laute Musik untersagt war. Der Veranstalter habe dies auch durchgesetzt.
Widerspruch zur politischen Linie bei Verkehr und Uferpark?
Erika Zahn (ÖDP), die am Uferpark wohnt, hatte jedoch keinerlei Verständnis und war damit nicht allein. „Die Art und Weise der Veranstaltung hat die Bürger aufgebracht“, sagte sie und verwies auf den Parkplatz Kapelle, der gebaut worden war, um Verkehr und Autos aus Bodman zu halten – doch plötzlich seien der ganze Uferpark voller Autos gewesen. „Die Uferanlagen sind nicht der richtige Platz für so eine Veranstaltung.“
Weiter kritisierte sie, auch im Namen der Einwohner, dass die Teilnehmer dort nicht nur mit zahlreichen Autos auf den Wiesen gewesen seien, sondern auch mit Tischen, Stühlen und Schishas gesessen hätten, während Lagern ansonsten nicht erlaubt sei. Zudem seien auch Besucher mit Autos dagewesen, die sicherlich keine Verträge für leises und verträgliches Verhalten unterschrieben hätten.

Und da im Rasen des Uferparks eine Sprenkleranlage zur Bewässerung eingebaut ist, bat sie um eine Prüfung, ob diese durch die Fahrzeuge beschädigt worden ist. Der Bürgermeister sagte einen Check zu.
Grünen-Rat Christoph Leiz, der ebenfalls in Bodman wohnt, pflichtete ihr bei. „Wir haben einen Auffangparkplatz für 1,6 Millionen Euro gebaut. Autos in den Parkanlagen geht wirklich nicht.“ Er habe am Wochenende sogar viele Anrufe erhalten – Leute, die gefragt hätten, was die Grünen zu dem Event sagen. Anwohner würden ebenfalls nicht verstehen, warum die Verwaltung soetwas zulasse. „Man muss gut überlegen, wo man solche Veranstaltungen machen kann“, sagte Leiz.
Gefährliche Situationen in der Seestraße
Als dritter Bodmaner Rat schloss sich Michael Koch (CDU) an: „So eine Veranstaltung passt nicht nach Bodman-Ludwigshafen. Andere verbieten soetwas und wir holen es in die erste Reihe.“ Zudem wies er darauf hin, dass dies keine öffentliche Veranstaltung gewesen sei, sondern nur für Vereinsmitglieder selbst. Und er hatte noch mehr Argumente: „Mich stört der Verkehr, den es gab. In der Seestraße gab es einige gefährliche Situationen.“
Er schilderte, wie ein Fahrzeug mit einem Container eine Viertelstunde die Fahrbahn blockiert habe. Spaziergänger hätten es am Ufer wegen den Fahrzeugen auch schwer gehabt. Er formulierte es ähnlich wie sein Vorredner: „Wegen dem Verkehrsproblem passt so eine Veranstaltung nicht nach Bodman.“

Esther Moll (Freie Wähler) aus Ludwigshafen wog das Ganze ab – es gebe immer zwei Seiten und im Schlösslepark in Ludwigshafen könnte man theoretisch auch etwas wegen den Oldtimern beim Seefest sagen. „Wir sind kein Kurort und es gibt auch junge Menschen.“ Sie habe gehört, dass viele die Veranstaltung begrüßt hätten.
Verwaltung möchte vielfältige Veranstaltungen
Auf die klaren Meinungen folgte eine weitere Einordnung von Christoph Stolz, auch als Antwort auf die Anmerkungen. Er wies auf die Unterschiede zum traditionellen Seefest mit den Oldtimern hin – eine öffentliche Veranstaltung mit dem einheimischen MSC-Sernatingen. Die Gemeinde hole niemanden, sondern erhalte Anfragen und prüfe dann, ob eine entsprechende Veranstaltung stattfinden könne und welche Auflagen notwendig seien.
Er wolle erklären und nichts rechtfertigen, betonte Stolz zum gesamten Thema. „Ich glaube, wir brauchen vielfältige Veranstaltungen.“
Die Ansichten und Wünsche waren in der Diskussion deutlich – was wird, wenn wieder eine Anfrage zu so einem Event kommt, blieb offen.

Kritik vs Verständnis im Internet
Im Sozialen Netzwerk Facebook hagelt es ebenfalls Kritik zu der Veranstaltung, auch wenn unter Kommentaren zu Postings hier und da Stimmen für die Tuner auftauchen, da sie niemandem etwas Böses getan hätten. Eine Userin in der Gruppe „Unser Bodman“ schreibt: „Ich finde das auch völlig daneben. Musste das sein? Man sieht jetzt ja schon, wie das Gras darunter gelitten hat. Man macht sich solche Mühe, um die Promenade zu bepflanzen und hübsch zu machen und dann sowas.“ Und der frühere Michael Niehl, der Fotos gepostet hat, bemerkt im Hinblick auf die Regeln im Uferpark: „Aber wehe es kommt eine Familie mit Liegestuhl und Sonnenschirm und macht es sich auf dem heiligen Rasen bequem!“
Ein positiv gestimmter Besucher kommentiert: „Wir waren selber vor Ort und es war traumhaft sowas am See zu sehen , alles super organisiert inklusive Umweltschutz da die Autos Matten bekommen haben gegen Flüssigkeitsverlust. Hoffe das dies die nächsten Jahre wieder stattfinden wird.“ Ein anderer meint: „Die Natur erholt sich von den Autos, die dort standen. Es ist um eigenes schlimmer, wenn Leute da mit Grillschalen sitzen oder ihren Müll dort liegen lassen.“
In der Gruppe „Du bist aus Bodman-Ludwigshafen, wenn…“ wird ebenfalls diskutiert. Ein Befürworter schreibt unter anderem: „Ich denke, es ist für alle vertretbar dass 1 mal im Jahr die Wiese wie beim Streetfood Festival mal genutzt wird, um Abwechslung rein zu bringen.“

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