Tausendfüßler-Strategie und Tradition: Das Erfolgsrezept von Gut Bodman

Gut Bodman hat mit seinem verschiedenen Bereichen Obst, Forst, Häuser und Boote „eine Tausendfüßler-Strategie“. Diesen Begriff prägte Johannes Freiherr von und zu Bodman beim Neujahrsempfang, in dessen Rahmen er traditionell erzählt, was sich das Jahr über Wichtiges getan hat und was im neuen Jahr geplant ist. Und das ist richtig viel.

Aber warum Tausendfüßler? Weil die Standbeine des Gräflichen Hauses so vielfältig sind. Das mache es anstrengend, aber in Summe stabiler und langfristig sicherer, sagte Johannes von Bodman, der gemeinsam mit Christoph Schmal die Geschäfte führt. Er wünsche sich, dass es möglich wäre, nicht nur hier so langfristig und generationenübergreifend zu denken, sondern auch in der Gesamtgesellschaft. Anhand von politischen Entwicklungen in der Welt und der Notwendigkeit von vorausschauenden Planungen für die Zukunft sowie der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit im internationalen Wettbewerb leitete er in seiner Rede auf das Familienunternehmen Gut Bodman hin.

Gute Ernte mit 3700 Tonnen Obst

„Im Obstbau können wir auf ein sehr gutes Jahr zurückblicken“, erklärte er. Die Rekordernte aus dem Vorjahr sei zu größtenteils guten Preisen am Markt platziert worden. „Das war vor allem durch die sonst in Europa aufgrund von Frostereignissen geringe Menge möglich. Eine Ausnahmesituation: große Menge und guter Preis.“

Johannes von Bodman, seine Frau Carolina, seine Mutter Maria-Claudia und sein Vater Wilderich. Bild: Ramona Löffler

Die Ernte 2025 sei mit 1300 Tonnen Saftware und 2400 Tonnen Tafelwaren, also 3700 Tonnen insgesamt, gut ausgefallen. Gut Bodman erwarte allerdings schlechtere Preise, die bei steigenden Kosten durch den Mindestlohn und allgemeinen Teuerungen schwierig zu kompensieren sei. Nur bei den Bioäpfeln sei der Preisunterschied nicht so groß.

Neue Schmuckstücke und spannende Perspektiven

Im Bereich „Häuser“ hob der Freiherr die Renovierung des Forsthauses auf dem Spittelsberg über Ludwigshafen hervor. Das Haus mit bis zu vier Wohneinheiten sei zu einem echten Schmuckstück geworden. In Espasingen gelte dasselbe mit dem fast fertigen Umbau mit der ehemaligen Schlossbrauerei in Wohnungen, jetzt Schloss Espasingen genannt. „Das Dorf bekommt dadurch seinen ursprünglichen Kern nach vielen Jahrzehnten des Niedergangs zurück“, so Johannes von Bodman. Die Bebauung der Schlosshöfe und des Kastaniengartens wird sich hoffentlich in den nächsten Jahren anschließen. Nur beim Eisweiher hinter dem Areal gebe es noch Probleme mit der Renaturnierung. Er glaube aber, dass eine gute Lösung gefunden worden sei, die allen Bedürfnisse und die Behördenvorgaben unter einen Hut bringe.

Auch die neue Perspektive für die Schlosstorkel, die gleichzeitig auch die große Chance für ein Heimatmuseum ist, gehört zu den positiven Entwicklungen, die 2025 begonnen haben und nun in die Umsetzung kommen sollen. Die Pächtersuche bei der Gemeinde läuft und wie alle anderen Beteiligten sieht auch der Freiherr die Realisierung des seit vielen Jahren anvisierten Museums „zum Greifen nahe“. Gemeinde, Museumsverein und wir sind uns einig.

Der Neujahrsempfang für geladene Gäste hat viele Jahrzehnte Tradition. Bild: Ramona Löffler

Der künftige Betreiber habe die Chance, das Gebäude zu einem äußerst geringen Preis zu pachten und dort neben dem Museum Bodman-Ludwigshafen eigene Aktivitäten zu entfalten: Restaurant, Bistro, Galerie, Verkaufsraum, Veranstaltungen.“

Für das Hotel Linde stehen die Namen der neuen Betreiberinnen bereits fest: Das Haus sei an die Familie Heer verkauft worden. Jessica und Alicia Heer werden Hotel und Restaurant mit Hilfe ihrer Eltern, die seit einigen Jahren in Bodman wohnen, betreiben. Da die jungen Frauen den entsprechenden beruflichen Hintergrund haben, sei er sich, dass sie das für Bodman wichtige Haus erfolgreich betreiben könnten. „Das Konzept wird neben der Hotellerie auf einer gehobenen, aber nicht abgehobenen Gastronomie beruhen, die Feriengästen aber besonders auch den Einwohnern zugutekommen soll.“

Viel Holz samt Sturmnachwirkungen

Im Forstbetrieb seien unter der Leitung von Rebecca Göttel 15.000 Festmeter Holz geerntet worden. „Das ist etwas mehr als der durchschnittliche Jahreszuwachs, da der Schwerpunkt in der Nutzung von Buchenalthölzern mit Trockenschäden lag“, erklärte der Gastgeber. Die Auswirkungen des Sturms im Juli 2023 seien immer noch spürbar und man habe deshalb rund 3000 Festmeter Fichten-Käferholz schlagen müssen. Während die Fichtenpreise mit circa 100 Euro je Festmeter gut gewesen seien und derzeit sogar bei 130 Euro lägen, sei das Buchen-Stammholz schlechterer Qualität vermehrt zum Problem geworden.

In der Mitte steht das Grafenpaar Maria-Claudia und Wilderich von und zu Bodman mit Bürgermeister Christoph Stolz. Bild: Ramona Löffler

Ein wahres Feuerwerk an Namen zeigte, was für eine Bereicherung die Mitarbeiter von Gut Bodman sind und wie sie erfolgreich Verantwortung übernehmen. Der stolze Geschäftsführer hob im Besonderen Edgar Grundler hervor, der inzwischen seit 55 Jahren im Forst arbeite und in diesem Bereich eine nicht mehr wegzudenkende Konstante sei. „Wenn Sie nicht schon alle Auszeichnungen unseres Hauses bekommen hätten, würde ich Ihnen mindestens einen zusätzlichen Orden anheften.“

Die Marienschlucht blieb zwar eher im Hintergrund, aber Johannes von Bodman äußerte die Vorfreude auf die Wiedereröffnung am Samstag, 28. März. Die Gemeinde plant einen Tag der offenen Schlucht, der schon seit einer Weile beworben wird.

Das Friedwald-Konzept ist sehr beliebt

Ein weiteres besonderes Waldstück ist der der Bestattungswald Waldruh St. Katharinen auf dem Bodanrück habe so viel Nachfrage, dass es Überlegungen gebe, um Wald zu erweitern oder sogar ins Offenland zu gehen, erklärte Johannes von Bodman. Andere Waldbesitzer würden das Konzept übernehmen, sagte er. So seien im vergangenen Jahr drei vergleichbare Waldfriedhöfe eröffnet worden, wobei Gut Bodman unterstützt habe: In München, Landshut und in der Nähe von Heilbronn.

Der Eingang zu Schloss Bodman. Bild: Ramona Löffler

Er lobte den Einsatz von Leiterin Adina Laur: „Mit Ihrer charmanten Art kriegen Sie jeden Gemeinderat rum. Aber es ist auch ganz schön viel rechtliche Arbeit mit den Behörden.“

Eine Frau und 61 Neujahrsempfänge

Was für eine lange Tradition der Neujahrsempfang des Gräflichen Hauses hat, verkörpert Helga Helms, die erst den Hof Höfen geführt hat und später nach Espasingen gewechselt ist, wo sie seither neben dem inzwischen sanierten Schloss wohnt. Sie hat nun 61 Neujahrsempfänge erlebt und mehr als ein halbes Jahrhunderte Geschichte rund um Gut Bodman und die Grafen-Familie. Wieviele Neujahrsempfänge es insgesamt schon gab, konnte das Rentamt auf Nachfrage nicht genau sagen, denn in den Anfangszeiten sei das erst zu einer Veranstaltung herangewachsen.

Johannes von Bodman überreicht Helga Helm Blumen. Dies war ihr 61. Neujahrsempfang in Schloss Bodman. Bild: Ramona Löffler

Johannes von Bodman erzählte aus Gesprächen mit der Seniorin. Der Neujahrsempfang sei zunächst immer am 1. Januar um 10 Uhr gewesen und habe noch recht wenig Gäste gehabt. Inzwischen findet er immer im Lauf der ersten Monatshälfte und abends statt. „Die meisten haben andächtig meinem Vater gelauscht und sich danach wahrscheinlich wieder ins Bett gelegt“, sagte er über den Vormittagstermin und erntete amüsiertes Lachen.

Dank an die treuen Seelen

Als er von Begegnungen auf dem früheren Brauerei-Areal erzählte, übernahm Helga Helms: „Ich kenne ihn ja noch als Kind. Ich habe in einer Zeit angefangen, als er noch gar nicht geplant war“, sagte sie über ihr langes Berufsleben beim Gräflichen Haus. Zum Dank für die „geplante oder ungeplante Treue zum Haus“, wie der Freiherr dies aufgriff, erhielt sie einen großen Blumenstrauß.

Unter den Danksagungen an viele Mitarbeiter, die beeindruckend unterstrichen, wie viele treue Seelen das Gräfliche Haus hat, ist noch Co-Geschäftsführer Christoph Schmal hervorzuheben. Er decke eine riesige Bandbreite ab und sie seien beide ein sehr gutes Team, sagte Johannes von Bodman: „Das Unternehmen wäre ohne dich nicht dasselbe.“ Zudem betonte er nach den zahlreichen Worten über die vielfältigen und traditionsreichen Bereiche von Gut Bodman, dass es für ihn keine schönere Aufgabe gebe, als eine solch historisch gewachsene kleine Welt in die Zukunft führen zu dürfen.

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