Schwierige Momente und „riesiges Glück“: Interview mit Bürgermeister Philipp Stolz zur überstandenen Krebserkrankung

In einem Interview mit „Tiefgang“ spricht Philipp Stolz über diesen gesundheitlich turbulenten ersten Monat im Amt und wie diese Zeit für ihn war. Er erhielt nach wenigen Tagen im Amt eine Krebsdiagnose und wurde an Fasnacht operiert. Da wir schon immer beim Du waren, gibt es bei den Fragen kein künstliches Sie.


Philipp, du hast öffentlich gemacht, dass du eine Operation wegen einer Krebserkrankung hattest. Wie geht es dir aktuell?

Philipp Stolz: Mir geht es gut. Die ersten Tage danach war ich noch etwas angegriffen, aber bereits nach wenigen Tagen habe ich nichts mehr gemerkt und fühle mich völlig normal.

War es schwer für dich, mit etwas so Privatem in die Öffentlichkeit zu gehen?

Philipp Stolz: Ehrlich gesagt überhaupt nicht. Ich ziehe ja hier und da schon eine Grenze, wenn ich beispielsweise nicht über die konkrete Krebsart spreche. Für mich ist da schlichtweg kein großes Tabu dabei über meine Erkrankung zu sprechen – ich habe sie mir ja nicht ausgesucht. Aber ich verstehe natürlich, dass es vielen Menschen anders geht, wenn sie von ihrer Gesundheit sprechen. Ich möchte einfach, dass die Reichenauerinnen und Reichenauer wissen, dass es dem Schultes (wieder) gut geht und es keinen Ausfall in der Verwaltung gab bzw. gibt. Darauf haben die Leute meiner Ansicht nach auch ein gewisses Recht.

Wie haben deine Familie und deine Mitarbeiter im Rathaus reagiert?

Philipp Stolz: Es gibt, glaube ich, keine sanfte Methode diese Nachricht zu übermitteln. Zumindest habe ich sie nicht gefunden. Die Reaktionen kann man sich ja durchaus vorstellen. Darüber möchte ich ehrlich gesagt jetzt keine Aussagen machen. Was mich gefreut hat, war, dass mein Team und der Gemeinderat mit sehr viel Verständnis und Unterstützung reagiert hat und das man mir die Gelegenheit gegeben hat, die Öffentlichkeit in meinem eigenen Tempo zu informieren. Das weiß ich sehr zu schätzen und rechne ich allen sehr hoch an.

Was möchtest du über die Zeit von der Diagnose über die OP bis heute sagen?

Philipp Stolz: Also der Tag der Diagnose war offen gestanden hart. Ich habe dann schon über alle Eventualitäten nachgegrübelt. Über die eigene Restlebensdauer habe ich davor noch relativ wenig nachgedacht. Dann ging aber alles unglaublich schnell. Zunächst wurde mir mitgeteilt, dass es Monate dauern kann, bis OP-Termin und nähere Untersuchungen abgeschlossen sind. Dass ich jetzt in nicht einmal einem Monat OP hatte und die weitere Behandlung kenne, ist für mich ein ganz großes Geschenk. Ich hätte das ungern lange mit mir herumgetragen. Da hatte ich aber schlichtweg riesiges Glück.

Was bedeutet es für dich, in so einer Zeit öffentliche Verantwortung als Bürgermeister zu tragen?

Philipp Stolz: Für mich war im Moment der Diagnose klar, dass ich verantwortlich dafür bin, dass die Gemeinde Reichenau operativ handlungsfähig bleibt, egal was mit mir passiert. Daher wurden zuerst die Fraktionssprecher und Bürgermeisterstellvertreter und die Amtsleiter informiert. Im schlimmsten Fall hätte man ja möglicherweise kurzfristig einspringen müssen. Da wollte ich einfach so früh wie möglich alles geregelt haben. Nun bin ich froh, dass abgesehen von einer verpassten Reichenauer Fasnacht – und das ist mir wirklich arg – keinerlei Einschränkungen aufgetreten sind und wohl auch erst mal nicht mehr werden.

Hat die Erkrankung deine Sicht auf bestimmte Dinge verändert? 

Philipp Stolz: Ich muss etwas mehr auf meine Gesundheit schauen, als ich es vielleicht noch vor einem Jahr gedacht hätte. Ansonsten nehme ich mich noch als denselben Philipp Stolz wahr, der ich Ende Januar war.

Gibt es etwas, von dem du hoffst, dass es die Leute lieber nicht sagen oder fragen? Bin ich vielleicht in ein Fettnäpfchen getreten?

Philipp Stolz: Die Leute können alles sagen oder fragen was sie wollen. Ich nehme mir schlichtweg raus bei manchen Dingen mitzuteilen, dass ich darüber nicht sprechen möchte, und würde dann darum bitten, das zu respektieren. Da mache ich mir aber keine Sorgen.

Falls du das beantworten möchtest: Was war für dich der schwierigste Moment?

Philipp Stolz: Die Autofahrt nach der Krebsdiagnose und der Gedanke was im schlimmsten Fall die Folgen für die engsten Familienmitglieder wären. Das war einfach – entschuldige – ein richtiger Scheiß-Moment.

Was gibt Dir Kraft – privat und beruflich?

Philipp Stolz: Meine Familie und Freunde, Humor und ein möglicherweise naiver Optimismus, dass man alles hinkriegen kann, solange man Dinge anspricht und anpackt.

Was möchtest du anderen Menschen in einer ähnlichen gesundheitlichen Situation mitgeben?

Philipp Stolz: Ich glaube jeder hat so seine eigene Art und Weise mit so etwas umzugehen. Da gibt es, glaube ich, kein richtig oder falsch, sondern ein „Was hilft mir? Was hilft mir nicht?“. Mir persönlich hat es sehr geholfen, mich in der Situation nicht verrückt zu machen, sondern es mit Humor zu nehmen, wenn man das so nennen kann. Ich hatte aber, wie gesagt, schlichtweg riesiges Glück.

Denn um Himmels Willen: Wer weiß, wie es mir gehen würde, wenn ich eine schwerere Variante gehabt hätte oder der Krebs gestreut hätte. Ich will mir nicht ausmalen, wie ich mich dann gefühlt hätte, und wünsche jedem Menschen, dem es so geht, alle Kraft und Stärke. Auch dem Umfeld dieses Menschen. Auch diese Menschen tragen eine große Last mit sich. Achten wir daher aufeinander und versuchen für Menschen, die eine Krise durchlaufen, da zu sein.




Hier gibts es die Amtsantritts-Rede von Philipp Stolz zum Nachschauen:

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