Hunderte bepflanzen Beedabei-Kästen: Jubiläumsaktion im Schlösslepark übertrifft alle Erwartungen

Der Schlösslepark von Ludwigshafen war am Sonntag wie ein Bienenstock. Hunderte Menschen machten bei der großen Beedabei-Pflanzaktion zu „200 Jahre Sernatingen wird Ludwigshafen“ mit. So kamen sogar weit mehr als die 200 gelben Kästen mit insektenfreundlichen pflanzen zu einer gigantischen 200 zusammen. Also erhielt sie ganz einfach noch einen Strich drunter, der aus weiteren Kästen bestand und diese Zahl und die gelungene Aktion unterstrich.

Das Wort „gelungen“ ist sogar eigentlich noch viel zu Schwach: Die Resonanz und die Stimmung war unglaublich positiv und die bereitsgestellten Blumen reichten gerade so. Die Teilnehmer bepflanzten mit Begeisterung und riesigem Spaß ihre Kästen mit jeweils vier bienenfreundlichen Pflanzen, zum Beispiel Fetthenne, Lavendel, Thymian und Oregano. Auch Katzenminze oder eine Aster kamen noch in geringerer Anzahl dazu, als von den anderen Pflanzen nicht mehr alles da war. Die Teilnehmer konnten zwischen drei verschiedenen Kombinationen wählen.

Drei Mal Sernatingen

Aber nochmal ein Stück zurück. Während sich die Besucher schon im Schlösslepark sammelten, kamen die Mitglieder des MSC Sernatingen mit ihren Oldtimern und Ehrengäste an der Sernatingenschule zusammen. Von dort aus fuhren sie im Korso durch die Sernatingenstraße zum Schlösslepark – so kam also alles, was noch den früheren Namen von Ludwigshafen trägt zusammen, um zu der Jubiläums- und Umweltaktion zu führen.

Im Schlösslepark stand nach der Ankunft zunächste der offizielle Teil und die Erklärung an. Daniel Trisner eröffnete als Initiator der Aktion „Sernatura Beedabei“ die Veranstaltung und umriss die Hintergründe und Wortbedeutung, die Sernatingen, Natur, Bienen (Bee) und dabeisein beinhaltet. „Wir sind mit dabei, einen aktiven und sichtbaren Beitrag für Natur, Tier und Umweltschutz zu leisten – und das mit einem Kunstwerk 200 als Jubiläumsbeitrag“, führte er die internationale Aktion Beedabei mit dem lokalen Jubiläum zusammen. „Mit Ihrem Kommen setzen Sie ein Signal.“ Sie Pflanzen ein Stück Hoffnung, denn jeder bepflanzte Blumenkasten ist ein kleines Stück blühende Zukunft, ein Gemeinschaftserlebnis für die Bewahrung der Lebensgrundlage von Mensch und Natur.

Die Teilnehmer pflanzen Hoffnung

Das Projekt sei generationsübergreifen, trage zur Bildung bei, sei natur- und umweltbewusst, schaffe Lernorte und stärke die lokale Identität. Dementsprechend hob er auch das Beedabei-Kunstprojekt des Kindergartens St. Michael hervor, das in einer dreitägigen Ausstellung zu sehen war. Ihm sei die Luft weggeblieben, weil die Kinder das so wunderbar dargestellt hätten.

In seinen Erklärungen zum Projekt und den gelben Kästen sagte Trisner: „Jeder Kasten steht für einen Menschen, der mitmacht und Hoffnung pflanzt.“ Jeder Kasten sei auch ein Stück grüne Zukunft.

Andreas Jung und seine Verbindung zum See

Als Ehrengast sprach Andreas Jung einige Grußworte. Dies sei sein letzter Termin als Bundestagsabgeordnerter, sagte der neue Kultusminister von Baden-Württemberg. Er werde nun sein Mandat für die neue Aufgabe niederlegen und freue sich sehr, dass sein letzter Termin in Bodman-Ludwigshafen sei, da ihn aus seiner Kindheit viel mit der Gemeinde verbinde. Er war mit seinen beiden Söhnen da und sie mischten sich auch unter die Pflanzbegeisterten.

„Es ist mir eine Freude, hier zu sein, “ so Jung. „Es ist für mich ein bewegender Tag, weil ich seit dieser Woche Kultusminister in Baden-Württemberg sein darf, aber weil ich auch heute noch Bundestagsabgeordneter bin.“ Dies sei seine letzte Veranstaltung als Abgeordneter. „Ich habe seit meiner Kindheit eine enge Verbindung zu Bodman-Ludwigshafen. Meine Eltern haben hier ihr Boot liegen gehabt. Wir haben hier viel Zeit verbracht.“ Er sei der Gemeinde immer Verbunden gewesen und habe dort sein bestes Ergebnis bei den Erststimmen erreicht.

Jung beschrieb den Aktionstag als eine Verbindung der Aspekte seiner bisherigen Arbeit als Abgeordneter und der zukünftigen als Kultusminister: Umweltschutz und Bildung. „Beides kommt in wunderbarer Weise zusammen.“

„Es ist besonders, dass Sie sich als Dorfgemeinschaft hier aufgemacht haben, um das auf den Weg zu bringen mit einem Verein, der sich für Entwicklungshilfe einsetzt“, so Jung. Damit meinte er die Dorffreundschaft Maygas, deren Vorsitzender Daniel Trisner ist.

Die Bedeutung von Biodiversität

Jung wies auf die Bedeutung der Biodiversität hin, zu der Beedabei beiträgt: „Es ist Resilienz und Zukunftsfähigkeit. Biodiversität ist das Netz, das unser Leben trägt. Es ist die Grundlage von Leben und von Wirtschaft. Das ist kein Gegensatz, sondern gehört zusammen.“ Die Vielfalt sei ein Schatz und eine Bereicherung. Er verwies auf Japan, wo Arbeiter Pflanzen von Hand bestäuben müssten, weil die Bienen nicht mehr da seien.

Daher sei es großartig, dass bei der Aktion jeder mit einem Blumenkasten einen Teil Biodiversität mit nachhause nehmen könne. Das leiste einen Beitrag zur Artenvielfalt. Er danke daher für diese Initiative.

Bürgermeister zeigt sich beeindruckt

Diesem Dank schloss sich Bürgermeister Christoph Stolz als Gast bei der Veranstaltung diesem Dank an und griff die historischen Aspekte auf. Sernatingen am See-Ende sei ein sehr bedeutender Hafen und Umschlagplatz für Waren gewesen. „Jedes Ende ist auch immer der Anfang von etwas, das folgt. Mit dem Ende des Sees kam der Anfang der weiteren Welt“, sagte er. Sernatingen sei ein wichtiger, strategisch bedeutender Punkt, weshalb der Ludwigshafen, also der Hafen Großherzog Ludwigs entstanden sei.

Der Aktionstag, der so vieles in sich vereine sei „eine Bienenwabe voll mit süßen Speisen“. Stolz betonte auch, dass er die Idee des Vereins und von Daniel Trisner sehr beeindruckend finde – „eine ganz große Leistung“.

Er glaube, dass die Gesellschaft vor großen Herausforderungen stehe undnäher zusammenrücken müsse. „Wir brauchen viel mehr von diesem Geist: Was können wir füreinander tun?“ So eine Aktion wie mit den Blumenkästen habe eine identitätsstiftende Wirkung. „Ich freue mich, weil wir im Laufe der kommenden Tage diese Blumenkästen im ganzen Ort sehen werden.“ Besucher würden dann sicherlich fragen, was es damit auf sich habe.

Riesenspaß im Schlösslepark

Die Aktion selbst hatte zwar einen einfachen Ablauf, brauchte aber Zeit: Erst durfte sich jeder einen gelben Blumenkasten nehmen, dann mit der Wundererde Terra Preta von einem Anhänger füllen und den Kasten auf einen der vorbereiteten Tische stellen, wo die Helfer mit Kreppband den Namen draufklebten. An der Pflanzenstation gab es die drei Ausgabestellen mit den verschiedenen Pflanzenkombinationen. Nach dem Anstehen bei motivierender Musik wurde alle zu Gärtnern mit mehr oder weniger Routine. Genau das machte aber den Spaß aus und alle Kästen sahen toll aus.

Spätestens als die ersten beim Bepflanzen waren, glich der Schlösslepark einem Bienenstock. Alle schwirrten umher: Die einen holten noch etwas, die anderen brachten schon ihre Kästen zur Wiese, wo die 200 entstand. Menschen aller Altersklassen machten mit und unterhielten sich dabei auch angeregt.

Für die Kinder gab es zwar extra eine Aktionsfläche mit Spielprogramm, aber viele machten eifrig bei den Kästen mit, ja durften sogar auf den Anhänger mit der Erde und dort die Kästen füllen.

Die Kästen-200 wird spontan unterstrichen

Die Form 200 aus den 200 Kästen wuchs unglaublich schnell. Die Teilnehmer waren so aktiv, dass sie dem Zeitplan sogar davonrannten und die Drohne früher in die Luft steigen konnte, um erst ein Foto der fertigen Zahl zu machen und dann noch als weiteres Motiv alle Menschen im Kreis um die die 200 herum.

Der Abend klang gemütlich aus, als die fleißigen Jubiläumsgärtner ihre Kästen holten oder sich noch eine Grillwurst gönnten. Walter Kleiner von der Zukunftsinitiative fuhr sogar für die, die ihren Kasten nicht selbst transportieren konnten, das mobile Bienenparadies nachhause. Dieser Lieferservice ermöglichte unter anderem auch Älteren die Teilnahme an der Aktion.

Ausblick auf die Jubiläumslilie

Stefan Strasser von der Lilienarche zeigte außerdem noch live, wie man die Pflanzenkohle für die Terra Preta herstellt, und Daniel Trisner erklärte, was dahinter steckt. Inzwischen hat er durch vorangegangene Veranstaltungen schon Routine darin – trotzdem spürt man jedes Mal seine Überzeugung und Begeisterung.

Trisner gab auch einen Ausblick die Lilientaufe am Dienstag, 25. August. Die extra gezüchtete Jubiläumslilie Hemerocallis Bodanum Sernaticum wird schon mit Spannung erwartet – und vor allem, wie sie aussehen wird. Die Farbe ist bisher noch nicht bekannt, da die Züchtung noch läuft.

Der Losverkauf für die neue Lilie, die im August genau 200 Tage nach der Pflanzaktion ihre Taufe feiern wird, lief an diesem Tag ebenfalls weiter. Viele glückliche Gewinner konnten so ein Gewinnerlos für eine von 200 Lilien im Wert von mehr als 30 Euro ziehen, die sie im August erhalten. Die restlichen Lose gibt es in der Touristinfo – zwei Stück für 200 Cent.

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