Wenn fünf Alt-Stockacherinnen in ihren echten Brautkleidern auf der Bühne stehen, ist das etwas ganz Besonderes. Die Zuschauern beim Damenkaffee staunten und juchzen, als sie diese große Überraschung in einem Sketch erlebten. Das Programm beim Damenkaffee ist natürlich für tolle und ungewöhnliche Nummern bekannt, aber diese stach eindeutig heraus.

Aber der Reihe nach: Inzwischen hat sich der Sonntagnachmittag bewährt, der vor einigen Jahren den Montag vor dem Schmotzigen Dunschtig abgelöst hat. Auch im Jubiläumsjahr zu 675 Jahre Hohes Grobgünstiges Narrengericht zu Stocken ließen es sich die Gliederung der Alt-Stockacherinnen nicht nehmen, ihren traditionellen Damenkaffee zu veranstalten.
Volle Tanzfläche und viel Spaß
Ebenso traditionell ist der Erfolg der Veranstaltung. Nachmittags feiern die Damen mit einem bunten Programm und Tanzmusik unter sich, erst abends dürfen Männer dazu. Die Tische unten im Saal waren voll, ebenso wie die Tanzfläche, wenn die Buggy-Band zwischen den Nummern auf der Bühne eine paar Tanzstücke spielte. Dieses Jahr war die Buggy-Band sogar größer als sonst.

Die Frauen hatten jede Menge Spaß, egal ob auf der Bühne oder an den Tischen. Die Stimmung war entspannt und ausgelassen. Und das, obwohl sich eine Schar Einbrecherinnen erst mal ein tänzerisches Gefecht mit Kommissarinnen auf der Bühne lieferten. Der mitreißende Tanz der jungen Alt-Stockacherinnen machte direkt richtig gute Laune.

Und auch die Moderation trug zur tollen Stimmung bei: Vera Ossola und Manuela Wurst traten immer wieder als zwei Friseurinnen auf, die von ihren Plänen berichteten oder sich über Probleme aufregten. Sie kamen mit ihrem Rollwagen sogar ins Publikum, um dort ein paar Geschenke zu verteilen und die eine oder andere Frisur mit einem bunten Zöpfchen oder sogar einem Krönchen etwas aufzupeppen.
Frust im Brautmoden-Geschäft
Beim Blick auf das Programmblatt musste man direkt schmunzeln, da auf „Ganz in weiß“ der Sketch „Die Scheidung“ folgte. Das machte direkt neugierig, was da nur los sein könnte. Nun ja, für die Verkäuferin im Brautmoden-Laden und eine Anwältin wurde es jeweils anstrengend.

Im Stockacher Brautmoden-Laden wollte eine Frau (Susanne Jährling) ein Brautkleid und hatte die künftige Schwiegermutter (Ulrike Gabele) dabei. Natürlich hatten beide komplett unterschiedliche Ansichten, wie das Kleid aussehen soll. Die Verkäuferin (Petra Maier) ließ fünf Models Kleider aus verschiedenen Jahrzehnten vorführen: Vera Ossola (1983), Gaby Braun (1993), Simone Keil (2007), Bettina Zehnle (2009) und Isabelle Keller (2013) erhielten viel Applaus, da es tatsächlich ihre echten Brautkleider waren, die so nochmal glänzen durften.

Kleid um Kleid wurde die Stimmung zwischen den Kundinnen schlechter. Während die Braut in spe begeistert war, ließ die Mutter ihres Verlobten kaum ein gutes Wort an den Kleidern. Zu wenig Stoff an den Schultern, zu teuer, zu unpassend. Die Verkäuferin musste sogar Handgreiflichkeiten vermeiden. Das Ende vom Lied: Die Braut kam zu dem Schluss, dass sie einen Mann braucht, der keine Schwiegermutter mitbringt. Und tatsächlich: Die Verkäuferin kann ihr da helfen und bringt einen Mann (Kerstin Hahn) rein, den die Braut sofort nimmt.
Für eine Scheidung extra heiraten?
Aber nein, bei der Scheidung ging es dann nicht um die beiden, sondern ein Paar (Kerstin Hahn und Bettina Zehnle), das eine Anwältin (Gabriele Braun) aufsucht. Kurz darauf sitzen alle drei verwirrt da: Sie sagt, sie könne nicht helfen, weil der Mann und die Frau gar nicht verheiratet sind – das Paar versteht aber nicht, was das bedeutet, streitet und setzt alles daran, doch irgendwie eine Scheidung zu bekommen.
Selbst Hinweise der Anwältin reichen nicht, um die Situation aufzulösen. Stattdessen wird aus der geplanten Scheidung eine anstehende Hochzeit. Als die Anwältin ihre Chance wittert und einen Ehevertrag vorschlägt, schmettert ihr das Paar entgegen, das brauche man nicht, wenn man sich liebe.

Die Bauchmuskeln der Zuschauer könnten alleine schon von diesen amüsanten Szenen Muskelkater bekommen haben. Aber es ging ja noch weiter: Beim Kaffeeklatsch unterhalten sich drei Damen (Simone Keil, Isabelle Keller und Manuela Wurst) über Kindererziehung und Babysachen, da eine von ihnen gerade Oma geworden ist. Dabei kommen sehr kuriose Dinge zutage, da eine von ihnen früher selbstgemachte Plastikwindeln eingesetzt hat und die Meinungen über Kinderwägen weit auseinander gehen.

Ob da brauchbare Tipps für Damen im Publikum dabei waren? Ja, Sport-Tipps für junge Mütter: Einfach mal den Kinderwagen die Kirchhalde hochschieben und nachher beim Runterfahren stark abbremsen müssen, was gut für die Bauchmuskeln ist. Das ist die kostenlose Stockach-Alternative für irgendwelche Bauch-Buggy-Mama-Fit-Kurse bei der VHS oder so. Okay, gut, die Einkäufe, die zum Kind in den Wagen müssen, kosten natürlich was.
Geschäftsidee für den Stadtgarten
Ein Treffen auf einer Bank im Stadtgarten gab schließlich noch Einblicke in ein bisschen Stadttratsch samt Sticheleien. Zwei Damen (Regina Gromball und Vera Ossola), die sich selbst als die flotten Mietzen vom Rollator-Club bezeichnen, schwärmen über den schönen Stadtgarten und dass ein Mainau-Gärtner unter den Stadtgärtnern sei. Sie finden, der Stadtgarten sei ja wie eine kleine Mainau und eine von ihnen hat dadurch eine lukrative Idee für die Stadtverwaltung: „Da könnten wir doch Eintritt verlangen.“

Auch hier gehts wieder im Kinder, da beide Omas sind, und eine von ihnen Babysocken strickt. Sie wundern sich allerdings über Manches über die Ansprüche junger Eltern an den Kindergarten und Ähnliches. Aber: Sie freuen sich, dass junge Väter heute mehr mithelfen als früher. Das ist die Überleitung für beide, über ihre Männer zu lästern, die zuhause auf dem Sofa rumsitzen, und Beauty-Tipps auszutauschen. Daraus entstehen sogar Geschäftsideen für die Stockacher Oberstadt.

Im Finale tanzen schließlich alle auf der Bühne und im Saal zu Abba-Klängen, ehe eine Polonaise an den Tischen vorbei schlängelt. Während das noch in vollem Gange ist, sitzen bereits die ersten beiden männlichen Besucher vor dem Saal und warten auf Einlass. An der Kuchentheke gibt es noch Nachschub für den Abend, aber in der Küche steht auch schon der Wurstsalat bereit. Jetzt kann der Schmotzige Dunschtig kommen!










































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