Ein Missverständnis war Schuld: Bäckerei geht ohne Bauantrag in Betrieb

Eigentlich kommt der Bauantrag und nach der Bewilligung wird gebaut. Der Gemeinderat Stockach hatte nun aber einen Fall auf dem Tisch, bei dem es anders ist: Die Filiale der Bäckerei Breiler im Autohaus Homm an der Ludwigshafener Straße wurde Ende Oktober eröffnet, doch in der Dezember-Sitzung ging es plötzlich um einen nachträglichen Bauantrag zur Nutzungsänderung. Anders gesagt: Die Bäckerei hatte eigentlich noch gar keine Erlaubnis für den Betrieb.

Was war da los? Immerhin wurde ein Teil des Autohauses bereits ab Sommer umgebaut und die Bäckerei-Filiale ging Ende Oktober mit einer kleinen Feier in Betrieb. In der Ratssitzung sprach niemand über die Ursache, doch „Tiefgang“ hat nachgefragt. Martin Breiler erklärt, es habe ein Missverständnis bei der Beantragung der Nutzungsänderung mit dem Autohaus gegeben, von dem er die Fläche im Bestandsgebäude gemietet habe.

Viel Papierkram notwendig

Als sich schließlich herausgestellt habe, dass die Unterlagen noch nicht bei der Stadt gewesen seien, habe er diese dort im Oktober eingereicht. Daraufhin habe ihm die Stadt mitgeteilt, dass er die Formulare als pdf-Datei schicken solle, später habe es geheißen, ein Teil fehle noch. Das Ganze habe sich schließlich mit dem Papierkram so umfangreich erwiesen, als ob es um einen Hausbau gehe, obwohl an dem bestehenden Gebäude äußerlich nichts verändert worden sei, beschreibt Martin Breiler.

Wer schon im Autohaus und der Bäckerei war, kann dies auch sehen. Die Fassade ist bis auf ein Schild gleich. Innen wurden die Möbel für den Verkaufsbereich aufgestellt, hinter denen sich noch ein abgetrennter Bereich befindet. Autohaus und Bäckerei teilen sich denselben Eingang.

Wo für Stadt und Räte die Probleme liegen

Bürgermeisterin Susen Katter sagte in der Sitzung, es sei kein Schaden, dass die Bäckerei an diesem Standort sei. Allerdings folgten eine Diskussion und unter den Räten zeigte sich etwas Unmut. CDU-Rat Christoph Stetter bemerkte, in der CDU-Fraktion habe dieser Punkt auf der Tagesordnung für Irritation gesorgt, da die Bäckerei längst in Betrieb sei.

„Wenn wir jetzt zustimmen, wäre das ein Präzedenzfall“, sagte Stetter und drückte seine Sorge aus, dass es weitere solcher Fälle gebe, in denen erst etwas gebaut werde, das dann nachträglich genehmigt werden solle. Susen Katter erwiderte jedoch, sie sehe keine Gefahr für einen Präzedenzfall.

Roland Fiedler, der nicht nur Gemeinderat der Freien Wähler, sondern als Architekt auch vom Fach ist, hatte gemischte Gefühle: „Ich habe nichts gegen die Bäckerei, aber bei uns wird sowas angekreidet.“ Er fand es gar nicht gut, wie dieser Fall abgelaufen war.

Kritik am Zeitablauf und mehr

Und er war da nicht alleine: CDU-Rat und Immobilienmakler Martin Bosch schloss sich an, kritisierte aber auch noch etwas anderes. „Wofür haben wir einen Planungsausschuss, wenn so viel in den Gemeinderat kommt?“ fragte er angesichts der Tagesordnung mit mehreren Baugesuchen. Er bat darum, dies künftig nicht in die Ratssitzungen zu packen, da solche Fälle im Ausschuss vorbesprochen werden könnten.

Nach einer kurzen Debatte um Anträge und die Bearbeitungsdauer im Bauamt, leitete CDU-Rat Jürgen Kragler nochmals auf ein zuvor angerissenes Thema zurück. „Wir haben aus gutem Grund in den 2000ern das Sortiment in der Innenstadt geschützt“, sagte er im Hinblick auf einen entsprechenden Ratsbeschluss, der eigentlich verhindern sollte, dass bestimmte Geschäfte außerhalb der Innenstadt entstehen.

Kragler sah das Problem, dass die Innenstadt einen Schaden davontragen würde, falls noch weitere Fälle dieser Art kommen sollten, also Eröffnungen außerhalb der Innenstadt kommen sollten. Daher müsse sparsam mit soetwas umgegangen werden und er rate davon ab, da die Innenstadt gefördert werden solle.

Die Entscheidung des Rats, die Bäckerei nachträglich zu genehmigen, fiel schließlich mit einem eher knappen Ja aus: Von den anwesenden Ratsmitgliedern waren acht dafür, sechs dagegen und eine Person enthielt sich.

Comments

5 Antworten zu „Ein Missverständnis war Schuld: Bäckerei geht ohne Bauantrag in Betrieb“

  1. Avatar von Bürgerinnen
    Bürgerinnen

    Unglaublich aber wahr ..und es wird nach wie vor nach bei der Gemeinde nach Würfeln & Sympathien entschieden…schön für Bäckerei Breiler das es doch geklappt hat. Im Regelfall “ muss“ der Betrieb eingestellt werden?!

  2. Avatar von Karbach
    Karbach

    Ja, so ist das in Deutschland, wenn aus einem Verkaufsraum ein Verkaufsraum werden soll, dann benötigt man einen Bauantrag oder einen Antrag auf Nutzungsänderung oder was auch immer? Wer soll das noch verstehen.

    1. Avatar von M. D.
      M. D.

      Der Antrag auf Nutzungsänderung macht Sinn, da sich die Anforderungen an die Räumlichkeiten ändern / ändern können, wenn eine andere Art von Ware verkauft wird. Es macht schon einen Unterschied ob man Reifen oder Lebensmittel (Hygiene!) verkauft.

      Selbst wenn die Anforderungen gleich bleiben, kann es sein, dass die Umgebung bestimmte Betriebsarten nicht zulässt. Stockach möchte zum Beispiel bestimmte Betriebsarten nur in der Innenstadt haben, damit diese nicht verödet. Umgekehrt kenn ich auch den Fall, in einem Gewerbegebiet die Umnutzung von Räumen in eine Autowerkstatt verboten wurde, weil in der Nähe ein großer Chemiekonzern war und man Sorge wegen leicht entzündlichen Stoffen hatte.

  3. Avatar von BerndKarotsch
    BerndKarotsch

    Es wird Zeit die die Methusalems im Stadtrat bei der nächsten Wahl jüngeren Personen Platz macht ,diese Debatte ist ja an Lächerlichkeit nicht zu überbieten.

  4. Avatar von LANGENER
    LANGENER

    Missverständnis- lächerlich
    Stadt sollte ihre Praxis bei Nutzungsänderungen dringend überdenken. Gewerbetreibende stoßen immer wieder auf unnötige Hürden und fehlende zeitlixhe Reaktionen seitens der Verwaltung. Anfragen Anträge, Verfahren ziehen sich endlos. Hier besteht klarer Handlungsbedarf – auch organisatorisch und personell
    – so vergrault man Gewerbetreibende. Vielleicht sollte die Stadt mal aufwachen und ihre internen Abläufe (und Zuständigkeiten) überdenken.

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