Wie Bodman-Ludwigshafen mehr Wohnraum erhalten könnte

Ist ein Wohnprojekt aus Frickingen eine Lösung, um den Wohnungsmangel in Bodman-Ludwigshafen zu bekämpfen? Daniel Schreiber von der Zukunftsinitiative (Zuki) Bodman-Ludwigshafen und die Pflegesachverständige Gabriele Lenz, die in Frickingen in einem genossenschaftlichen Wohnprojekt für Senioren lebt, stellten im Gemeinderat vor, was dort seit ein paar Jahren erfolgreich läuft und erweitert wird.

Gabriele Lenz konnte auch aus persönlichen Erfahrungen sprechen, da sie selbst in einem Gebäude wohnt, das speziell für das Zusammenwohnen und die gegenseitige Hilfe unter den Bewohnern konzipiert wurde. Die Wohnform, in der jeder eine kleine barrierefreie Wohnung für sich hat und es dazu Gemeinschaftsflächen gibt, für die alle zuständig sind, fungiert eigentlich sogar als Lösung von zwei Problemen: Wohnraummangel und die Versorgung im Alter.

Wie das Projekt in Frickingen funktionert

In dem Gebäude leben nur Menschen zwischen 63 und 91 Jahren. Sie haben ihre großen Wohnungen und Häuser für junge Familien frei gemacht und sind in das Gemeinschaftswohnen gezogen. Dort unterstützen sie sich gegenseitig im Alltag und leben dennoch selbstbestimmt. Gabriele Lenz ist die jüngste Bewohnerin. Mit einem Investor soll in Frickingen nun sogar ein weiteres Projekt dieser Art geschaffen werden.

Der Blick auf Bodman, die Ruine und den Frauenberg vom Schiff aus. Bild: Ramona Löffler

„Wir haben in Deutschland zu wenig barrierefreien Wohnraum, da bald viele Menschen in Rente gehen“, sagt Gabriele Lenz angesichts der Altersstruktur in der Bevölkerung. Gleichzeitig hätten junge Menschen das Problem, bezahlbaren Wohnungen zu finden. Da seien beides „krasse Themen“.

Viel Wohnraum wird für Familien frei

Das Genossenschaftsprojekt, das 2014 an den Start gegangen ist, habe 7800 Quadratmeter Wohnraum frei gemacht, in dem jetzt Familien wohnen würden. Gleichzeitig seien die 21 ehemaligen Bewohner jetzt im genossenschaftlichen Wohnen in 17 Wohnungen auf 1200 Quadratmeter. Das Gebäude bestehe aus Holz und Beton und sei auf einem Grundstück in Erbbaupacht gebaut worden. Es gebe keine kaufbaren Stellplätze, sondern auch Autos würden geteilt – Stichwort Carsharing. Das Besondere am bestehenden Haus sei das Haus der Pflege nebenan für Personen mit hohem Pflegebedarf.

Und das Interesse ist da. „Wir haben eine Warteliste mit 65 Personen und Unterstützung durch Bürgermeister Jürgen Stukle“, erklärte die 63-Jährige. Für das neue Gebäude sei inzwischen ein Grundstück gekauft worden, das mit einem Investor umgesetzt werde. Allerdings würden nur Menschen berücksichtigt, die bereits in Frickingen wohnen und dort durch einen Umzug Wohnraum frei machen. Falls jemand eine Wohnung kaufe und vermiete, müsse er sich an den Mietspiegel halten und Mieter müssten mindestens 55 Jahre alt sein.

Wäre das was für die Seegemeinde?

Ob soetwas in Bodman-Ludwigshafen verwirklicht werden könnte, bräuchte zunächst eine Bedarfsermittlung. Das solle in Form einer Online-Umfrage stattfinden. Gabriele Lenz und Daniel Schreiber schilderten mögliche Abläufe und Voraussetzungen wie einen Förderverein und die Nutzung von Fördermöglichkeiten, auch durch Beratungen. Eine Umsetzung sei in verschiedenen Varianten möglich: Nachverdichtung oder die Umnutzung von Bestandsgebäuden.

Bürgermeister Christoph Stolz zeigte sich interessiert und offen. Er nannte es „unglaublich wertvoll“, sich mit solchen Ideen zu beschäftigten. Daniel Schreiber, der beruflich mit vielen Bauvorhaben zu tun hat, kenne als Einwohner auch Bodman-Ludwigshafen sehr gut.

Der Blick auf Ludwigshafen vom Schiff aus. Bild: Ramona Löffler

Die Gemeinderäte hatten natürlich viele Fragen zu den Hintergründen, Voraussetzungen und dem Alltag im Genossenschaftshaus. Gabriele Lenz erläuterte unter anderem, wie die Bewohner zusammenarbeiten, um zum Beispiel den Garten schön zu machen oder dass es auch gemeinsame Aktivitäten wie zusammen kochen oder singen gibt. Man werde in die Gemeinschaft eingebunden, wenn man das wolle, erklärte sie und betonte, es handle sich nicht nur um genossenschaftliches, sondern auch gemeinschaftliches Wohnen. In Gesprächen werde auch sichergestellt, dass neue Mieter in die Hausgemeinschaft passen. Das Frickinger Gebäude sei mitten in Ort, also ganz zentral für die Senioren.

„Wir müssen uns dem Thema stellen“

CDU-Rat Alessandro Ribaudo warf den Aspekt der Grundstückspreise auf und erkundigte sich, wie das bei höheren Preisen am See klappen könnte. Daniel Schreiber erläuterte: „Im besten Fall geht es genossenschaftlich ohne Bauträger.“ In Frickingen sei allerdings ein Bauträger nötig.

Christoph Stolz ergänzte, die Vorstellung des Modells aus Frickingen solle dazu dienen, um ein Gefühl dafür zu kriegen, was möglich sei. Mit Blick auf den demografischen Wandel und steigende Mieten sei die Frage, ob ein breiterer Mix an Wohnformen in der Seegemeinde möglich wäre. Daniel Trisner (CDU) schloss sich an. „Wir müssen uns dem Thema stellen“, sagte er.

Finanzieller Anreiz durch Wohnraumoffensive

Zu dieser Präsentation gab es für den Rat nichts zu beschließen, aber er schuf eine sehr positive und konstruktive Stimmung, als sich der Rat im Anschluss mit der Wohnraumoffensive beschäftigte. Dabei geht es um ein Programm, in dem es einen finanziellen Bonus gibt, wenn jemand Wohnraum frei macht, also von einem Haus oder einen großen Wohnung in etwas Kleineres zieht.

Die Gemeinde könne dabei selbst festlegen, wie viel von dem Bonus bei ihr bleibt und wie viel an den Einwohner geht, so Stolz. Der Vorschlag war halb-halb zu machen, da die Kampagne finanziert werden müsse. Die Räte stimmten geschlossen zu. Zwar ist noch offen, wann es damit los geht, aber ein Anreiz zum Freimachen großer Wohnflächen geht damit zeitnah an den Start.

In eigener Sache: „Tiefgang“ ist ein ehrenamtliches Herzensprojekt. Eine Unterstützung ist auf GoFundMe möglich.

Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert