Zwei neue Ferienwohnungen waren die letzten Tropfen, die das Fass im Bauausschuss vor Fasnacht zum Überlaufen brachten: Die wohnbaupolitischen Grundsätze der Gemeinde sollen ein Schlupfloch haben, das dringend geschlossen werden müsse, kam deutlich als Forderung auf: ÖDP-Rätin Erika Zahn sitzt zwar nicht im Bauausschuss, hörte aber zu und sprach das Thema im darauf folgenden Gemeinderat an.
Sorgen um wegfallenden Wohnraum gibt es schon seit viele Jahren in der Seegemeinde. Das kocht regelmäßig hoch. Mit den wohnbaupolitischen Grundsätzen und dem Zweckentfremdungsverbot hat der Gemeinderat zwar im Jahr 2018 neue Zweitwohnungen und Ferienwohnungen eingedämmt und die Satzung zwei Mal angepasst, doch im Bauausschuss gibt es seit Jahren regelmäßig pro Sitzung einen oder mehrere Anträge auf neue Ferienwohnungen.
Die Regeln der Gemeinde für Ferienwohnungen
Immer mehr Wohnraum der fehlt? Jein. Bereits in früheren Sitzungen kam auf, dass manche ältere Vermieter aufhören – so auch dieses Mal. Die Verwaltung macht auch immer wieder deutlich, dass einerseits die Einwohner die Möglichkeit haben sollen, mit Ferienwohnungen Einkommen zu generieren und die Gemeinde als Urlaubsziel auch solche Möglichkeiten brauche. In der aktuellen Sitzung stellte Stefan Burger, Leiter der Stabstelle Baurecht und Grundstücksverkehr, auch dar, dass manche Einwohner nach dem Auszug der Kinder Einliegerwohnungen in Ferienwohnungen umwandeln möchten.

Für die Genehmigung neuer Ferienwohnungen ist es Pflicht, dass der Betreiber selbst in der Gemeinde bzw. dem Haus wohnt. So gab es in der jüngsten Sitzung zum Beispiel eine Genehmigung für eine Einliegerwohnung in Ludwigshafen. Der Beschluss genemigt diese Ferienwohnung nun „unter der Auflage, dass die Ferienwohnung vom in der Gemeinde mit Hauptwohnung wohnenden Eigentümer selbst oder durch nächste Familienangehörige betrieben wird“.
So weit, so gut, doch Erika Zahn sieht hier ein Schlupfloch: „Ich finde, das müsste enger gefasst werden. Das Betreiben von Ferienwohnungen sollten denen vorbehalten sein, die hier ihren Lebensmittelpunkt haben.“ Sie stellte daher einen Antrag, dieses Thema im Rat zu besprechen. Christoph Stolz sagte eine Prüfung zu, doch über den Antrag wurde in der Sitzung nicht abgestimmt.
Zwei neue Mehrfamilienhäuser für Bodman?
Die Sitzungen von Bauausschuss und Gemeinderat waren übrigens mit verschiedenen Wohn- und Entwicklungsthemen vollgepackt, was zeigte, wie sehr und häufig sich die Gemeinde mit dem Brennpunktthema Wohnraummangel beschäftigt. Bauanträge für zwei 5-Familien-Häuser mit Tiefgarage auf einem geteilten Grundstück in der Straße „Im Gries“ Bodman hatten zunächst im Ausschuss eine längere Debatte mit vielen Fragen zu Folge.

Stefan Burger erklärte, wie schwierig dort die Planung aufgrund der Topografie sei und welche Regeln aufgrund des einfach Bebauungsplans „Kaiserpfalz“ gelten. Bürgermeister Christoph Stolz bedauerte zwar, dass das schöne Bestandsgebäude abgerissen wird, doch die Gemeinde sei für Nachverdichtung. „Wir müssen Wohnraum schaffen.“ Er und Burger hatten bei diesen zwei Bauprojekten etwas andere Ansichten, inwieweit sie sich in die Umgebung einfügen, und gingen damit offen um.
Als CDU-Rat Alessandro Ribaudo bei diesen zwei Bauprojekten die Themen Zweit- und Ferienwohnungen ansprach, gab Burger die Antwort, die immer bei dieser Frage kommt: Zweitwohnungen seien generell ausgeschlossen und Ferienwohnungen nur als Nebentätigkeit eines angemeldeten Bewohners erlaubt.
Extrarunde für einen Bauplan
Ribaudo fand zudem beim zweiten Bauantrag das Erscheinungsbild des Hauses nicht zur Umgebung passend. Letztendlich stimmte der Ausschuss einem der beiden Gebäude zu, doch das andere brauche noch eine Überplanung. Bei einfachen Bebauungsplänen gilt die Vorgabe, dass sich Neubauten gut in die umliegenden Gebäude einpassen müssen. So wird der Bauausschuss dieses Projekt bald nochmal auf dem Tisch haben.
Im Gemeinderat stellte die Zukunftsinitiative Bodman-Ludwigshafen eine neue, interessante Wohnform vor, die im Hinblick auf Wohnraummangel eine Lösung sein könnte. Dazu folgt in einem weiteren Artikel bald mehr.

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