Warum Demokratie so wichtig ist, stand im Fokus einer Mahnwache für Demokratie vor der Stockacher Stadtkirche St. Oswald. Mehr als 100 Personen kamen am Freitagabend zusammen, um zu zeigen, dass sie hinter den Werten der Demokratie stehen.
Der noch recht junge Verein „Demokratisch – Raum Stockach“ war Organisator der Veranstaltung, die es auch in anderen Städten gibt. Alice Engelhardt moderierte die Mahnwache, bei der Vertreter der Stadt, Kirchen, Schulen und Vereine sprachen und verschiedene Aspekte der Demokratie beleuchteten und hervorhoben. Was sie erzählten, war kurzweilig und interessant.



Besonders war, wie mehrere von ihnen denselben Satz sagten: „Demokratie ist nicht selbstverständlich.“ Man müsse sie lernen und laufend daran arbeiten, sie zu erhalten und zu verteidigen.
Wählen ist wichtig
Bürgermeisterin Susen Katter griff die Bürgerbeteiligung im Honold-Haus als ein lokales Beispiel der Demokratie auf. Ebenso sei der Gemeinderat ein Element in der Demokratie. So könne jeder den Staat mitgestalten. Was passiere, wenn es soetwas nicht gebe, sehe man in anderen Ländern. Im Hinblick auf die anstehende Landtagswahl am 8. März sagte sie: „Wahlen sind keine Nebensache sondern selbstverständlich. Bitte gehen Sie wählen. Entscheiden sie nicht aus Wut, sondern informiert und überzeugt.“

Der katholische Pfarrer Thomas Huber erklärte, Demokartie sei nicht nur eine Staatsform, sondern eine Haltung der Gesellschaft. Er freute sich, wie viele Memnschen sich auf dem Vorplatz von St. Oswald eingefunden hatten, um zu zeigen, wie wichtig ihnen die demokratischen Werten seien.
Demokratie muss verteidigt werden
Sein evangelischer Kollege Ulf Weber schloss sich an. Er betonte, jede Stimme habe in der Demokratie Gewicht. Sie sei auch eine Kultur des Respekts, in der man Mehrheiten akzeptiere, ohne Minderheiten zu missachten. „Die Geschichte in Deutschland hat uns gelehrt, was passiert, wenn Hass normalisiert wird“, so Weber. Ihn sorge die Müdigkeit, also dass viele sagen würden, dass alles nichts bringe und einander als Gegner sähen.



„Wir stehen heute hier, weil wir sagen, dass unsere Demokratie es wert ist, verteidigt zu werden“, sagte Weber. „Lassen wir nicht nach. Demokratie lebt – von uns.“
Yasaman Lashgari von der Kulturbrücke merkte an, es sei nicht selbstverständlich, dass die Demokratie in Deutschland immer so bleiben werde, wie sie sei. Sie machte einen Exkurs in ihr Heimatland Iran, wo es einst die erste Menschenrechtserklärung gegeben habe, ehe ein Wandel stattgefunden habe. Sie mahnte deshalb, in die Vergangenheit zu blicken, um die Zukunft zu gestalten. Schließlich zündete sie eine große Kerze für die Opfer an.

Die Perspektive der jungen Generation
Schulverbund Nellenburg, Nellenburg-Gymnasium und das BSZ hatten auch Beiträge vorbereitet, die Lehrer und Schüler gemeinsam vortrugen. Dabei sagte zum Beispiel Rektorin Beate Clot: „Demokatie ist für mich ein Schatz, der behütet werden muss.“



Elias Löhr, der Schülersprecher am Gymnasium, erzählte, wie in der Schule mit der Schülermitverwaltung (SMV) erste Erfahrungen mit der Demokratie möglich seine: „Die Schule wird so zu einem Ort der gelebten Demokratie.“ Sie müsse gelernt werden und sei nicht selbstverständlich. Die halbe Welt habe keine Demokratie und nur 8 Prozent der Länder hätten eine vollständige Demokratie. „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir dazu gehören“, so der Schüler. Die Demokratie müsse geschützt und verteidigt werden.
Am BSZ finden in der kommenden Woche Juniorwahlen statt. Demokratie sei wie ein Muskel, der trainiert werden müsse, lautete ein Vergleich in der Rede eines Lehrers und einer Schülerin. Sie erzählte, wie normal Demokratie für ihre Generation sei, aber sie sei in Gefahr und man müsse sich für sie einsetzen.
„Demokratie ist ein Geschenk“
Positive Botschaften standen bei Museums- und Stadtarchivleiter Julian Windmöller im Mittelpunkt. Er wünsche sich, dass jeder schaue, wie er zur Demokratie beitragen könne und dass jeder wählen gehe. „Demokratie ist ein Geschenk“, sagte er.



Windmöller hatte einen Rückblick auf die ersten Landtagswahlen der Nachkriegszeit im Jahr 1947 dabei. Damals habe die Wahlbeteiligung in Stockach mit 87 Prozent deutlich über dem Landesdurchschnitt von 67 Prozent gelegen. Im Jahr 2021 sei es umgekehrt gewesen. Bei einem Landesdurchschnitt von 63 Prozent habe die Wahlbeteiligung in Stockach nur 59 Prozent betragen, also „weniger als in den Jahren der Trümmer und Trauer“. Deshalb schloss er seine Rede aus Überzeugung mit einem Aufruf: „Egal wie grau die Zeiten sind – wir können wählen gehen, um es besser zu machen.“
Als Vertreterin des Kreisjugendrats blickte Julia Tosca Schuler auf Ereignisse in der deutschen Geschichte am 27. Februar. Sie rief dazu auf, dass die junge Generation Verantwortung übernimmt und Demokratie lebt. „Demokratie stirbt durch Gleichgültigkeit. Sie ist unbequem, aber ein wertvolles Instrument des Zusammenmlebens.“ Was in der deutschen Geschichte passiert sei, verpflichte zur Wachsamtkeit und Verantwortung.
Eine bedrohte Art
Sabrina Molkenthin, die Leiterin des Umweltzentrums Stockach, zog Vergleiche mit der Natur. Die Demokratie sei lebendig und fördere durch Vereine den Erhalt der Natur, schütze die Freiheit und die Grundrechte. „Aus Sicht des Naturschutzes ist die Demokratie eine bedrohte Art“, sagte sie.



Ein weiterer Aspekt der Demokratie kam von Rolf Bart, dem Vorsitzenden des Krankenhausfördervereins Stockach: „Demokratie beginnt, wenn wir im Verein gemeinsam Ideen fördern.“ Sie lebe von Vertrauen, Mut und dem Respekt vor anderen. Im Förderverein würden alle für ein gemeinsames Ziel an einem Strang ziehen.
Auch ein weiterer Verein half mit, die Mahnwache zu gestalten. Ein vierköpfiges Musik-Ensemble um Jochen Fischer umrahmte die Redebeiträge musikalisch. Mit einem Musikstück klang schließlich die friedliche Veranstaltung aus.


In eigener Sache: „Tiefgang“ ist ein ehrenamtliches Herzensprojekt. Eine Unterstützung ist auf GoFundMe möglich.

Schreibe einen Kommentar