Mitten im Saal, um den es geht, sprachen zwei Einwohnerinnen von Bodman in der Bürgerversammlung von Bodman-Ludwigshafen die Situation an, die viele ärgert: Bürger können den Veranstaltungssaal im Seeum im Sommer nur sehr eingeschränkt nutzen. Dabei sei damals vor dessen Bau etwas ganz anderes versprochen worden.
Nachdem Karin Weber dies schon einmal in der Bürgerfrageviertelstunde im Gemeinderat aufgebracht hatte, griff nun eine andere Einwohnerin ebenfalls dieses Thema auf. Im Sommer sei es unmöglich, als Einwohner das Seeum privat zu buchen, um einen runden Geburtstag oder eine Hochzeit zu feiern. Sie verwies auf die Zusage von Alt-Bürgermeister Matthias Weckbach, als die alte Obsthalle noch gestanden hatte. Er habe damals gesagt, im Neubau solle sich für die Einwohner und Vereine an den Nutzungsmöglichkeiten nichts ändern. Das Seeum steht inzwischen seit rund 13 Jahren, doch dieses Jahr kocht der Unmut hoch.
Spannungsfeld bei der Nutzung des Seeums
Bürgermeister Christoph Stolz, erklärte, der Pächter habe im Sommer Vorfahrt, doch auch in den warmen Monaten könnten Einwohner das Seeum unter der Woche für Feiern buchen. „Ich kann das Bedürftnis verstehen. Wir haben da ein Spannungsfeld und einen wirtschaftlichen Spagat“, sagte er zu der Situation. Der Pächter müsse wirtschaftlich planen können. Im Hinblick auf die aktuelle Interimsverpachtung des Seeums bis Anfang 2028 nach der Insolvenz des früheren Pächters und die ab 2028 folgende längerfristige Neuverpachtung kündigte er an: „Der Gemeinderat wird entscheiden, wie das Spannungsfeld austariert werden kann.“

Karin Weber griff zum Mikrofon, um ebenfalls nochmals ihre Argumente einzubringen. Sie sagte, das Seeum müsse als Veranstaltungshalle auch für die Einwohner da sein und nicht nur für Feste von Menschen mit großem Geldbeutel. „Wir einheimische können sonst keine bezahlbaren Feste feiern“, stellte sie fest und warf zudem ein, dass auch Vereinsarbeit und Ehrenamt gefördert werden müssten. Sie bat darum, diese Aspekte beim Pachtvertrag ab 2028 zu bedenken, woraufhin Stolz erwiderte, dass bereits geplant sei, darüber zu sprechen.
Die Obsthalle und das Seeum
Zum Hintergrund: Die alte zum Veranstaltungssaal hergerichtete Obsthalle und das frühere Rathaus wurden abgerissen, um Platz für das Seeum zu machen, das von 2011 bis 2013 gebaut wurde. Das Gebäude gehört der Gemeinde und sie verpachtet es. Zu Saisonbeginn ging der Pächter, der das Restaurant betrieben und Veranstaltungen organisiert hat, in Insolvenz.
Interimsweise konnte die Gemeinde die Firma Kountz als bekannten Partner als Pächter finden und Winfried Kountz verpachtete den Veranstaltungsbereich an Jonathan Noll und sein Team sowie das Restaurant an Momo Abdelatti. Die Bereiche haben nun also im Vergleich zu früher zwei Betreiber. Ab 2028 soll dann die langfristige Neuverpachtung erfolgen. Dafür wurde bereits die Prämisse festgelegt, alle Aspekte des Pachtvertrags auf den Prüfstand zu stellen.

Die Einwohner von Bodman konnten früher die Obsthalle für eigene Feste mieten. Das Seeum steht ihnen zwar auch zur Verfügung und ihnen wurde versprochen, dass sich nichts ändert, doch zumindest in der Sommersaison geht es an Wochenenden zeitlich oder finanziell nicht, denn die günstigen Einwohnertarife für die Miete gelten da nur unter der Woche. Genau das bemängeln die Bodmaner nun und wollen eine Verbesserung.

Schreibe einen Kommentar