Schnäppchen aus der Aservatenkammer: Faszinierende Versteigerungen bei der Firma R. Moll

Sowas muss man wirklich selbst mal sehen und erleben: Die Versteigerungen bei der Firma R. Moll im Stockacher Industriegebiet Hardt sind ganz großes Kino. Ein Interessent kam sogar extra aus Berlin nach Stockach. Überhaupt reisen Fahrzeughändler von sehr weit an, um verkaufbare Autos oder Schlachtfahrzeuge für Ersatzteile zu ergattern.

Dabei sind diese Fahrzeuge zum Teil Diebesgut und andere Dinge kommen aus Beschlagnahmungen der Staatsanwaltschaft. Zudem landen Insolvenzmassen oder Gegenstände aus Nachlässen in die Versteigerungen.

Manche suchen gezielt etwas, andere kommen einfach mal zum Schauen. Diese Versteigerungen haben eine ganz besondere Dynamik und Faszination. Viele kommen auch einfach aus Neugier, um zu schauen, was es gibt und wie die Versteigerung läuft. Wann kriegt man auch sonst schon mal die Chance soetwas live mitzuerleben?

Die Versteigerung Ende Februar hatte rund 50 Autos und Transporter im Angebot. Die meisten davon gingen auch weg. Wenn das ganztägige Event mit diesen Posten startet, ist die Halle immer bis zum Anschlag voll. Trotzdem findet nicht alles einen Käufer – das gilt für alle der 451 Posten, die dieses Mal auf der Bieterliste standen. Im Gespräch mit „Tiefgang“ erzählt Rolf Moll, so viele Autos wie dieses Mal habe es wohl noch noch gegeben.

Versteigerung und Freiverkauf locken

Bereits am Freitagmittag gibt es immer Gelegenheit zur Besichtigung. Raphael Moll, sein Vater Rolf und das ganze Team sind dann laufend auf dem Gelände unterwegs, bereiten vor und beantworten Fragen der Interessenten. Die laufen mit den Listen herum, auf denen alle Gegenstände, ein paar Eckdaten und der Aufrufpreis stehen, mit dem dann die Versteigerung beginnt. Von 5 bis 19.000 Euro war dieses Mal alles dabei.

Das Gelände der Firma ist schon bei der Besichtigung wie ein Bienenstock – am Samstag ist dann noch mehr los. Auch da gibts nochmal zwei Stunden Zeit zum Schauen und Festlegen der Strategie, ehe es losgeht. Außerdem ist dann in einem Raum ein Freiverkauf. Dort können Schnäppchenjäger direkt Klamotten, Schuhe, Parfum, Deko, Modeschmuck und Hochprozentiges kaufen. Die Schlange an der Kasse erstreckt sich dann teilweise durch den ganzen Raum und die Einkaufskörbe sind voll. Die Geldbeutel nachher nicht mehr ganz so.

Plötzlich steht die Polizei in der Halle

Dieses Mal begann die Versteigerung mit dem Besuch von zwei Polizistinnen. Sie brachten einen Zettel mit vier Kennzeichen – Falschparker, die Rolf Moll über das Mikrophon erst mal zum Umparken schicken musste. Und es blieb nicht der einzige Besuch an diesem Tag. Jeder freie Platz im Umkreis von mindestens einem Kilometer um das Betriebsgelände war zugeparkt, aber in der Kurve oder vor Einfahrten stehen, ist trotzdem nicht erlaubt.

Als es endlich losgehen konnte, schnappte sich ein Verwerter direkt zwei Autos als „Organspender“, wie Rolf Moll es ausdrückt. Er hat immer einen lockeren Spruch auf der Zunge und weiß, wie er mit den Bieter umgehen muss. Kein Wunder, schließlich macht er das auch schon viele Jahre und kennt seine Pappenheimer. Ebenso die Bieter untereinander. Da seien schon einige Freundschaften entstanden, sagt Moll.

Bei einem Rechtslenker mit 250 Euro Startpreis lockte er die Bieter damit, dass die Queen da vielleicht mal mitgefahren ist. Am Ende wechselte das Fahrzeug für 150 Euro den Besitzer, denn wenn der Startpreis nicht geboten wird, sind bei vielen Positionen auch frei eingerufene Preise möglich, sofern vom Eigentümer oder der Behörde kein Limit gesetzt worden ist.

Behörden – ja, das ist auch kein Geheimnis. Vielleicht ist es auch gerade das, was die Menschen so fasziniert. Moll erklärt sicherheitshalber auch zu Beginn, woher die Sachen kommen, damit alle wissen, woran sie sind. Von alten Hasen bis zu Versteigerungsneulingen sitzt alles und jeder in den Reihen. Kati Reuther, die gemeinsam mit Moll die Versteigerung leitet, erklärt deshalb auch noch die Versteigerungsbedingungen nochmal.

Ganz besondere Dynamiken

Und dann geht es oft ruckzuck. „Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten!“ kann es manchmal in nur einem Atemzug heißen, wenn nur ein Bieter etwas möchte. Bei anderen Dingen kommt es auch vor, dass minutenlang der Preis in die Höhe geht. Die Auktionatoren müssen dann den Überblick behalten, welche Bieternummern in die Höhe gehalten werden und wer am Ende den Zuschlag erhält.

Jedes Mal sind andere Waren in den Versteigerungen, aber es gibt nichts, was es nicht gibt. So gehörte dieses Mal auch Inventar aus einem aufgelösten Internat dazu, zum Beispiel rollbare Schultafeln, Beamer und eine Industriewaschmaschine. Einer der Beamer wechselte für 7 Euro plus 15 Prozent Aufgeld und Mehrwertsteuer auf das Aufgeld den Besitzer.

Der Kampf um den besten Preis

„Ruft mir was zu“, forderten die Auktionatoren, wenn der Aufrufpreis keine Reaktion brachte. So erhielt eine Frau ein Pedelec ohne Schlüssel für 200 statt 400 Euro. Ein Mann ergatterte 10 Toner für 50 Euro, obwohl diese mit 400 Euro im Bieterkatalog standen.

Manchmal sank so zunächst auch ein Einstiegsgebot, um dann in die Höhe zu schnellen: Ein Opel Rekord C hatte einen Ausruf von 2000 Euro, den aber niemand bieten wollte. Auf Zuruf kam ein Gebot von 1000 Euro, dann boten sich mehrere Personen auf ein Endgebot von 1700 Euro hoch.

Was auch vorkommen kann: Ein schriftliches Gebot, das vorher eingereicht wurde, sticht die Anwesenden aus oder sorgt dafür, dass die Summe gleich mal viel höher startet.

Die Versteigerung war faszinierend – mal interessierte etwas gar nicht, dann überschlugen sich die Gebote wieder. Wenn es bei 5 Euro losging, nahm Kati Reuther die Gebote in 1er, dann 2er-Schritten an. Auf diese Art wechselten Staubsauger, Bügeleisen und andere Haushaltsgeräte den Besitzer.

Ein bisschen Humor war auch immer dabei. Als ein Mann das Bieterduell um einen Pflanzenlampe gewann, bemerkte Kati Reuther: „Und was machst du mit damit?“ Alle lachten.

Rolf Moll erzählt

Diese Versteigerung finden meist einmal im Frühjahr und einmal im Herbst statt. Früher seien 100 Sitzplätze gestuhlt worden, inzwischen seien es mehr, erzählt Rolf Moll. Ihm macht es großen Spaß. Er findet die große Bandbreite an Menschen toll, die kommen und mitbieten.

Rolf Moll und sein Sohn Raphael, der inzwischen die Firma leitet.

Was sich bewährt habe, seien die Wunderboxen. Das sind Kisten, in denen zu einem bestimmten Warengebiet wie Garten oder Werkzeuge viele Teile reingepackt werden. „In jeder Kiste ist das mehrfache vom Ausrufpreis drin“, erklärt Moll. In der aktuellen Versteigerung waren wieder einige Boxen dieser Art dabei. Eine mit Computerteilen startete bei 20 Euro und landete bei mehr als 100 Euro.

Er kennt auch die Geschichten der Waren, die unter den Hammer kommen. Die Spiegelreflexkamera, die dieses Mal dabei waren, kamen zum Beispiel von einer Ermittlungsbehörde. Bei den Autos und Motorrädern hat auch jedes einen Hintergrund, den Moll auswendig erzählen kann.

Es gab auch ein Motorrad, dessen Besitzer es nicht für nötig gehalten hatte, einen Führerschein zu machen – irgendwann wurde das Zweirad dann eingezogen und kam nun unter den Hammer. Zwei Sprinter wurden im Auftrag einer Bank versteigert, die noch drei Arbeitstage Zeit hat, das Endgebot abzusegnen. Und ein roter Oldtimer kam aus einer Sammlung eines Verstorbenen – er war den Interessenten noch zu teuer und kommt laut Moll samt weiteren Oldtimern in die nächste Versteigerung.

Schon der Blick auf die vielen Waren und den Aufwand, der hinter der Versteigerung steckt, ist beeindruckend. Noch beeindruckender: Nochmal so viel steht schon für die nächste Veranstaltung bereit.

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