Wenn Ludwigshafen nach einem Großherzog benannt ist, kann der Ort zu seinem 200. Namenstag auch einen Oberbürgermeister Stolz haben, oder nicht? Das dachte sich Björn Graf Bernadotte, Geschäftsführer der Insel Mainau GmbH, der als Taufpate der speziell für Bodman-Ludwigshafen gezüchteten Lilie eine Festrede hielt. Applaus und Lachen von rund 200 Besuchern stimmte der spontanen Beförderung zu, während der frisch ernannte OB von Bodman-Ludwigshafen eher verlegen war.
Der Festakt auf der Wiese beim Zollhaus war auf jeden Fall ein Abend der großen Dinge: Viele Menschen waren anwesend, um die Umbenennung von Sernatingen in Ludwigshafen zu feiern – und die Lilie Hemerocallis Bodanum Sernaticum zu sehen und mitzunehmen. Hemerocallis ist das griechische Wort für Taglilie.

Initiator Daniel Trisner fasste zusammen, was auch auf dem Zertifikat zu jeder Lilie steht: „“Sie vereint im Namen die Wirzeln der Doppelgemeinde Bodman-Ludwisghafen (Bodanum) und die historische Herkunft (Sernaticum). Als lebendiges Denkmal steht diese Pflanze für 200 Jahre Geschichte, tiefe regionale Verwurzelung und den gemeinsamen Anspruch, die Artenvielfalt an unserem SeeEnde für kommende Generationen zu bewahren.“
Überall die Zahl 200
Die spezielle Züchtung wurde erstmals live vorgestellt. Ihre Blütezeit ist im August zwar schon vorbei, doch Züchter Stefan Strasser von der Lilienarche in Erlangen hatte ein vergrößertes Foto dabei, das sie in voller Pracht zeigte – ein leuchtendes Gelb, das perfekt zu „Sernatura – BeeDabei“ und den rund 200 gelben Blumenkästen in der Seegemeinde passt. Mit dieser Aktion im Mai begann der 200 Tage dauernde Countdown bis zum 25. August.

Bürgermeister Christoph Stolz nutzte seine Eröffnungsrede, um hervorzuheben, wie sich Verwaltung und Bürger beim Leitbild-Prozess mit den Fragen beschäftigt hätten, was Bodman-Ludwigshafen ausmache und wie sich der Ort entwickeln soll – in einer Welt, die immer unsicherer werde. Es sei wichtig, sich an die Dinge zu erinnern, die den Charakter des Orts und die Identität prägen.
Wie Ludwigshafen seinen Namen bekam
Historiker Dr. Franz Hofmann zeichnete in einem Vortrag die Geschichte des Hafens von Sernatingen und die Namensänderung von Hafen und Ort in Ludwigshafen nach. Dabei erläuterte er auch, was es mit dem 25. August auf sich hat, obwohl der Hafen eigentlich schon vor dem Datum und sogar vor 202 Jahren fertig gewesen war: Der am Ufer verlegte und neu gebaute Hafen habe noch tiefer gebaggert werden müssen, das Lagerhaus sei noch nicht fertiggewesen und nachdem anfangs nur der Hafen selbst Ludwigshafen zu Ehren von Großherzog Ludwig geheißen habe, habe man den hohen Herrn um Erlabnis gebeten, den Namen auf ganz Sernatingen auszuweiten.



Der 25. August sei als Festtag für die Hafen-Einweihung gewählt worden, da dies der Namenstag des Herrschers gewesen sei, der ganze Ort habe dann ab 7. November Ludwigshafen geheißen. Hoffmann scherzte, die Gemeinde könnte im November daher nochmal feiern.
Die Besucher erfuhren viel Interessantes über die Geschichte des Orts und nahmen auch neues botanisches Wissen mit heim. Während Daniel Trisner nachzeichnete, wie überhaupt die Idee zur Lilie aus einem Theaterstück der Dorffreundschaft Maygas entstanden war, stellte Stefan Strasser die Pflanze selbst vor. Die Überraschung dabei: Die Blüten sind essbar. Auch aus der gesamten Lilie könnte man im Frühling Gerichte zaubern, ähnlich wie bei Lauch.
Lilien sollen überall wachsen
Annährend 200 der ersten Lilien haben inzwischen ein neues Zuhause – wer bei der seit Mai laufenden Verlosung eine der 200 Nummern gezogen hatte, durfte eine mitnehmen. Samt Zertifikat, das die Pflanze und ihre Jubiläumsgeschichte erklärt. Bestellungen waren möglich, aber aktuell gibt es noch nicht so viele Lilien. Man kann sie durch Vermehrung der Wurzelballen teilen, aber dazu muss sie wachsen und das braucht Zeit.

Initiator Daniel Trisner und Züchter Stefan Strasser erklärten, die Lilie gehöre nun mit all ihren Namens-, Vermarktungs- und Vermehrungsrechten der Gemeinde Bodman-Ludwigshafen. „Wir hoffen auf eine dynamische Vervielfältigung der Lilie in unserer Doppelgemeinde“, sagte Trisner.
Die Pflanzen beim Festakt waren alle klein und kompakt, manche hatten auch bereits Kindeln, die man entfernen und neu einpflanzen könnte. Die Lilien seien schon so zurückgeschnitten und gerichtet, dass sie im nächsten Jahr schön blühen, erklärte Strasser.
Drei Lilien wurden beim Brunnen gepflanzt
Er, Trisner und Stolz sprachen darüber, wie die Lilie im Lauf der Zeit an immer mehr Orten in Bodman-Ludwigshafen zu sehen sein werden. Drei Exemplare fangen auch direkt in einem neuen, kleinen Beet beim Springbrunnen ein Zuhause – samt Erklärschild. Die Lilien können dort ganzjährig bleiben – sie brauchen sogar den Frost, so Strasser auf Nachfrage von Tiefgang, ob sie winterfest sind.

Bernadotte, dessen Familie mit dem Gräflichen Haus Bodman verbunden ist, sagte, für ihn sei es eine Ehre, Taufpate der Lilie zu sein. Bei den Bernadottes seien Blumentaufen sogar schon Tradition und nach ihm sowie den Frauen der Familie seien verschiedene Pflanzen benannt worden. Er würdigte die Aktion BeeDabei mit den gelben Blumenkästen für Biodiversität, die Lilie mit ihrer Symbolik und zog Paralleln zur Insel Mainau. Auch dort spiele die Zahl 200 in diesem Jahr eine große Rolle und man habe dort 200 neue Bäume gepflanzt.
Verbindung zwischen Seegemeinde und Insel Mainau
„Die Lilie ist eine der ältesten Kulturpflanzen. Sie steht für Schönheit, Zuversicht und Erneuerung“, erklärte Bernadotte. Im Hinblick auf alles, was mit Biodiversität und der Zukunft zu tun hat, hob er hervor, wie sich die Einwohner von Bodman-Ludwigshafen einsetzen, Verantwortung übernehmen und dies in beeindruckendem Maße zeigen würden. Er nannte die Lilie zudem ein sichtbares Zeichen der Verbindung von Bodman-Ludwigshafen und der Insel Mainau. Die Lilie sei ein Symbol der gemeinsamen Verantwortung.



Und er überlegte laut, ob Bodman-Ludwigshafen vielleicht in Konkurrenz zur Insel Reichenau treten könnte – essbare Lilien versus Gemüse. Wenn man diesen Gedanken weiterdreht, könnte man statt Konkurrenz aber vielleicht eher in Richtung Parallele und Gemeinsamkeit gehen, da die Gemüseinsel und Bodman-Ludwigshafen mit den Zwillingsbürgermeistern Christoph und Philipp Stolz eine Verbindung haben.
Nach dem Festakt blieben noch viele Gäste an den Tischen und genossen die Bewirtung. Die Brassband sorgte für die musikalische Unterhaltung.


















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