Marienschlucht mit Kino-Feeling: Dokufilm über das Naturwunder füllt die Reihen im Seeum

Ja, es war wie im Kino. Und es gab sogar frisches, duftendes Popcorn. Ein halbstündiger Dokufilm über die Sperrung und den langen Weg zum Bau des neuen Stegs in der Marienschlucht hatte eine Wirkung wie ein Hollywood-Blockbuster: Die Reihen waren fast voll. Voller als so mancher Kino-Saal in Singen oder Konstanz – und, na ja, sogar voller als bei der Einwohnerversammlung zum Thema Glasfaserausbau im Juli. Bürgermeister Christoph Stolz sah es sportlich und begrüßte die Anwesenden und Ehrengäste scherzhaft im „Cinestar Bodman-Ludwigshafen“ mit einem kleinen Verweis auf die zurückliegende Versammlung.

Stolz hatte auch eine gute Nachricht zu dem einen offenen Thema, das es noch bei der Marienschlucht gibt: Die Toiletten. Er versicherte: „Wir sind dran.“

Das riesige Interesse zeigte die Bedeutung der Marienschlucht für viele Menschen vom Bodanrück. So nannte Stolz sie auch „ein Stück unserer Identität“. Die Anwesenheit von Gästen und Vertretern aus allen Gemeinden, auf deren Gemarkung sie liegt, zeigte das ebenfalls. Der Allensbacher Bürgermeister Stefan Friedrich und der Konstanzer Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn waren im Publikum und natürlich viele Baubeteiligte wie Landschaftsplaner Christian Seng und Clemens Schöpf sowie Simone Rettich-Bickel von Stahlbau Rettich. Besonders war, dass Gotthard Deuse, der Alt-Bürgermeister der ostdeutschen Partnergemeinde Mügeln, und seine Frau extra ihren Urlaub in Bodman-Ludwigshafen verlängert hatten, um den Filmabend zu besuchen.

Die Geschichte der Schlucht und Arbeiten

Alt-Bürgermeister Matthias Weckbach, der als Projektleiter auch Mr. Marienschlucht genannt wird, saß nicht nur live unter den Gästen, sondern war der Hauptprotagonist und Erzähler im Doku-Film „Zwischen Fels und See – Neuanfang der Marienschlucht“ von Kai Lehmann (Image Works). Er zeichnete darin nach, wie die Schlucht Anfang Mai 2015 verschüttet worden war, dass eine Frau dabei gestorben war und welche Überlegungen und Schritte es in den folgenden Jahren für die Marienschlucht gab. Er tauchte immer wieder im Film aus und erklärte die Arbeiten und Herausforderungen. Auch mehrere Planer und Baubeteiligte kamen zu Wort.

In beeindruckenden Bildern konnte man 11 Jahre in 27 Minuten erleben – wie die Schlucht zugewachsen und mit maroden Überbleibseln der Holztreppen ausgesehen hat, welche besonderen Pflanzen und Vögel sich dort befinden und wie in schwindelerregenden Höhen Bäume gesichert und gefällt oder Felsanker für den neuen Steg gesetzt wurden.

Wilderich Graf von und zu Bodman fehlte natürlich weder im Film, noch im Saal, wo er gemeinsam mit seiner Frau Maria-Claudia die Dokupremiere verfolgte. Er zeichnete in dem Film nach, wie die Marienschlucht zu ihrem Namen gekommen war. Und er erzählte, dass er in seinem Leben schon mehrere Wiedereröffnungen der Schlucht erlebt habe, da sie schon mehrfach verschüttet gewesen sei.

Aktuelle Unwetter und die Marienschlucht

Ob das jetzt ein Ende hat? Der neue Steg ist so angelegt, dass er in zehn Metern Höhe und mit Abstand zum Fels verläuft. Heißt: Loses Gestein oder Erde fällt zwischen Steg und Fels durch. Bei den beiden jüngsten Unwetter bliebt immerhin die eigentlich Schlucht unbeschädigt. Auf den verschiedenen Wegen, die zu ihr führen, gab es allerdings Baumstürze, deren Aufräumen mehrere Tage dauerten. Christoph Stolz wies am Filmabend aber ausdrücklich darauf hin, dass es beim Gewitter am Dienstagabend keine neuen Schäden gegeben habe. Der Film ist inzwischen auf der offiziellen Internetseite der Marienschlucht zu finden: marienschlucht.info

Was der Film visuell und in den Erzählungen hervorhob, fasste Stolz in seinen eigenen Worten zusammen: Man sehe, was entstehen könne, wenn Menschen gemeinsam für ein Ziel anpacken. Er fand den Film sehr gelungen, da er die Gedanken und Herausforderungen bei der Wiederbegehbarmachung der Marienschlucht zeige.

Der Abend zeigte zudem eindrücklich, dass sich der Seeum-Saal durchaus als Kino eignet. Das Team um Jonathan Noll hatte mit Popcorn und Getränken die passende Atmosphäre geschaffen und der Lichterhimmel im Saal schafft immer eine besondere Stimmung. Cineplex und Cinestar gibt es ja schon, aber wie wäre es ab und an mal mit einem Cinesee(h) im Seeum? Oder Zollhaus? Für beide Ortsteile wäre das eine tolle Sache, vor allem in den Herbst- und Wintermonaten.

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