Reise in die Zukunft: Wie Stockach eines Tages aussehen könnte

Beeindruckend. Vielfältig. Spannend. So kann man die Ideen von Hochschulstudenten aus Stuttgart für die Entwicklung der Stockacher Innenstadt beschreiben. Seit meiner Kindheit habe ich viele Veränderungen in Stockach miterlebt – wie nun die nächste Stufe aussehen könnte, ist faszinierend.

Mit lebensechten Visualisierungen sind die Konzepte der Studenten greifbar. Die Veranstaltung „Zukunft aufSTOCKEN“, bei der sie vorgestellt wurden, zeigte auch, wie gut vieles davon ankam, gleichzeitig aber auch zahlreiche Gespräche anregte, was realisitisch ist.

Bürgermeisterin Susen Katter spricht mit vielen Bürgern über die Ideen der Studenten. Bild: Ramona Löffler

Verkehr und Parken waren schon immer ein großer Diskussionspunkt, der Gustav-Hammer-Platz auch. So stellten Einwohner in Gesprächen mit den Studenten heraus, wie wichtig der Gustav-Hammer-Platz für die Fasnacht und verschiedene Veranstaltungen über das Jahr ist. Die angehenden Stadtplaner hatten sehr schöne Gestaltungsideen für einen Platz mit Aufenthaltsqualität – aber passt das mit den Nutzungsansprüchen bei Veranstaltungen zusammen?

Die Studenten hatten auf jeden Fall tolle Ideen dabei, auf die so vielleicht keiner gekommen wäre. Sie brachten den Blick von außen und kannten die Stadt bisher nicht. So konnten sie ganz unvoreingenommen agieren. Bürgermeisterin Susen Katter betonte zudem, dass dies ein „jüngerer Blick auf Stockach“ sei. Die Professoren lobten die Ergebnisse als spannende Ideen, durch deren Welt man nun eine Reise machen könne.

Diese Visualisierung zeigt die Hauptstraße als Fußgägerzone. Rechts ist das Alte Forstamt. Bild: Hochschule für Technik Stuttgart

Ehe ihre Konzepte in kleinen Gruppen entstanden, machten sie eine SWOT-Analyse – das ist eine Analyse der Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken. SWOT steht für die englischen Begriffe Strength, Weackness, Opportunities und Threads.

Was im besten Fall passiert

Sie schauten also an, wie die Stadt momentan aussieht, wie Verkehrswege und Erreichbarkeiten sind oder auch wie die Daseinsvorsorge aussieht. Dann entrstanden zwei Szenieren: Mit Blick auf Risiken ein Worst-Case-Szenario, wenn alle Befürchtungen über negative Entwicklungen wahr werden – oder das Gegenteil: Der Best Case, in dem die Innenstadt aufblüht und eine sich alles extrem positiv entwickelt.

In die zweite Richtung gingen natürlich die Konzepte, die übrigens auf Stellwänden im Rathaus zu sehen sein werden, so dass sich jeder alles anschauen kann. Außerdem sollen die Präsentationen auch bald online bereitgestellt werden. Und die Studenten zeigten sich auch sehr zuversichtlich, dass Stockach mit entsprechenden Planungen auf der Chancen-Seite landet.

In einem Flyer gab es eine Übersicht, wie die Gruppen heißen und womit sie sich beschäftigt haben. Bild: Ramona Löffler

Die Aufgabe wäre dann: Nutzungen und Potenziale aktivieren, also mit Maßnahmen eine lebendige Zukunft schaffen. Das bedeutet auch, Dinge in einer Testphase auszuprobieren und zu schauen, ob das dauerhaft funktioniert. Susen Katter sah es ebenfalls so – testen sei ein guter Weg und wichtig.

Drei besonders ungewöhnliche und innovative Ideen waren zum Beispiel: Eine Verglasung für das Kriegerdenkmal, um das so Ausstellungsräume auf verschiedenen Ebenen entstehen würden. Ein Stadtbalkon sowie weitere Nutzungen oben im bzw. auf dem Parkhaus. Eine Kletterwand und Begegnungsflächen, ja sogar regelmäßige Kinoabende, in der Stadtkirche St. Oswald. Alle Konzepte hatten übrigens eine Fußgängerzone und komplette Straßenumgestaltungen gemeinsam.

Eine Idee für eine Verglasung des Kriegerdenkmals. Das Glasbau wäre Ausstellungsfläche und Aussichtsturm. Das beliebte Storchennest ist hier allerdings nichr bedacht. Bild: Hochschule für Technik Stuttgart

Teilnehmer notieren ihre Zukunftswünsche

Diese Konzepte und die Ergebnisse eines Mitmach-Tischs fließen in die Bürgerbeteiligung zur Innenstadtentwicklung ein. Die Einwohner haben noch bis Ende März im Honold-Haus die Gelegenheit, sich mit der Zukunft von Stockach zu beschäftigten. Dort läuft es sehr erfolgreich und so war es auch beim aktiven Austausch mit den Studenten oder untereinander.

Auf einem Tisch kamen viele Gedanken und Anregungen zusammen. Auf einer Seite konnte man notieren, was man an Stockach besonders gut findet. Das kam zusammen: Die zentralen Lagen des Parkhauses, Museums, der Stadtbücherei sowie von Cafés, auch die Angebote des Museums und der Bücherei, die fußläufige Erreichbarkeit von Geschäften in der Stadt und dass die VHS sichtbar in der Innenstadt ist.

Die Seite mit Wünschen für Stockachs Zukunft hatte folgende Stichworte: Autofreie Innenstadt und/oder durchgängig eine Temp-40-Zone, Ausbau der Radwege, mehr Restaurants, die Lust am Verweilen stärken, touristisch interessante Wege wie den vorgeschlagenen Panoramaweg entwickeln, Aufenthalsräume für Jugendliche, Sitz- und Spielmöglichkeiten, Orte der Gemeinschaft für alle Generationen schaffen, Stadteingänge attraktiver und/oder grün gestalten, Start-Ups in der Innenstadt ansiedeln, Orte für Künstler, attraktive Geschäfte und einfach Zugänge in der Innenstadt. An einer Wand landete außerdem ein Zettel mit dem Wunsch nach einem „Zügle in die Oberstadt“, also vermutlich an der Kirchhalde die Steigung nach oben.

Meine Meinung

Wie ich als Stockacherin mir die Innenstadt vorstelle? Ich fände eine vielfältige Nutzung des Honold-Hauses für verschiedene Gruppen toll. Viel Grün und Aufenthaltsmöglichkeiten ebenfalls. Wenn wieder ein Brunnen am Marktplatz wäre, würde ich mich auch freuen.

Beim Thema Autos bin ich gespalten: Die Entwürfe der Studenten für eine Fußgängerzone gefallen mir eigentlich super, aber bei der Erreichbarkeit und den Möglichkeiten für alle, die nicht gut laufen können, finde ich schwierig. Ich frage mich auch, was mit dem Bus wäre. Die Topografie von Ober- und Unterstadt ist eben Segen und Fluch zugleich: Die historische Oberstadt ist toll, aber die Steigung eine große Hürde und ein Problem für gehbehinderte und Ältere.

Aber wer erinnert sich noch? Vor der Oberstadtsanierung um die Jahrtausendwende gab es viel mehr Parkplätze an den Straßen als jetzt und einen Brunnen am Marktplatz. Damals war es eine Umgewöhnung und auch was immer in ein paar Jahren kommen wird, wird das ebenfalls sein. Egal in welche Richtung es geht.

Ich persönlich finde bei den Belägen ist dann wichtig, dass man gut darauf laufen kann und es bei Glätte möglichst wenig Gefahr gibt. Was in Konstanz am Bahnhofsplatz passiert ist, darf nicht in Stockach passieren. Die Platten dort sind bei Kälte spiegelglatt. Zu buckeligen Pflaster ist allerdings trotz schöner Optik auch nicht ohne Probleme. Wer gehbehindert oder verletzt ist, hat es damit nicht leicht.

Was ich aktuell übrigens positiv sehe: Stockach hat nicht mehr so viele Leerstände wie früher. Im Vergleich mit Radolfzell ist Stockach sehr gut dran, denn dort steht viel leer und Kratt schließt bald. In Stockach gibt es noch viele inhabergeführte Geschäfte und innovative Sachen wie die Seekunst, wo man in einem Ladenraum Schönes, Nützliches und Leckeres von vielen Kleingewerben bekommt.

Die Professoren sprechen einleitende Worte, ehe die Studenten ihre Konzepte vorstellen. Bild: Ramona Löffler
Mit solchen Wortwolken stellte sich durch Befragungen in der Analyse-Phase heraus, was die Leute denken. Die Dinge mit der großen Schrift kamen am häufigsten auf.
Die Studenten präsentieren ihre Konzepte und kommen dann mit Einwohnern ins Gespräch. Bild: Ramona Löffler
Eine weitere Idee, wie die Hauptstraße einmal aussehen könnte. Bild: Hochschule für Technik Stuttgart

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