Glasfaser in Ludwigshafen ist nun zum Greifen nah: In der Bürgerversammlung gab es die ersten Infos zum Zeitplan des Ausbaus, den Möglichkeiten, aber auch andere Themen, die bewegen. Wie wichtig den Einwohnern schnelles Internet ist, zeigten die zahlreichen Fragen, die nach dem Vortrag kamen.

Im Oktober oder November geht es los. Olaf Nielinger von Latus Consult stellte die wichtigsten Eckpunkte vor, nachdem Bürgermeister Christoph Stolz im Rahmen einer Übersicht über die wichtigen Themen in der Doppelgemeinde zum Thema Internet hin geleitet hatte. Stolz fasste zusammen, dass bereits beim Jubiläumsempfang Anfang 2025 der Förderbescheid über 15 Millionen Euro dagewesen sei. 95 Prozent der Gemeinde sollen bis 2028 ausgebaut werden – das solle den Standort stärken.
Zwei Jahre Bauzeit beim Glasfaser
„Der Ausbau steht unmittelbar bevor und die Telekom übernimmt den Betrieb“, sagte Nielinger. Die Infos in der Bürgerversammlung seien nur die ersten – weitere Veranstaltungen würden folgen und es werde auch verschiedene Infokanäle zum Ausbau und den individuellen Möglichkeiten geben. Bis 2028 werde eine komplett neue Infrastruktur entstehen, erklärte er und erwähnte unter anderen, dass Glasfaser zur Werterhaltung und Wertsteigerung einer Immobilie beitrage. Sie sei ein wichtiger Standortfaktor. Zudem schilderte er die Rolle von Glasfaser als Grundlage moderner Technologien und wie viele internetbasierte Geräte in den Häusern davon profitieren würden.

Bodman-Ludwigshafen werde Eigentümerin des Netzes sein und dieses an die Telekom verpachten. Die Telekom ging bei einer Ausschreibung als Siegerin hervor. Die Ausschreibung für einen Generalunternehmer für den Bau stehe kurz vor dem Abschluss.
In Ludwigshafen werde FTTH gebaut. Diese Abkürzung steht für Fiber to the Home, also dass Glasfaser direkt bis in die Wohnung gelegt werde. Er betonte dabei, dass wirklich neues Material komme – alte Kabel könnten nicht genutzt werden. Bodman hat bereits einiges an Ausbau und das dortige Netz ist an die Netcom verpachtet, doch einige Haushalte warten noch sehnsüchtig auf schnelles Internet – dort wird also auch ausgebaut.
An welchen Häusern ist Glasfaser möglich?
Durch die Fördermittel ist es laut Niedlinger möglich, rund 1400 Gebäude in beiden Ortsteilen an Glasfaser anzuschließen. Ein Wermutstropfen: Bei rund 120 Häusern werde es aufgrund der Fördervorgaben nicht kostenfrei klappen, wenn sie schon an Trassen liegen oder bereits jetzt Glasfaser haben. Die genauen Verfügbarkeiten und welche Häuser beim Ausbau dabei sein werden, könne man im Lauf des Septembers bei der Online-Abfrage sehen. Dann erfahre man, ob die eigene Adresse bei den förderfähigen Objekten dabei sei. „Das Ziel ist eine nahezu flächendeckende Versorgung“, fasste er zusammen.



Nielinger kündigte auch bereits an, dass im Herbst Haus- und Grundstücksbegehungen notwendig sein werden, um die Kabelwege zu planen. Nach dem Baustart im Spätherbst betrage die Bauzeit rund 24 Monate bis zur Gesamtfertigstellung. Sobald Anschlüsse fertig seien, würden diese natürlich immer direkt ans Netz gehen. Er zeigte den Zeitplan, in dem davon ausgegangen wird, dass die erste Häuser im März 2027 Glasfaser haben.
Die Gemeinde werde in 36 Einzelgebiete eingeteilt. Wo genau es losgeht und wie die Reihenfolge der Straßen beim Aussbau aussieht, stehe noch nicht fest, so Nielinger. Klar ist: Wer in der Initialphase den Glasfaseranschluss bestellt, erhalte ihn aufgrund der Förderung kostenlos – wer später bestelle, trage die Kosten selbst.
Chance nicht entgegen lassen
Obwohl er bei den Anwesenden eigentlich keine Überzeugungsarbeit für schnelles Internet leisten musste, schloss er mit einem Argument für die Gemeindefinanzen ab: „Die Pachteinnahmen für die Gemeinde steigen mit der Anzahl der Kunden. Sie helfen also auch der Gemeinde“, erklärte Nielingerer, da das Netz an die Telekom verpachtet wird.
Daniel Weisshaar, Regionalmanager der Telekom, erläuterte die Möglichkeiten von Glasfaser und stellte die Geschwindigkeiten und Kosten vor. Da immer mehr online geschehe und zum Beispiel Telemedizin auf dem Vormarsch sei, betonte er direkt zu Beginn: „Sie dürfen sich die Chance nicht entgehen lassen.“

Die Bandbreite liege für Privatkunden zwischen 150 bis 1000 Mbit/s, bei Geschäftskunden sogar teilweise bis 2000 Mbit/s. Im Grunde habe man mit Glasfaser in der Zukunft sogar die Möglichkeit noch viel höhere Geschwindigkeiten herauszuholen.
Er stellte ganz transparent dar, dass man nicht an die Telekom gebunden sei, sondern man auch bei anderen Anbietern einen Vertrag abschließen könne. „Wir freuen uns aber, wenn die Faser magenta leuchtet“, bemerkte er im Hinblick auf die Firmenfarbe der Telekom. Natürlich hob er in einem Werbeblock hervor, welche Vorteile es bei der Telekom selbst als Anbieter gebe.
Viele Fragen von den Einwohnern
„So ein Angebot wird es so nicht mehr geben“, betonte auch Christoph Stolz zur Einzigartigkeit und der Chance, kostenlose Glasfaser-Hausanschlüsse zu erhalten. Er und die beiden anderen nahmen nach der Präsentation eine ganze Reihe von Fragen entgegen. Dabei machten sich mehrere Einwohner bereits speziell zu ihrer Situation Gedanken und wollten wissen, wie es in ihrem Fall ablaufen könnte – zum Beispiel wie man aus einem bestehenden Vertrag rauskommt oder was ist, wenn man in Bodman mal eine Interessensbekundung für den Glasfaser-Ausbau abgegeben hat.
Gerade in letzterem Fall sagte Niedlinger, die Uhren würden auf Null gestellt – zwar sei bekannt, wer sich schon mal gemeldet habe, doch man soll einfach den neuen Bestellprozess nutzen, wenn man Glasfaser wolle.

Ein Bürger sprach speziell die Schifferstraße in Ludwigshafen an, die auch mal eine Dame im Gemeinderat angesprochen hatte: Dort sei die Fahrbahn desaströs. Stolz erklärte, dass die Gemeinde auf den Glasfaser-Ausbau gewartet habe, damit man eine gerichtete Straße nicht gleich wieder aufreißen müsse.
Wie genau gebaut wird, gehörte auch zu den Fragen. Die Männer schilderten, dass die Verlegung von Rohren für Glasfaser inzwischen mit schmalen Baustellen möglich sei und an manchen Stellen auch ein Pressverfahren oder Erdraketen zum Einsatz kämen, um Rohre unter Straßen hindurch zu verlegen und Baustellen klein und schnell zu halten. Christoph Stolz merkte trotzdem an, dass sich Verkehrseinschränkungen nicht vermeiden lassen werden.
Wie läuft es in Bodman wegen der Netcom?
Da in großen Teilen von Bodman die Hardware der Netcom für schnelles Internet vorhanden ist, war natürlich eine Frage, wie es damit weitergeht. „Das Ziel und die Strategie der Gemeinde ist es, ein koherentes Netz zu haben“, antwortete der Bürgermeister.
Olaf Nielinger erklärte dazu näher, die Gemeinde habe in Bodman einen Netzbetreibervertrag mit der Netcom, der aber gekündigt werden könne, damit die Telekom Betreiber des gesamten Netzes werde. Dennoch könne man später die Netcom genauso wie die Telekom, 1&1 oder andere Anbieter auswählen.

Obwohl Glasfaser das Schwerpunkt-Thema des Abends war, gab es im Bericht des Bürgermeisters auch weitere wichtige Neuigkeiten. Er stellte zudem dar, wie schwierig die Lagen aller Gemeinden sind, da sie immer mehr Aufgaben von Land und Bund erhalten, ohne die notwendigen finanziellen Ressourcen zu bekommen. Die Kommunen kämen so an ihre Grenzen und könnten immer weniger freiwillige Aufgaben übernehmen.
Wohnen, Feuerwehr und weitere Themen
Stolz erinnerte an das Leitbild der Gemeinde und dann jeder auf der Internetseite von Bodman-Ludwigshafen sehen könne, was schon umgesetzt ist, was in Arbeit ist und was noch kommt. Er freue sich sehr, dass sich die Initiative SeeDich gegründet habe und es bald ein Carsharing-Angebot gebe. Das Ein-Euro-Ticket beim Bus zwischen beiden Ortsteilen werde sehr gut angenommen – das freue ihn.
Beim Thema Wohnen hatte er die gute Nachricht, dass es in der langwierigen Fortschriebung des Regionalplans gelungen sei, Gebiete für die Wohn- und Gewerbeentwicklung beider Ortsteile zu erreichen. Und beim Tourismus hob er die Wiedereröffnung der Marienschlucht als prägendes Ereignis heraus und wie besonders die Schifffahrt am Seeende sei. Soweit er wisse, sei Bodman-Ludwigshafen bundesweit die einzige Kommune mit einem eigenen Schiff.

Im Bereich Klima und Naturschutz sei zwar noch viel zu tun, doch Stolz erwähnte unter anderem, dass auf öffentlichen Parkplätzen Überbauungen mit PV-Anlagen kommen sollen. Neben dem Glasfaser-Ausbau konnte er im Bereich Wirtschaft und Nahversorgung sagen, dass der Flächennutzungsplan für den Neubau der Feuerwache in Ludwigshafen geändert wurde und die Planung mit einer Arbeitsgruppe voranschreitet.
Zudem riss er im Hinblick auf das Zukunftsquelle der Bodenseewasserversorgung Neuigkeiten ab Herbst an – dann werde es einen Infoabend geben. Er sei zuversichtlich, dass sich Dinge wie eine Verbotszone auf dem Wasser vermeiden lassen.
In der Versammlung kam Unmut über die eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten des Seeum-Saals für Einheimische auf – darüber folgt noch ein separater Artikel.

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