Wo waren Kelten und Römer bei Bodman-Ludwigshafen? Dieser Frage ging Professor Gunter Schöbel, Leiter des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen, in einem Vortrag in der historischen Schlosstorkel Bodman nach. Pfahlbauten sind jede Menge bekannt: Sichtbar aufgebaut in Unteruhldingen – Überreste unter Wasser sind in Bodman und Ludwigshafen bekannt. Doch andere alte Völker?
Schöbel arbeitete sich in seinem Vortrag von mutmaßlichen Siedlungslücken am See-Ende bis zu einer ganzen Menge an gefundenen Spuren aus der Zeit der Kelten und Römer heran. Die Zuhörer verfolgten seine Worte und die Bilder auf der Leinwand gespannt. So hatte Schöbel Fotos von jahrtausende alten Funden dabei und Lidar-Aufnahmen, die geografisch zeigen, wo sich Grabhügel befinden – und damit Hinweise auf Siedlungen. Diese kann man durch die Art der Bestattungsform sowie Funde von Tonscherben, Schmuck oder Werkzeugen in eine Epoche einordnen.
Verlorene Funde und neue Technik
Vieles gebe noch Rätsel auf: Schöbel erzählte von einer Seeschlacht, bei der nicht ganz klar sei, ob und wie sie am Bodensee wirklich stattgefunden habe. So manche Angaben in Berichten dazu oder auch bei anderen Dingen seien nicht ganz klar. Ein Problem bei der heutigen Forschung sei auch, dass im Zweiten Weltkrieg Funde aus Museum entführt worden seien.

Warum die Pfahlbauten relativ abrupt verschwanden, konnte Schöbel übrigens ganz einfach erklären: Der Klimawandel. Er macht den Menschen nicht nur heute zu schaffen, sondern auch schon vor tausenden von Jahren. „Die Siedlungen endeten, als der See angestiegen ist“, erklärte Schöbel.
Und die Dinge, die tatsächlich die vermeintliche Siedlungslücken überbrücken, sind am Ende sogar sehr umfangreich und zeichnen spannende Bilder des Lebens am Bodensee und konkret bei Bodman und Ludwigshafen. Schöbel gab Einblicke in zahlreiche Fundstellen und erzählte, wie sich durch Luftbilder und Lidar-Scans Fundstellen von 200 auf mehr als 1000 vervielfacht hätten. „Spannend, wie sich das alleine aus der Luft betrachtet entwickelt“, sagte Schöbel.
Stammorte für Siedlungen
Ein interessanter Einzelfund sei der eines kleinen Pferde-Schmuckanhängers bei der Ruine Kargegg auf dem Bodanrück. Es sei auch erstaunlich, was alles in den Bodensee gefallen sei. Man sehe zudem, dass der Bodensee teil eines Wegesystems gewesen sei – hier hätten zwei Hauptrouten entlang geführt.



„Viele Wallanlagen werden dem Mittelalter zugeschrieben, aber wenn nachgeforscht wird, sieht man, dass es auch eine vorgeschichtliche Nutzung gab“, erklärte der Experte zu Stellen, die schon seit tausenden von Jahren beliebte Siedlungsstellen von Menschen waren. So könne man zum Beispiel am selben Ort Spuren der Steinzeit, Römer und Bronzezeit finden.
Zur Bodenburg bei Bodman berichtete er, dort seien Spurer der Kelten sichtbat und Freiherr Leopold von Bodman habe dort mal gegraben – andere auch. „Es düfte dort wie ein Schweizer Käse aussehen“, scherzte Schöbel. Am Dettelbach habe es zudem eine römische Villa Rustica gegeben. Ein Schild in den Obstanlagen weise darauf hin, was einst gefunden worden sei.

Vieles schlummert noch im Boden
„Das verloren geglaubte Jahrtausend“ könne man so durch diese vielen Funde und Erkenntnis zusammensetzen. Eine systematische Untersuchung von offizieller Seite fehle jedoch, lautete ein weiteres Fazit. Neben verschollenen Funden seien zudem Sondengänger ein Problem, die illegal unterwegs seien und Dinge einfach mitnehmen würden.
Schöbel rief daher dazu auf, Funde zu melden, da diese Neues aufzeigen und helfen könnten. Das Bild von den Kelten am Bodensee habe sich immerhin innerhalb eines Jahres durch verschiedene Erkenntnisse stark geändert, sagte er als Beispiel, was das Zusammentragen von Funden und Infos bewirken kann.

Er sprach von einer „riesigen Forschungsreserve“, doch noch vorhanden sei, als viel Potenzial an möglichen Funden, die zeigen können, wie Kelten und Römer oder auch Völker aus anderen Zeiten am Bodensee verteilt waren. Vielleicht lasse sich sogar eines Tages herausfinden, wie das wirklich mit dieser ominösen Seeschlacht war.
Forschen lohnt sich
Abschließend sagte er: „Eine Intensivierung der Forschung am Überlinger See würde sich lohnen.“ Er freue sich, dass in der Torkel in Museum eingerichtet werden soll und der Förderverein sich so einsetze.
Tobias Jaklin, der Vorsitzende des Museumsfördervereins Bodman-Ludwigshafen, zeigte sich beeindruckt über die Erkenntnisse und das Wissen. Im Hinblick auf gefundene Darstellungen merkte er an: „Der Bikini ist also römisch.“

Wie groß das Interesse am gesamten Thema war und die Anwesenden bewegte, zeigte sich an den Unterhaltungen, die auf den Vortrag folgten. Einige kamen miteinander oder mit Schöbel ins Gespräch, um sich über den einen oder anderen Aspekt und Fundorte auszutauschen.
Das geplante Museum
Wenn das Heimat- und Bürgermuseum in der Schlosstorkel in der nahen Zukunft eingerichtet und eröffnet wird, werden zahltreiche Funde aus der Gemeinde dort zu sehen sein. Die Sammlung Paul Weber ist ein großer historischer Schatz.
Aktuell sucht die Gemeinde noch nach einem Betreiber für das Konzept eines Museumsbistros: Wo früher die Torkelstube war, soll ein Bistro eingerichtet werden, dessen Pächter sich als Museumswirt um das ganze Gebäude kümmert. Man soll die Torkel wie früher auch wieder für Veranstaltungen mieten können und Kulturveranstaltungen soll es dort auch geben.

Schreibe einen Kommentar