Obsthalle vs Seeum: Bodmaner vermissen alte Nutzungsmöglichkeiten

Ein großer Wunsch der Bürger von Bodman schwelt schon sehr lange – nun schlug er im Gemeinderat von Bodman-Ludwigshafen auf: Tierärztin Karin Weber sprach in der Einwohnerfragstunde die eingeschränkte Nutzungsmöglichkeit des Seeums für private Feiern an. Bei der alten Obsthalle, die samt benachbartem Rathaus vor rund 15 Jahren dem Bau des Seeums weichen musste, sei das immer ganz anders gewesen. Und seither sei eigentlich nie das eingehalten worden, was man den Einwohnern versprochen habe.

Das sie das jetzt ansprach, hatte einen konkreten Anlass: Eigentlich hätte Karin Weber im Sommer im Seeum gerne ein großes Familienfest organisiert, bei dem Gäste von weit her anreisen und übernachten, so dass dies nur an einem Wochenende geht. Das Problem: Das Seeum steht im Sommer für Einwohner an Wochenenden nicht zu den vergünstigten Tarifen zur Verfügung. Zudem sei man gezwungen die Bewirtungsangebote des Pächters mitzubuchen und könne nicht selbst etwas organisieren.

Einwohner sind unzufrieden und wollen Lösung

„Da muss man einen großen Geldbeutel mitbringen“, sagte die Bodmanerin. Diese Situation mit dem Seeum für die Einwohner belaste sie extrem. Und nicht nur sie: In ihrer Praxis werde oft darüber gesprochen und alle fänden dies nicht gut. „Das demotiviert uns.“

Karin Weber wünschte sich, dieses Thema bei der nächsten Einwohnerversammlung, die im Sommer geplant ist, zu besprechen. Sie wolle, dass eine Lösung gefunden werde und nicht motzen, betonte sie.

Sehnsucht nach der alten Obsthalle

Zudem rief sie allen in Erinnerung, wie es mit der Obsthalle gewesen war: „Wir Einheimische haben sie in Eigenregie renoviert. Viele waren gegen den Abriss und man hat uns damals mündlich zugesagt, dass mit dem Seeum bei der Nutzung alles wie vorher bleibt. Es ist verheerend für das Dorf, wenn es nichts gibt, das nutzbar ist.“

Bürgermeister Christoph Stolz verstand die Situation, wies aber auch die Sachlage hin. „Die Tarifbedingungen für Einwohner sind im neuen Pachtvertrag drin“, sagte er zur aktuellen Neuverpachtung. „Im Sommer können Einheimische das Seeum von Montag bis Donnerstag zu günstigen Bedingungen mieten. Es wäre schwierig für den Pächter, wenn er es im Sommer am Wochenende nur für wenig Geld vermietet.“ Er glaube, der Kompromiss funktioniere, sagte aber auch zu, für die Einwohner verständlich aufzubereiten, wie genau die Mietmöglichkeiten aussehen.

Generell ein anderes Pachtmodell?

Die Debatte landete darauf hin bei der Frage, warum der Pächter alles pachten muss und nicht selbst nur die Tage mieten könnten, die er selbst tatsächlich nutzt. Karin Weber bemerkte, sie finde die Struktur des Pachtvertrags nicht gut.

Für den Augenblick verwies Stolz auf den bestehenden Vertrag, der bis Anfang 2028 als Interimslösung für das Seeum geschlossen wurde. „Ab 2028 ist alles offen“, sagte er und meinte damit, dass ab dann eine dauerhafte Vermietung anvisiert ist, über deren Bedingungen der Gemeinderat noch sprechen wird. Das war so von Anfang an geplant, als nach der Insolvenz des früheren Pächters eine schnelle Zwischenlösung gesucht worden war.

Er betonte auch: „Der Betrieb des Seeums muss funktionieren und es muss offen sein.“ Das sei ein Spannungsfeld.

Comments

3 Antworten zu „Obsthalle vs Seeum: Bodmaner vermissen alte Nutzungsmöglichkeiten“

  1. Avatar von Karin Weber
    Karin Weber

    Danke liebe Ramona für den gut geschriebenen Artikel. Ich kann selbstverständlich die Situation des Pächters verstehen. Selbstverständlich muss er mit dem Objekt Geld verdienen. Außerdem schätze ich die Familie Noll sehr. Generell sollte der Pachtvertrag anders verhandelt werden finde ich. Sodass auch andere Veranstaltungen eine Chance bekommen.

  2. Avatar von Marita Nagel
    Marita Nagel

    Als Mutter zweier Söhne (16/13) möchte ich mich der Einschätzung von Karin Weber anschließen und einen zusätzlichen Aspekt in den Fokus rücken, der viele Familien in Bodman bewegt. In der Vergangenheit wurde den Kindern und Jugendlichen unserer Gemeinde ein eigener Freizeitbereich in Aussicht gestellt – etwa in Form einer Skaterrampe, eines Pumptracks oder einer vergleichbaren Infrastruktur. Nach meinem Kenntnisstand existierten hierzu bereits Planungen, Förderanträge sowie genehmigte Zuschüsse. Umso bedauerlicher ist es, dass dieses Vorhaben letztlich nicht umgesetzt wurde und die Mittel offenbar anderweitig verwendet wurden.
    Gerade vor dem Hintergrund, dass Bodman in den letzten Jahren für Familien attraktiver geworden ist und der Zuzug von Kindern und Jugendlichen steigt, stellt sich die Frage nach einer zukunftsfähigen Kinder‑ und Jugendbeteiligung im öffentlichen Raum. Aktuell fehlt jungen Menschen ein geeigneter Ort („Dach über dem Kopf“) zur Begegnung/Austausch. Viele Jugendliche weichen notgedrungen auf den Bereich rund um den Penny‑Markt oder den Mobility‑Point aus – Orte, die hierfür weder vorgesehen noch geeignet sind.
    Nach der Aufgabe des Pächters im Seeum wurde in der Elternschaft diskutiert, ob vorhandene, bislang nur als Abstellflächen genutzte Räumlichkeiten temporär oder dauerhaft für die Jugend zur Verfügung gestellt werden könnten, etwa im Sinne eines Jugendtreffs. Dieser Ansatz erscheint aus Sicht vieler Familien als pragmatische Zwischen‑ oder Ergänzungslösung. Ich möchte daher anregen, das Thema Jugendräume und Freizeitflächen erneut zu überdenken und ua im Rahmen der weiteren Planungen rund um das Seeum mitzudenken.

    1. Avatar von Karin Weber
      Karin Weber

      Gerade eben komme ich aus der öffentlichen Gemeinderatssitzung. Eine Spende im mittleren sechsstelligen Bereich steht unangetastet zur Verfügung. Sie darf nur für Jugend, Soziales und Kultur ausgegeben werden. Der Bürgermeister alleine entscheidet wofür das Geld ausgegeben werden darf… worauf wartet ihr? Stellt einen Antrag oder so…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert