So war diese Saison nicht geplant: Aus einer Pächtersuche für die neuen Pläne eines Museums mit Bistro in der historischen Schlosstorkel in Bodman ist die Herausforderung geworden, dass die Gemeinde Bodman-Ludwigshafen plötzlich nach der Insolvenz des Restaurants Bodano im Seeum dort einen neuen Pächter braucht. Wie schwierig wird das nun? Und wie geht die Verwaltung mit der Situation um? Immerhin sind im Seeum Hochzeiten und andere Veranstaltungen gebucht.
Obendrein stehen Gäste vor verschlossener Tür und nichts am Bodano weist darauf hin, dass es dauerhaft geschlossen hat. So stand am Dienstagabend ein junges Paar am Seeum und suchte den Eingang zum Restaurant. Bürgermeister Christoph Stolz, der gerade für den Bauausschuss auf dem Weg zum Sitzungsaal im Seeum war, konnte ihnen nur sagen, dass es kein Bodano mehr gibt und ihnen den Tipp geben, im Gallardo essen zu gehen. Die beiden zeigten sich verwirrt und sagten, auf Google sei zu lesen, dass das Bodano offen habe.
Inzwischen steht bei Google „dauerhaft geschlossen“ und auf der Internetseite des Bodano ist bereits seit ein paar Tagen zu lesen: „Das Bodano am See ist dauerhaft geschlossen. Wir danken euch von Herzen für eure Treue und die vielen schönen Momente, die wir gemeinsam am See erleben durften.“
Wie geht es nun weiter?
Die Gemeinde sucht nun eine Lösung. Bürgermeister Christoph Stolz sagt auf Nachfrage, er wolle beim Bodano keine Wasserstandsmeldungen geben, um keine Erwartungen zu schüren. Die Gemeinde führe aktuell natürlich Gespräche mit potenziellen Pächtern. Die oberste Priorität sei, die beim Bodano gebuchten Veranstaltungen auch wie geplant stattfinden zu lassen. „Auch für den Bereich der Gastronomie versuchen wir noch für diese Saison eine Interimslösung zu finden“, sagt er.
Trotz der zweifachen Pächtersuche macht sich Stolz keine Sorgen:
„Da es sich um zwei doch sehr unterschiedliche Projekte handelt, glaube ich ehrlich gesagt nicht, dass sich hier Komplikationen ergeben.“ Die Nachricht von der Schließung des Bodano habe dem Ortsteil Bodman sogar noch mehr Aufmerksamkeit gebracht.

Die beiden Vergabeverfahren seien sehr unterschiedlich, sagt er. „Mit dem Seeum haben wir ein modernes, ansprechendes Gebäude mit einer funktionierenden Infrastruktur in einer gerade in den Sommermonaten ausgezeichneten Lage – sowohl für das Restaurant als auch für den Veranstaltungssaal“, schildert er. Dort werde immer ein Anliegen der Gemeinde sein, dass der Veranstaltungssaal auch von den Vereinen zu vertretbaren Konditionen genutzt werden könne.
Zwei sehr unterschiedliche Gebäude
„Im Torkel findet sich ein städtebaulich wahnsinnig interessantes und bedeutendes Gebäude, dass gemeinsam mit der Museumsnutzung noch einen wesentlichen Spieler in Form eines Pächters sucht, der im besten Fall ebenfalls sowohl Gastronomie und kulturelle Angebote vereint“, erklärt Stolz. „Sicherlich ist hier die bauliche Situation eine andere als im Seeum, zumal noch wesentliche Investitionen, beispielsweise in Heizung und Küche ausstehen. Es gibt hier auch in diesem Konzept keine Vorerfahrungen, die helfen würden, das unternehmerische Risiko einzuschätzen. Beim Seeum wissen wir ganz grundsätzlich schon, dass hier gute Umsätze erzielt werden können.“
Bei der Schlosstorkel läuft die Ausschreibung für die Pacht seit Dezember. Die Verwaltung wird bald mit Vorschlägen aus den Bewerbungen und ihen Konzepten in den Gemeinderat gehen. Im Dezember hatte die Verwaltung angekündigt, dass die Pächtersuche bis Sommer abgeschlossen werden soll. Dort wünschen sich Rat und Verwaltung ein überzeugendes Konzept. In der Torkel soll es auch öffentliche Veranstaltungen wie Lesungen, Ausstellungen usw. geben können – ebenso soll sie wie früher wieder für Veranstaltungen mietbar sein.

Der Torkel-Zeitplan ist gesetzt, aber hat keinen so großen Druck wie die kurzfristigen Entwicklungen beim Seeum. Die Tourismussaison beginnt und die Restaurant-Räume des jetzt ehemaligen Bodano liegt direkt am Hafen und Uferpark. Der Gemeinderat muss auch hier beraten, wer Pächter wird, und legt die Rahmenbedingungen fest. Stolz erklärt, der Rat werde intensiv beaten müssen, ob, wann und in welcher Form es zu einer kurzfristigen Neuverpachtung komme.
Wie geht es der örtlichen Gastronomie?
Während das Bodano in Insolvenz ist, steht fast gegenüber am Hang die Neueröffnung des Hotel-Restaurants Linde an. Dazu gibt es noch mehrere weitere Gastronomien in Bodman. Wie schätzt der Bürgermeister dort die Situation ein? Wie geht es der örtlichen Gastronomie? „Wir stehen mit unseren örtlichen Gastronomen und Hoteliers in einem sehr engen Austausch“, so Stolz. Er freue sich auf die Wiedereröffnung der Linde. „Ganz grundsätzlich bleiben wir aber auch in Bodman-Ludwigshafen nicht von den generell schwierigen Rahmenbedingungen für die Gastronomie verschont.“ Diese stehe aktuell vor mehreren Problemen: Fachkräftemangel, Preisdruck und Kostensteigerungen bei Energie, Einkauf und Löhnen.
„Örtlich kommt bei uns am Bodensee natürlich immer auch das Problem der Wohnungen und Parkplätze hinzu“, ergänzt er und weist auf die Debatten über Parkgebühren im Rat hin und die Bemühungen den Wohn- und Parkraum zu entlasten.
Christoph Stolz sieht das gastronomische Gesamtbild der Gemeinde positiv: „Wir können sehr froh sein, dass es in unserer kleinen Gemeinde ein so vielfältiges und hochwertiges gastronomisches Angebot gibt. Das ist in Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern alles andere als selbstverständlich und deshalb betonen wir auch immer wieder die große Bedeutung des Tourismus für unseren Ort.“

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