Sowas muss man eigentlich mal erlebt haben: Eine Gemeinderatssitzung im Wald mit Fahrten im Feuerwehr-Mannschaftstransportwagen zu verschiedenen Stationen, spannenden Infos von Waldexperten genau an den Stellen, um die es geht, und nach dem Ratsbeschluss sogar noch gemeinsames Grillen in der Hütte am Grillplatz.

Bodman-Ludwigshafen macht es gerne mal anders und nach den Live-Übertragungen der Gemeinderatssitzungen im Internet, kam diese besondere Sitzung am Tag nach Ostern. Maßnahmen im Gemeindewald werden immer auf zehn Jahre geplant – das nennt sich Waldeinrichtung. Und an diesem Abend konnten die Räte und anderen Teilnehmer sehen, ja sogar anfassen, was Förster Alexander Fischer macht und wie langfristig er mit Hilfe seiner Kollegen von Kreis und Land zum Wohl des Waldes plant.
Infos zu Waldentwicklung an Ort und Stelle
Tobias Miller (Landesforstverwaltung), der die Waldinventur- und einrichtung mit Fischer gemacht hat, und Nils Uhlenhaut (Kreisforstamt) waren dabei und erklärten gemeinsam mit Fischer, welche Baumarten sich wie entwickeln, was getan wird, damit Rehe sie nicht anknabbern, und wie der Wald klimastabil für die Zukunft aufgestellt wird. Dazu noch Vieles mehr.
Wie immer hatten die Räte etliche Detailfragen, die alle drei Männer aus dem Stehgreif beantworten konnten. Vielleicht waren es auch ein paar Fragen mehr als sonst – so dauerte diese Ratssitzung mit Exkursion an vier Standorten rund zwei Stunden, ehe es zum Grillplatz zurückging, wo Miller sogar noch mehr Infos und Zahlen dabei hatte.

Wald der Seegemeinde besser als der Durchschnitt
Eine der wichtigsten Botschaften des Abends: Der Wald der Doppelgemeinde steht deutlich besser da, als der Durchschnitt bei Kreis, Land und Bund. Dort gibt es deutlich dichteren Bewuchs und Holzvorrat. Bodman-Ludwigshafen hat 402 Quadratmeter pro Hektar, der Durchschnitt in Baden-Württemberg sind 373 und in Deutschland 334. In der Seegemeinde ist der Anteil an Laubbäumen mit 63 Prozent höher als bei Bund und Land mit 47 Prozent.
Miller und Uhlenhaut hatten viel Lob für Alexander Fischer dabei, dem sich die Räte und Bürgermeister Christoph Stolz vollauf anschlossen. Alle sind mehr als zufrieden.
Wie ein Holzthema spannend wird
Durch den Tourismus steht bei vielen Themen der Bodensee im Mittelpunkt – dass die Räte nun in den Wald gingen, der für die Gemeinde auch sehr wichtig ist, zeigte, was für beeindruckende Schätze und Schönheiten die Gemeinde neben dem See hat. Fischer griff auch explizit auf, dass der Wald trotz Anpassung ans Klima attraktiv bleiben solle und sanft ohne Kahlschläge umgebaut werde.
Die gewaltigen Bäume zu sehen und zwischen ihnen zu laufen, ist etwas Besonderes. Mehr noch, wenn man erfährt, wie alt sie sind und was getan werden muss, um so einen schönen Wald zu erhalten und mit klimastabilen Baumarten oder Artenkombinationen weiterzuentwickeln.

Wie gut das in der Seegemeinde funktioniert, bewiesen die vier Stationen der kleinen Rundreise und die Zahlen von Tobias Miller. Seine Vorschläge für die kommenden zehn Jahre erhielten am Ende einhellige Zustimmung.
Alexander Fischer und Tobias Miller haben die Waldinventur und die Zehn-Jahres-Planung übrigens in einem umfangreichen Werk festgehalten, mit dem Fischer bei der Waldbewirtschaftung arbeitet. Die Auszüge zu den vier Stationen des Abends hatten sie für die Anwesenden in Kopie dabei.
Vier Stationen mitten im Wald
So gibt es zum Beispiel am Mühlsbergweg eine Eichenkultur in schützenden Wuchshüllen, damit Rehe und größeres Wild die kleinen Bäumchen nicht anfressen und zerstören können. Auf diesen 0,3 Hektar wachsen 90 Prozent Stileiche und 10 Prozent Buche. Sie sind recht eng gepflanzt, was direkt Fragen auslöste. Die Experten erläuterten, das sei Absicht, damit schöne gerade Bäume entstehen, die keine Verästelungen haben und gutes Holz zur Verwertung ergeben.

An der zweiten Station weiter im Wald am Körnerrieseweg gab es eine 0,8 Hektar große Kultur, die von einem Zaun umgeben ist. Drin stehen 60 Prozent Stieleiche, 30 Prozent Hainbuche und 10 Prozent Laubholz. Dort müsse der vorhandene Fichtenbestand mittelfristig in einen klimastabilen Mischwald umgebaut werden, schilderten die Männer.
Der dritte Punkt im Wald führte zu Fuß weit in einen nicht befahrbaren Weg zum Zimmermannsplatz hinein, wo Douglasien und Fichten in Schutzhüllen wachsen, sowie eine Nachbarfläche mit halb Douglasie und halb Laubholz (Linden, Hainbuchen und Kirschen). Die Douglasien haben dort Pfisterpfähle, also Holzpfähle mit Metallringen, die Martin Sernatinger hergestellt habe und eine günstige Schutzvariante seien, so Fischer. Der umgebene Wald müsse auch dort mittelfristig in einen klimastabilen Mischwald umgebaut werden.



Der letzte Anlaufpunkt war ein Bestand am Marktalweg – 100 Jahre alte Bäume, die weit in den Himmel ragen. Dort stehen zudem 31 Habitat-Bäume, die Tieren aller Art als besonderer Lebensraum dienen, der nicht entfernt werden darf. Mit dieser Anzahl habe man dort auf 15, 2 Hektar doppelt so viel, wie vorgeschrieben sei, sagte Fischer.
Genau gesagt stehen dort 70 Prozent Buche, 15 Prozent Fichte, 10 Prozent Douglasie und 5 Prozent Lärche sowie ein paar sonstige Baumarten. Die Fichten seien erntereif und die Verjüngung des Waldes sei ein Ziel. Mit anderen Worten: Neue Bäume, die ebenfalls wieder 100 Jahre alt werden sollen. Einiges ist dort sogar schon ganz natürlich gewachsen und soll in der Entwicklung gefördert werden. Sehr interessant auf diesen 15,2 Hektar: Trotz gleichem Alter und gleicher Höhe haben sich die Bäume unterschiedlich dick entwickelt.

Sturm, Käfer und Dürre sind Probleme
Insgesamt hat der Gemeindewald 50 Prozent Buchen. Unter den anderen Baumarten ist die Fichte mit 16 Prozent die nächsthäufigste Art, gefolgt von Lärche, Bergahorn, Kiefer und Douglasie sowie sonstigen Laubbäumen. Alle Laubbäume zusammen machen 63 Prozent aus, Nadelbäume 35 Prozent. Inzwischen gibt es auch 1 Prozent bloße Flächen.
Unwägbarkeiten im Wald waren und sind weiterhin Käfer, Sturm und Dürren. Solche Schadensursachen machen immer wieder neben geplanten Hieben Zwangsnutzungen notwendig. Das Holz muss dann gefällt werden. Laut Millers Zahlen sind sogar 40 Prozent des Holzeinschlags so eine Zwangsnutzung.

Mit den Holzpreisen ist es auch so eine Sache. Zwischen Planung und Ausführung eines Hiebs können diese sich stark verändern. Alexander Fischer erklärte, mit dem Wissen von heute hätte er einen Hieb an der Schnabelburg nicht gemacht, da die Preise mittendrin in den Keller gerasselt seien.
Was bis 2035 passieren soll
Der Plan in den kommenden Jahre, dem der Rat zugestimmt hat, sieht nun so aus: Der Hiebsatz soll mit 8,4 Kubikmeter pro Hektar und Jahr so wie bisher bleiben. Bei den Buche-Althölzern soll es nur ein sehr sanftes Eingreifen geben. Für die Waldverjüngung sind 24,5 Hektar geplant, auf denen 67 Prozent aus Naturverjüngung kommen sollen.

Auf 8 Hektar sollen 14 Baumarten gepflanzt werden. Jungbestandspflege findet auf 33,3 Hektar mit einer Sicherung der Mischbaumarten und ihrer Qualität statt. Zwar sei alles stark vom Markt und der Zwangsnutzung abhängig, doch Miller sprach von einem ausgeglichenen Betriebsergebnis trotz hoher Investitionskosten in den Waldumbau durch die Kulturen.







Schreibe einen Kommentar