75 ist eine stattliche Zahl – so viele Einsätze hatte die Feuerwehr Bodman-Ludwigshafen im Jahr 2025. Das neue Jahr ist gerade erst einen halben Monat alt und es waren schon drei Stück. Die Einsatzkräfte der Seegemeinde sind rein ehrenamtlich aktiv und viel im Dienst der Allgemeinheit unterwegs – egal ob tags, nachts oder bei welchem Wetter. Neben Einsätzen auf dem Gemeindegebiet unterstützt die Feuerwehr auch in Nachbargemeinden. Gesamtkommandant Steffen Bretzke ist zudem mit der Drohnen-Einheit des Landkreises bei Einsätzen mit bestimmten Stichworten unterwegs. Das hat ihn direkt zu Jahresbeginn schon zu Bränden nach Singen geführt.
Vermissten-Einsätze sind selten
Aber nochmal zurück zum vergangenen Jahr: 2025 stach nicht nur durch die hohe Zahl der Einsätze hervor, sondern auch durch welche, die es am See-Ende glücklicherweise nicht oft gibt: Im November die Hilfe bei der erfolglosen Suche nach einem Vermissten, dann am Silvestertag die Bergung der zufällig gefundenen Leiche. Ein belastender Einsatz, doch Bretzke erklärt, er schaue darauf, dass die beteiligten Kräfte so wenig wie möglich sehen, also der Körper schon abgedeckt sei.

Die gute Nachricht: Die Silvesternacht blieb ruhig. Keine Einsätze für die Feuerwehr in Bodman oder Ludwigshafen. Wenn man auf andere Orte schaut oder sich Berichte aus ganz Deutschland mit Toten und Verletzten anschaut, ist das nicht selbstverständlich. Die Seegemeinde hat ohnehin wenig richtige Brandeinsätze: 2025 waren es laut Steffen Bretzke nur zwei. Unwetter-Einsätze habe es im Vergleich zu den Vorjahren sogar gar keine gegeben.
Hilfeleistungen machen ein Drittel aus
Die Feuerwehr ist dafür sehr oft anderweitig gefragt – Stichwort „Technische Hilfeleistung“. Von den 75 Einsätzen seien 25 dieser Art gewesen, erklärt er im Gespräch mit „Tiefgang“. 15 Mal rückten die Ehrenamtlichen zu Türöffnungen aus und unterstützten damit Polizei und/oder Rettungsdienst. Auch Einsätze, die schnell wieder zu Ende sind, gibt es. Das passiert zum Beispiel, wenn Brandmelder in Firmen wegen Staub aus der Produktion oder anderen Gründen auslösen, ohne dass es wirklich brennt. Solche Alarme kommen oft aus dem Interkommunalen Gewerbegebiet Blumhof.
Bretzke sieht 2025 als ein sehr erfolgreiches Jahr und verweist dabei neben erfolgreichen Einsätzen ohne Verletzte auch auf das Zeltlager der Jugendfeuerwehr, das gemeinsam mit der Stockacher Feuerwehrabteilung Espasingen ausgerichtet wurde. „Das hat großen Spaß gemacht und viele neue Freundschaften sind entstanden,“ sagt Bretzke. Außerdem sei dabei viel Wissen vermittelt worden.
Abteilung Bodman kann mehr Mitglieder brauchen
Die Feuerwehr sehe den Trend, dass die Zahl der Einsätze immer mehr steige, erklärt er. Man habe aber auch neue Mitglieder gewonnen, wobei die Abteilung Bodman mehr Leute brauchen könnte. Drei Abgängen stehen sechs Zugänge entgegen. In beiden Ortsteilen gebe es aktuell 90 aktive Feuerwehrleute, wobei diese teilweise noch in der Grundausbildung seien und alleine 63 der 90 in Ludwigshafen seien.

Die Abteilung Ludwigshafen fiebert ihrem neuen Feuerwehrhaus entgegen, für das dieses Jahr nach langem Warten die Planungsphase beginnt. Dieses Projekt ist eines, an dem Verwaltung und Gemeinderat in sämtlichen Debatten um die Finanzlage der Gemeinde stets festgehalten haben. Bereits vor zwei Jahren hat das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans und das Zielabweichungsverfahren für das anvisierte Grundstück am Ortsrand Richtung Stockach begonnen.
Und wie groß soll der Neubau im Vergleich zur jetzigen Wache in Ludwigshafen werden? Nach kurzem Überlegen antwortet Bretzke: „Mindestens vier Mal so groß.“ Das muss es auch, denn die Einsatzkräfte und die Ausrüstung brauchen Platz. Jetzt ist alles beengt und mit der schmalen Treppe auch nicht einfach, was man beim Besuchdes Gebäudes sieht. Im Versammlungsraum hätten nicht alle Mitglieder der Abteilung gleichzeitig Platz, so Bretzke.
Die provisorische Zweigstelle im Unterdorf
Jahrelang musste ein Fahrzeug, das LF 8/6, aus Platzmangel sogar draußen stehen, was vor allem im Winter ein Problem war. Inzwischen steht es in einer großen alten Garage neben der katholischen Kirche. Die Gemeinde hat die ehemalige Schlosserei gekauft und stellt der Feuerwehr den Platz zur Verfügung. So hat diese nun zwar zwei Standorte, aber die Entfernung ist nicht weit. Im sozialen Netzwerk Facebook nannte die Feuerwehr diese Garage scherzhaft die „neue Feuerwache Unterdorf“.

Die Feuerwehr schrieb: „Nachdem die Gemeinde eine alte Schmiede erworben hat, entstand schnell die Idee, unser Fahrzeug bis zum Neubau des neuen Feuerwehrhauses dort unterzustellen. Gesagt, getan: Nach einigen Aufräum- und Umbauarbeiten steht unser LF 8/6 nun einsatzbereit in der Hauptstraße – in der ehemaligen Schlosserei Karle.“ Auf dem Hof gilt absolutes Halteverbot, da das Fahrzeug jederzeit für einen Einsatz herausfahren können muss.

Das in die Jahre gekommene LF 8/6 soll übrigens baldmöglichst durch ein neues Fahrzeug ersetzt werden. „Wir wollen es dieses Jahr beantragen“, erklärt Bretzke. Das sei ein langwieriger Prozess, da die Wartezeit bis zur Lieferung rund zwei Jahre beträgt.
Bretzke steckt viel Zeit ins Ehrenamt
Die Arbeit am Zuschussantrag für das Fahrzeug ist übrigens eine der vielen Aufgaben, die Bretzke neben den eigentlichen Einsätzen hat. Als Gesamtkommandant liegt viel Papierkram und Hintergrundarbeit in seinen Händen. Zusammengerechnet würde das einem Teilzeitjob entsprechen, ist und bleibt aber reines Ehrenamt. Für ihn und andere Funktionsträger gibt es lediglich eine Ehrenamtspauschale für das ganze Jahr. In seinem Fall sind rund 100 Euro im Monat.
Die Liste der Dinge, die Bretzke macht, ist lang: regelmäßige Sitzungen im Ort, 12 Sitzungen im Jahr auf Kreisebene, Absprachen mit Lieferanten, viel Bürokratie, Ausbildung, Gespräche mit der Gemeinde, die Beantwortung von Brandschutz-Anfragen samt Vor-Ort-Terminen und mehr. Ganz zu Schweigen von den Autofahrten für die Termine. Da kämen pro Woche 20 bis 25 Stunden zusammen, erklärt er. Aber: „Ich bin aus voller Überzeugung und Berufung bei der Feuerwehr.“

Bretzke war bei fast allen der 75 Einsätze im vergangenen Jahr dabei. Dazu kamen 44 Einsätze mit der Drohneneinheit, so dass er auf fast 120 Einsätze kommt. „Das ist circa jeden dritten Tag einer“, rechnet er um.
Und wie geht das mit seinem Beruf, dem ebenfalls freiwilligen Polizeidienst und seinem Privatleben? Das Private leide darunter schon, sagt er ganz offen. Sein Arbeitgeber unterstütze das Ehrenamt und im Ernstfall gebe es auch kurze Wege und vorhandene Kontakte für eine gute Zusammenarbeit der Polizei und Feuerwehr oder anderen Blaulichtorgansisationen.
Beeindruckende Laufbahn und drei Wünsche
Dem 44-Jährigen ist das Ehrenamt sehr wichtig. Er ist seit 1999 bei der Feuerwehr, also inzwischen 27 Jahre. Obwohl das beeindruckend ist, sieht er zu denen auf, die sogar 50 Jahre vorweisen können – das könne man nicht hoch genug schätzen, so Bretzke. Ein Großteil seiner Feuerwehrzeit war übrigens in Leitungspositionen. Inzwischen ist er seit zehn Jahren Gesamtkommandant von Bodman-Ludwigshafen, davor war er fünf Jahre lang Abteilungskommandant von Ludwigshafen und die fünf Jahre davor wiederum stellvertretender Abteilungskommandant.

Die Frage nach seinen drei größten Wünschen für 2026 kann Steffen Bretzke leicht beantworten: Er wünscht sich, dass die Planung für das neue Feuerwehrhaus wirklich gemacht wird, dass auch die Bestellung des neuen Löschfahrzeugs auf den Weg gebracht wird und dass die Abteilungen neue Mitglieder gewinnen können.

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