Uffwirmkaffee: Eigenlob-Gymnastik trifft auf Tradition und Emanzipation

Zwei Frauen fanden beim diesjährigen Uffwirmkaffee des Narrengerichts in der Fortuna starke und treffende Worte rund um Fasnacht und Tradition. Trotz ernsten Untertönen und ein bisschen Melancholie in einem Lied über den ehemaligen Hans Kuony-Darsteller Roland Drews und einem zu den Ursprüngen der Fasnacht ging es lustig zu.

Nach einem intensiven Fasnachtswochenende hatten die Gerichtsnarren und Angehörige verschiedener Gliederungen noch kräftige Stimmen und sangen die bekannten Lieder wie „Unser schäner Narrebomm“ lauthals mit. Fortuna-Wirt Andi Meßmer sorgte für Musik und die Bänkelsänger der Aktiven Laufnarren hatten zwei Eigenkompositionen dabei, die sie zwischen den anderen Programmpunkten sangen.

Bürgermeisterin Susen Katter spricht beim Uffwirmkaffee und trägt die Langensteiner Narrenkappe. Bilder: Ramona Löffler

Bürgermeisterin Susen Katter, die inzwischen Trägerin der Langensteiner Narrenkappe ist, hatte einige Anmerkungen zur Narrengerichtsverhandlung gegen den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder dabei. Sie wunderte sich über Dinge, die er gesagt oder gerade nicht gesagt hatte. „Die Bemerkung mit der durchgegenderten Bischofskonferenz war fehl am Platz, weil die Bischöfe weiter sind als ihr“, warf sie ein.

Dafür wundere sie sich aber über die Bezeichnung der Roben als grüne Bademäntel, da grün doch eine majestätische Farbe sei und man das als „König von Bayern“ wissen sollte. „Die Kopfbedeckungen kamen glimpflich davon – da ist noch Luft nach oben“, kommentierte sie zu den Narrenkappen mit drei Zipfeln. Auch eine wichtige Erkenntnis hatte sie noch dabei: „Hinter jedem starken Narrenrichter steht eine Frau, die sich denkt: Das kann ich auch.“

Sie bedankte sich bei Jürgen Koterzyna, der als Narrenrichter aufhört, für seinen Einsatz. Die diesjährige Fasnacht sei wahnsinnig gut gewesen.

Zwischen Größenwahnsinn und Emanzipation

Sie ging die Anklagepunkte nochmal durch und rief alle Anwesenden schließlich zu einer Mini-Frühspot-Einheit auf, bei der sie eine Übung aus ihrer früheren Turngruppe zeigte: Die links Hand auf die rechte Schulter und die rechte Hand auf die linke Schulter – dann klopfen. Mit anderen Worten: sich selbst etwas loben, „aber nur kurz, damit der Größenwahn nicht größer wird“.

Die Gerichtsnarren „turnen“ nach, was die Bürgermeisterin vormacht.

Alt-Stockacherin Vera Ossola ergriff das Wort, um ihrem Ärger darüber Luft zu machen, dass so oft darüber gesprochen und kritisiert werden, warum keine Frauen im Narrengericht seien. „Wir sind schon lange mit der Emanzipation voraus“, sagte sie. „Wir haben mit den Alt-Stockacherinnen und den Marketenderinnen eigene starke Institutionen. Dass nur Männer Gerichtsnarren sind, sei halt Tradition. Die Fasnacht sei immerhin auch Weltkulturerbe.

Vera Ossola hat einiges zu Tradition und Emazipation zu sagen.

Aber ohne Frauen, die solche Männer zu Welt bringen, gäbe es sie gar nicht, argumentierte sie weiter. Ebenso warf sie die Frage auf, was man eigentlich mit so vielen Orden machen soll, die immer an die Männer vergeben werden. Damit könne man Schubladen füllen oder habe von den Nadeln Löcher im Häs. Für was jemand den Orden erhalte, lasse sich auch gut hinbiegen, so dass man sich fragen müsse, was viele Orden wert seien. „An Fasnacht kann jeder für sich entscheiden, was wichtig ist.“

Männer in den Frauengliederungen?

Nachdem sie noch am Beispiel von Anette Schavan als erste weibliche Beklagte im Jahr 1997 zeigte, wie sich Tradition im Lauf der Jahrzehnte ändern kann, hatte Narrenrichter Jürgen Koterzyna ein Argument für den Ist-Zustand: „Wenn Frauen im Narrengericht wären, wäre der schönste Witz der Fasnacht weg.“ Dann könnte sich niemand darüber lustig machen oder aufregen.

Er habe sogar mal die weiblichen Gliederungen gefragt, ob diese Männer aufnehmen würden. Die Antwort sei gewesen: Jeder könne einen Antrag stellen, doch in der Abstimmung entscheide sich dann, ob jemand aufgenommen werde.

Eigenkompositionen auf die Stockacher Fasnet

Die Lieder der Bänkelsänger – nur Männer – brachten Stimmung. Ein Song war wie eine gesungene Version der Kriegsratsszene und zeichnete nach, wie Hans Kuony im Jahr 1315 Herzog Leopold seinen berühmten Rat gab, für den er später im Jahr 1351 das Privileg des Narrengerichts erhielt: „Drum derfet mir zur Fasnachtszeit ein Gricht halte für alle Leut.“

Sie versuchten sich auch an der Erklärung, was eigentlich das Wort „item“ bedeutet, das in der Verlesung des Privilegs vorkommt. Das war dann aber doch etwas zu kompliziert, was sie aber nicht davon abhielt, mehrfach „item“ einzubauen. Oder suchten sie vielleicht im falschen Kontext? Tante Google landet direkt bei Latein: item bedeutet übersetzt ebenso, ferner oder desgleichen. Passt.

Die Bänkelsänger bewiesen ihr Talent auch im Liedtext über den ehemaligen Hans-Kuony-Darsteller Roland Drews und verschiedene Dinge, wie den Stau beim Sternmarsch beim Jubiläumstreffen und die Narrenmesse. Der Refrain: „Ich möcht so gern Hans Kuony hören mit seiner Quetschkomod, ein richtig schönes Fasnetslied und alles isch im Lot.“

SchmoDu, Sparen und Anspielungen

Alt-Gerichtsnarr Siegfried Endres hatte schließlich noch einen nachdenklichen wie auch lustigen Redebeitrag parat. Er warf einen Blick auf verschiedenen Themen in der Berichterstattung der vergangenen zwei Wochen. Zum Fall mit dem Begriff „SchmuDo“, der eigentlich gar nicht richtig sei: Es müsse SchmoDu heißen, also schmotzig, nicht schmutzig. Dazu hatte er eine Anekdote von seiner Oma dabei, die früher Fasnetsküchle in Fett gebacken hatte – von diesem Fett kommt das Wort schmotzig.

Siegfried Endres unterhält mit seinem besonderen Humor.

Er griff zudem die Finanzlage der Stadt auf auf sinnierte über das Thema Sparen. Bei Verwaltungen bedeute dies, Geld, das man nicht habe auch nicht auszugeben. Im Privaten heiße es, Geld, das man habe, nicht auszugeben. Er hatte auch noch die Geschichte eines Ehepaars dabei, das im ersten Ehejahr jedes mal nach dem Sex einen Euro in ein Glas legte. Später sei im selben Fall immer ein Euro rausgenommen worden – nach zehn Jahren sei immer noch etwas im Glas gewesen.

Nach einem Lob für die Langensteiner Narrenkappe der Bürgermeisterin als Gegenpol zur Kritik der vergangenen Woche kam er auf Stockachs Niederlage bei Stadt-Land-Quiz im Fernsehen. „Man weiß , wie man hinein kommt, aber nicht wie hinaus“, bemerkte er. Diese Anspielung auf die Geschichte des Rats von Hans Kuony an den Herzog vor der Schlacht vom Moorgarten wiederholte er noch bei weiteren Geschichten wie der von ein paar Fasnachtern, die einen bekannten Tanz nicht hinbekamen: „Man weiß, wie man tanzt, aber nicht wie der Macarena geht.“

Nur eine Ordensvergabe an diesem Morgen

An den Orden und Ehrungen gab es beim diesjährigen Uffwirmkaffee nur eine Verleihung vor Ort. Pfarrer Thomas Huber erhielt von Ordensmeister Markus Vollmer das Hans-Kuony-Kreuz. Huber erzählte, er sei eigentlich nie ein Fasnachter gewesen, aber er liebe die Stockacher Fasnacht.

Ordensmeister Markus Vollmer, Pfarrer Thomas Huber und Narrenrichter Jürgen Koterzyna.

Von 46 Laufnarren, die vor 60 Jahren geschlagen worden waren, hätten sich nur wenige zurückgemeldet und keine konnte beim Uffwirmkaffee anwesend sein, erklärte Vollmer. Kurzfristig gab es auch keinen Laufnarrenschlag im Rahmen der Veranstaltung. So fiel diese etwas kürzer als sonst aus.

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