Fehlt in Stockach ein Kino? Im Honold-Haus sprechen die Wände deutlich

Volltreffer! Die Stockacher machen im Honold-Haus genau das, wofür es dort die größte und ungewöhnlichste Bürgerbeteiligung der Stadtgeschichte gibt: Sie sagen und zeigen deutlich, was sie wollen und wie sie sich die Zukunft der Innenstadt vorstellen.

So haben sich seit rund drei Monaten zahlreiche Ideen angesammelt. Viele nutzen gerne das Modell der Oberstadt, um dort mit den vorhandenen Mitteln ihre Vorstellung der Verkehrsführung, Parkmöglichkeiten, Bepflanzungen und Gastronomie sowie weiteren Angeboten darzustellen. Die Stadt verfügt inzwischen schon über eine große Fotosammlung, da jeder mit einer angebrachten Kamera ein Foto machen und mitnehmen kann. Diese Bilder werden außerdem für eine Auswertung gespeichert.

Und auch an Worten sparen die engagierten Einwohner nicht. Sie nutzen gerne die Möglichkeit, auf Zettel zu schreiben und diese aufzuhängen – oder Anregungen direkt auf der Wand zu hinterlassen. Hier ist tatsächlich alles erlaubt und so erzählen ein paar Wände inzwischen von den Wünschen der Stockacher Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen.

Die Jugend sagt, was sie will

Ein Wunsch der Jüngeren taucht dabei oft auf: Kino. Diese vier Buchstaben stehen mehrfach an den Wänden und auf den Zetteln. Und groß. Sehr groß.

Realistisch? Das muss die Zeit zeigen. Stockach hatte übrigens schon mal ein Kino. Vor vielen Jahrzehnten flimmerten Filme in der kleinen Bodanstraße über die Leinwand. Und es ist noch gar nicht so arg lange her, dass in Zizenhausen ein Kino war. Ich persönlich erinnere mich noch daran, wie ich dort mit meiner Schwester „Titanic“ angeschaut habe.

Und sonst? Die Stockacher sind sehr kreativ. Sie sind nicht nur in Worten sehr deutlich, was sie gerne in der Innenstadt anders hätten – sie malen sogar. Noch bis zum 28. März kann dort jeder Einwohner mitmachen und die Zukunft mitgestalten.

Ungewöhnliche und kuriose Ideen

Eine der Ideen für die Kirchhalde ist eine Zahnradbahn. Das Argument: Sie wäre einzigartig in der Region und könnte denen Helfen, die nicht gut laufen können. Jemand anders schlägt einen Streichelzoo für Kinder vor.

Auch ein Schwätz-Bänkle steht auf einem der Zettel. Dort könnte man sich bewusst hinsetzen, wenn man mit jemandem ein Schwätzchen halten möchte.

Gleichzeitig gehört zu häufig genannten Wünschen auch etwas ganz Alltägliches, von dem viele gerne mehr hätten: Bänke. Mehr Grün. Mehr und bessere öffentliche Toiletten. Mehrere Personen äußern den Wunsch, dass es wieder eine Buchhandlung gibt.

Gespräch über den Gustav-Hammer-Platz

Zudem gibt es regelmäßig Termine zu bestimmten Themen der Innenstadt. Kurz vor Weihnachten war die Umgestaltung des Gustav-Hammer-Platzes ein Thema. Kulturamtsleiterin Corinna Bruggaier, zeichnete damals laut einer Pressemitteilung die Entwicklung des Gustav-Hammer-Platzes nach – von seiner Rolle als zentraler Handels- und Begegnungsort über die Geschichte des alten Kaufhauses bis hin zu den Brüchen und Veränderungen des 20. Jahrhunderts. Dies zeigte, wie besonders der Platz nicht nur städtebaulich, sondern auch historisch und emotional ist.

Rund 30 Teilnehmer waren bei der Veranstaltung zum Gustav-Hammer-Platz im Honold-Haus dabei. Bild: Corinna Bruggaier

Stadtbaumeister Lars Heinzl stellte an dem Abend drei mögliche Modelle für die Zukunft des Gustav-Hammer-Platzes vor. Diese reichen von stärker begrünten Varianten über einen klassisch gefassten Platz bis hin zu baulichen Optionen, die an die frühere Bebauung erinnern. In einem Workshop-Teil hatten die Besucher dann die Möglichkeit zu diskutieren, was zeigte, dass es viele Ideen gibt, die sich aber nicht immer deckten.

Diese Idee lag Mitte Januar auf dem Oberstadt-Modell im Honold-Haus. Bild. Ramona Löffler

Bürgermeisterin Susen Katter ist der offene Austausch sehr wichtig: „Was wir hier gemeinsam erarbeiten, ist kein loses Ideensammeln, sondern ein wichtiges Gutachten aus der Bürgerschaft. Es bündelt Wissen, Wünsche und Erfahrungen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Diese Ergebnisse bilden eine wesentliche Grundlage für die nächsten Schritte. Schließlich legen wir damit den Grundstein für die Entwicklung unserer Innenstadt für die nächsten Jahrzehnte.“

Die Auswertung der Ideen aus dem Honold-Haus sollen dem Gemeinderat später als Entscheidungsgrundlage dienen, um konkrete Maßnahmen für die Innenstadtentwicklung zu beschließen.

Studenten stellen bald Konzepte vor

Der nächste Termin, um mit anderen zusammenzukommen und sich auszutauschen ist übrigens am Donnerstag, 29. Januar. Unter dem Titel „Zukunft aufSTOCKEN“ findet im Bürgerhaus Adler Post von 16 bis 18 Uhr eine Veranstaltung zur Stadterneuerung mit Studenten der Hochschule für Technik Stuttgart statt.

Unter dem genannten Motto haben sich die Studenten Gedanken über die Stockacher Innenstadt gemacht und Konzepte für die städtebauliche Entwicklung erarbeitet, so die Ankündigung. Dabei sei es um folgende Fragen gegangen: Wie wollen wir in Zukunft zusammenleben? Was braucht die Innenstadt der Zukunft? Welche Rolle spielen öffentliche Räume? Was macht eine Stadt lebenswert? Bei der Veranstaltung geht es um die Antworten in Form der Konzepte.

Auch eine weitere Veranstaltung steht bereits im Kalender: Am Freitag, 24. Februar, geht es um den Bereich der Hauptstraße vom Stadtbalkon vor dem Alten Forstamt bis zum Marktplatz.

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