Furiose Vernissage von „Wasserwelten“ – mit Überraschung im Gästebuch

60, 22 und 9 sind drei wichtige Zahlen bei der neuen Ausstellung „Wasserwelten“ im Stadtmuseum Stockach: 60 Werke von 22 Künstlern gibt es in der ersten thematischen Ausstellung seit 9 Jahren zu sehen. Und ein guter Teil dieser Bilder besteht nicht nur mit Szenen aus der Umgebung am Bodensee, sondern einige stammen auch von Malern, die hier gelebt und gearbeitet haben. Werner Mollweide (1889-1978) und Otto Dix (1891-1969) zum Beispiel. Zu den großen Namen mit Wasser-Werken gehören Dalí und Chagall.

Ein Bild von Mollweide ziert die Plakate, Flyer und das Begleitbuch der Ausstellung. Museumsleiter Julian Windmöller hat extra recherchiert, wo es entstanden ist und zeigte die Antwort mit einem kleinen Videoclip, in dem die Besucher der Vernissage sehen konnten, wie ein Foto am Ufer des heutigen Ludwigshafen sind in das Mollweide-Bild verwandelt. Im Vordergrund würde man heute nichts mehr von damals erkennen, doch der Hintergrund mit den Hügel und der Burgruine Bodman zeigt: Mollweide hat dieses Werk in Ludwigshafen gemalt.

Spannendes hinter kleinen Türchen

Die Bilder zogen sofort alle in ihren Bann und die kleinen Geheimtürchen mit spannenden Hintergrundinfos zum Bild, der Technik, dem Ort oder anderen Dingen, kamen von der ersten Minute an sehr gut an. Dabei gehe es sogar in den naturwissenschaftlichen Bereich, wenn erklärt werde, wie zum Beispiel die blaue Stunde entstehe.

Julian Windmöller umriss in seiner Einführung diese interaktiven Ergänzungen, zu denen unter anderem auch der Audioguide gehört. Für Erwachsene und Kinder gibt es zwei unterschiedliche – bei den Kindern gehen die Figuren Kuony und Stocki mit den jungen Besuchern auf Entdeckungstour. Windmöller spielte einen kurzen Clip vor und bemerkte: „Natürlich durch auch Erwachsene den Kinder-Audioguide anhören.“ Das Publikum lachte und wer weiß – der eine oder andere macht es vielleicht auch.

Großen Rahmenprogramm und Museumstag

Das Programm ist ebenfalls umfangreich. In den sechs Monaten Ausstellungszeit bis zum 8. November gibt es Führungen, Theater und einiges mehr. Direkt am Sonntag, 17. Mai, beim Internationen Museumstag wartet das Stadtmuseum natürlich auch mit einigen Angeboten auf. Damit auch viele Schüler die Ausstellung besuchen können, übernimmt die Bürgerstiftung Stockach die Kosten dafür – das hat bereits Tradition und wird sehr gut angenommen.

Bürgermeisterin Susen Katter drückte in ihrem Grußwort aus, wie stolz sie auf die Leistung des Museumsteams ist. „Ich weiß, dass es richtig gut sein wird, da es ein tolles Team ist“, sagte sie fest überzeugt, ohne die Ausstellung zu diesem Zeitpunkt gesehen zu haben. Erst kamen die Reden in der Adler Post, dann ging es ins Museum.

Sie und Julian Windmöller freuten sich, Verwandte von Ehrenbürger Heinrich Wagner und Künstlern begrüßen zu können. Und beide machten deutlich: Ohne die Kunstsammlung Heinrich Wagner wären solche Ausstellungen nicht möglich. Susen Katter hob zudem hervor, dass Städte in der Größe von Stockach solche Ausstellungen normalerweise nicht bieten könnten. „Ich bin grundsätzlich bescheiden, aber damit gebe ich schon gerne an“, sagte sie und erhielt zustimmenden Applaus.

Faszination Wasser

Zum Thema Wasser kam die Bürgermeisterin ins Schwärmen: „Für mich ist Wasser ein Ruhepol und bedeutet Freiheit. Wasser fasziniert. Es findet immer einen Weg, ist mal ruhig und mal tosend. Kunst und Wasser sind imm er im Fluss und eröffnen neue Perspektiven.“

Windmöller ging in eine ähnliche Richtung, als er die Fragen formulierte, mit denen sich die Ausstellung beschäftigt: „Was zieht uns ans Wasser? Warum wollen wir hier leben? Die Antworten sind vielfältig. Das Leben am Wasser ist facettenreich.“

Alle Künstler, deren Werke in „Wasserwelten“ zu sehen sind, hätten gemeinsam, dass sie sich mit dem Leben am Wasser beschäftigen. Wie die Besucher dann selbst sehen konnten, bedeutet das allerdings nicht, dass auf allen Bildern automatisch Wasser zu sehen ist. Die Verbindung kann auch auf andere Weise bestehen oder die Darstellung kann sehr abstrakt sein.

Von Schatzkisten und Überraschungen

Die Ausstellung erstreckt sich über beide Museumsgeschosse im alten Forstamt. Im ersten Dachgeschoss sind viele verschiedene Künstler, während der Fokus im zweiten Dachgeschoss auf Werner Mollweide, Otto Dix und August Stroth liegt. Windmöller stellte die drei kurz vor und bezeichnete Mollweide als den „Porträtist des Überlinger Sees“.

Windmöller hob schließlich noch die Museumsrallye für Kinder und die Mitmachangebote hervor. Auf die kleinen Besucher warten Piraten-Taschen und die Rallye endet an einer Schatzkiste. Mit Blick auf sämtliche Ergänzungen der Ausstellung bemerkte er: „So interaktiv waren wir noch nie.“ Was alle Beteiligten auf die Beine gestellt haben, sei grandios.

Und eine besondere Überraschung: Der neue Hausmeister Alexander Roller hat eine künstlerische Ader. Er hat eine ganze Seite im Gästebuch der Ausstellung gezeichnet. Als das Publikum ein Foto davon auf der Leinwand sah, ging ein beeindrucktes Raunen durch den Saal.

Das Bild kann jeder Ausstellungsbesucher live bewundern. Es reiht sich in die viel Werke ein, die bereits bei der Vernissage viele ins Staunen versetzen. Ein riesiges Werk mit einem großen Baum, das richtiggehend leuchtete, faszinierte. Ebenso eine Wasserszene im Mondlicht, das unglaublich wirkt. Die Vielfalt der Bilder und Stilrichtungen lädt dazu ein, lange zu verweilen und sich richtig in die Motive reinzusehen.

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