Teure Kröte mit Krönchen: Honold-Haus erhitzt die Gemüter, aber erhält einen Preis

Eigentlich ist die Bürgerbeteiligung im Honold-Haus ein Grund zum Feiern, da die Stadt einen Preis dafür erhalten hat – doch diese gute Nachricht ging im Gemeinderat unter, da stattdessen die Emotionen um die Kosten für das Projekt hochkochten. Eine so hitzige Debatte mit viel Kritik sieht man im Stockacher Rat eher selten, in der jüngsten Sitzung aber sogar gleich mehrfach.

Ja, die Auszeichnung: Unter 54 Projekten belegt Stockach den dritten Platz in der Kategorie Bürgerbeteiligung beim Staatsanzeiger-Award. Das zeigt, wie innovativ das Projekt „Zukunft Innenstadt“ im Honold-Haus ist, da sie es unter so vielen anderen aufs Treppchen geschafft und Bronze erreicht hat. „Der Wettbewerb ist bundesweit ausgeschrieben und erfreut sich großer Resonanz: Insgesamt wurden über 200 Projekte aus ganz Deutschland eingereicht, davon 54 allein in der Kategorie Bürgerbeteiligung“, so die Stadt in einer Pressemitteilung. Das Projekt endete am Sonntag nach sechs Monaten – nun kommt die Auswertung.

„Schöne Bestätigung für das große Engagement“

Bürgermeisterin Susen Katter betont: „Mir war es wichtig, möglichst viele Stockacherinnen und Stockacher an der Entwicklung unserer Innenstadt zu beteiligen. Dass daraus gemeinsam mit unserem Stadtbauamt, dem Sanierungsträger STEG und vielen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung eine so kreative Form der Bürgerbeteiligung entstanden ist, freut mich sehr.“

Weiter sagt sie: „Der dritte Platz beim Wettbewerb des Staatsanzeigers ist eine schöne Bestätigung für das große Engagement, mit dem hier viele Beteiligte zusammengearbeitet haben.“

Scharf Kritik an den Kosten

Die Kosten waren allerdings höher als Stadtverwaltung und Räte gedacht hätten. Susen Katter räumte auch direkt ein, dass dies nicht hätte passieren sollen, dass sie die Verantwortung dafür übernehme und soetwas nicht wieder vorkommen werde. Die Beiträge der Einwohner sollen nun von STEG Stadtentwicklung ausgewertet und am 20. Mai im Gemeinderat vorgestellt werden. „Dann entscheiden wir, wie wir weitermachen“, so die Bürgermeisterin. Diese Auswertung koste nochmal rund 6000 Euro, die Vorstellung im Rat ebenfalls eine vierstellige Summe, erklärte sie weiter.

Insgesamt bezifferte die Sitzungsvorlage den Gesamtaufwand der Bürgerbeteiligung samt Herrichten des Hauses, fachlicher Begleitung, Veranstaltungen und laufenden Kosten im Honold-Haus mit 145.000 Euro, von denen voraussichtlich 49.500 Euro (60 Prozent) Fördermittel ein werden. So bleiben knapp 95.000 Euro bei der Stadt. „Rückwirkend hat sich gezeigt, dass man einen Kostenrahmen setzen muss“, räumte Susen Katter ein. Die Kosten seien nicht richtig gesteuert worden.

Forderungen und Fragen der Räte

CDU-Rat Martin Bosch erwiderte, er habe diese Situation kommen sehen und hatte direkt Rückfragen zur Kostenauflistung. Zudem forderte er keine Hektik in der Sitzung am 20. Mai. Er wolle die Vorstellung der Ergebnisse in einer Sitzung und die Entscheidung dann in einer anderen, da bereits zwei Mal der Fehler gemacht worden sei, innerhalb einer Sitzung etwas zu schnell durchzupeitschen. So sei es beim Stadtlogo gewesen und dem Honold-Haus. Die Räte bräuchten Zeit, um sich alles durch den Kopf gehen lassen zu können.

Interessierte betraten im Oktober beim Autakt zum ersten Mal das Honold-Haus. Archivbild: Ramona Löffler

Wolf-Dieter Karle (Freie Wähler) stimmte Boschs Worten zu und ergänzte zu den Kosten: „Wir müssen diese Kröte schlucken.“ Ihn interessierte, ob es inzwischen schon einen festen Investor gibt. Laut Bürgermeisterin läuft die Suche, aber es gebe Interessenten. Sie stellte nochmal klar, dass das Erdgeschoss im Eigentum der Stadt bleiben solle und ein Investor den Wohnbereich sanieren solle. Sie stellte in den Raum, den Suche zwei bis drei Jahre zu geben.

Dazu kam direkt die Forderung nach einem definierten Zeitfenster auf: Christoph Stetter (CDU) plädierte für eine Deadline, um das Haus „nicht ewig im Bestand“ zu haben. So wurde eine Dauer von zwei Jahren festgelegt.

Kompliziertes und doch noch Lob

Jürgen Kragler (CDU) warf zu den Kosten im Honold-Haus noch die Frage der Rechtsgrundlage für Auftragserteilungen auf, woraufhin ihm Kämmerer Sebastian Scholze erläuterte, inwiefern Haushaltsmittel eingestellt waren und rechtlich alles stimme. In der Diskussion zeigte sich zudem an Wortmeldungen, wie viel Unklarheit bei einigen über die Zusammensetzung von Kosten für die Bürgerbeteiligung, Oberstadtsanierung und Fördermittel herrschte. So nahmen manche höhere Beträge beim Haus an, als es eigentlich waren. Die Verwaltung dröselte daher nochmal auf, dass die Oberstadtsanierung nicht mit dem Honold-Haus gleichzusetzen ist.

Rainer Vollmer zeigte beim Auftakt das Modell der Oberstadt, mit dem die Bürger arbeiten konnten und dann mit einer fest installierten Kamera an der Decke das Ergebnis festhalten konnten. Archivbild: Ramona Löffler

Auch Alice Engelhardt (Grüne) kritisierte, wie alles gelaufen ist, verbunden mit einem Lob: „Ich finde das Projekt sehr schön, wenn auch zu teuer.“ Sie war auch die Erste, die auf den Preis hinwies, der zeige, wie Besonders die Bürgerbeteiligung im Honold-Haus gewesen sei.

SPD-Rätin Claudia-Weber Bastong brachte ebenfalls eine positive Note in die emotionale Atmosphäre: „Die große Mehrheit war für den Hauskauf. Ich bin froh, dass wir das gemacht haben. Ich war mit Schülern bei der Bürgerbeteiligung und alle waren begeistert, Gehör zu bekommen.“

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